Monthly Archives: July 2011

Generelle Überlegungen zu Shortpositionen

Ich nehme jetzt einfach mal den Kommentar eines Lesers zum Green Mountain Update auf und stelle ihn hier rein:

Die Angst, dass man alle potentiellen Shortgewinne auf dem Tisch laesst, wenn man nicht von Anfang an dabei ist, ist unbegründet. Meist ist es so wie bei Research in Motion (RIMM), dass wenn es anfaengt zu rutschen, eh so viel Speck an Knochen ist, dass genug übrigbleibt.

Und nicht der erste sein wollen. Einfach auf den einschlaegigen Internetseiten (shortsqueeze.com, nasdaq.com) die Shortquote beobachten und abwarten, bis die sich nennenswert erhöht hat.

Ich arbeite immer mit fünf Gruppen von Shortkandidaten:

1. Die Betrugsunternehmen wie Enron, Worldcom, Comroad etc. Das sind die sichersten, aber auch die am schwersten aufzuspürenden.

2. Die, bei denen das Geschaeftsmodell weggebrochen ist aufgrund eines Katalysators. Eastman Kodak (EK) mit Einführung der Digitalkameras damals, oder z.B. Garmin (GRMN), der Navigationsgeraetehersteller, mit Einführung der kostenlosen Navi-apps auf jedem Handy, heute. Das sind die Zweitbesten aber auch in ihrer reinen Auspraegung sehr schwer zu finden.

3. Die, bei denen der Wettbewerb ihre exorbitanten Margen gerade wegknabbert, da sie nicht durch einen „Burggraben“ verteidigbar sind obwohl der Markt faelschlicherweise diese Margen der Vergangenheit als Status Quo Prognose in die Zukunft fortschreibt. Ich würde hier, natürlich ohne Gewaehr, SMA Solar als Beispiel aufführen, aber da gibt es sicher besserere Beispiele. Auch diese Shorts sind relativ gut zu traden, da das Traegheitsmoment des Marktes einem genug Zeit laesst, hereinzukommen.

4. Zykliker, bei denen der Zyklus dreht, aber der Markt entweder den zyklischen Charakter der Aktien nicht mehr sehen will oder das Drehen des Konjunkturzylusses nicht erkennen will. Z.B. die Autoaktien heute oder Caterpillar (CAT), wenn demnaechst in China abgerechnet werden wird.

5. Die Momo Aktien wie Netflix (NFLX) oder Salesforce (CRM). Hochriskant, sehr schwer reinzukommen, sehr volatil und damit immer die Gefahr, dass man abgeschüttelt wird aus dem Trade. Man frage nur die Valueinvestoren, welche sich zur Jahrtausendwende an den Shorts der Internetdarlings versucht haben.

Aktien der Gruppe1 sind meiner Meinung nach am wenigsten riskant zu shorten, danach kommt Gruppe 2, danach Gruppe 3 usw. Gruppe 5 traue ich mich nicht. Nicht in einer Welt, in der VW Staemme 1000 Euro erreichen können.

Ich finde die Klassifikation super. Bei 1. fällt mir auf Anhieb Thielert ein, dazu natürlich einige der Chinesen.

Schaut man sich die aktuellen Shorts an (Kabel, Netflix und Green Mountain) sind das alles reine Kategorie 5 Shorts. Manchmal sind die kategorien aber auch fliessend, Enron z.B. hat als Kategorie 5 Aktie angefangen um dann (durch den Performancedruck) als Kategorie 1 zu enden.

Green Mountain hätte allerdings das “Potential” für Kategorie 2 (Wegfall des Keurig Patents) wie auch Kategorie 1 (Viele Übernahmen, undurchsichtiges und inkonsistentes Accounting).

Bei zukünftigen Shorts ist das aber eine gute Orientierung.

Green Mountain Coffee – Update

Das hat gestern richtig weh getan:

Grund war die Meldung, dass man ca. 200% mehr verdient hatte als im Vorjahr und den Forecast für 2012 angehoben hatte.

Selbst Dauerkritiker haben daraufhin das Handtuch geworfen, die “Aggressive Growth” Investoren jubeln.

Ein paar kritische Stimmen gibt es noch, z.B. wird hier schön gezeigt, dass Green Mountain die letzten 4 Jahre ausschliesslich negativen Free Cash Flow produziert hat und die “Grumpy Old Accountants” (schöner Name) zeigen, dass man es bei Green Mountain mit dem Accounting nicht ganz so genau nimmt.

Es ist wirklich erstaunlich, wie lange und hoch das geht. Der Short wird aber auf jeden fall durchgehalten, sollte mal das Momentum drehen dann wird aufgestockt.

Ach so, ganz vergessen. Das Patent für die Keurig Kapseln läuft 2012 aus, dann kann jeder das Format prodzuzieren. Aber macht ja nix.

Praktiker AG – Anleihe schmiert ab

Oh oh…jetzt haben anscheinend auchmit etwas Verspätung die Inhaber der Anleihe mitbekommen, dass es nicht ganz so toll läuft als noch im Februar bei Emission versprochen wurde.

Bislang konnte man die Aktienkursbewegungen noch als Übertreibung abtun, wenna llerdings die Anleihekurse dauerhaft stark sinken, dann ist das eine “self fullfilling Prophecy”, d.h. das Unternehmen bekommt auch von der Bank keinen Kredit mehr, die Lieferanten werden nervös und und und.

Eine Investition in Praktiker käme für mich ohnehin nur zu “distressed” Preisen in der Anleihe in Frage, also irgendwo bei 40-50%, falls es wirklich kritisch werden sollte.

Portfoliotransaktionen – Update & Aufstockung Magyar Telekom

Kleiner Update zu den angekündigten Transaktionen:

18.07.
Hornbach: Kauf (0,25*1.200)= 300 Aktien zum VWAP 52.78 EUR
Total Produce: Kauf (0.25* 134.694) = 33.517 Aktien zu VWAP 0.39 EUR

19.07.
Hornbach: Kauf (0,25*195)= 48 Aktien zum VWAP 52.95 EUR
Total Produce: Kauf (0.25* 328918) = 82.229 Aktien zu VWAP 0.395 EUR

20.07.
Hornbach: Kauf (0,25*566)= 141 Aktien zum VWAP 53.00 EUR
Total Produce: Kauf (0.25* 96.560) = 24.140 Aktien zu VWAP 0.404 EUR

21.07.-25.07.
Hornbach: Kauf (0,25*3.658)= 914 Aktien zum VWAP 52.94 EUR
Total Produce: Kauf (0.25* 1.052.645) = 263.161 Aktien zu VWAP 0.398 EUR

26.-28.07:
Hornbach: Kauf (0.25* 10.737)= 2.694 Aktien zu VWAP 53,70 EUR
Total Porduce: Kauf (0.25*292.999) = 73.249 Aktien zu VWAP 0.395 EUR

Bei Hornbach haben wir damit mit gut 5% es Portfolios die Zielgröße erreicht, bei Total Produce (aktuell 2,7%) stocken wir weiter auf

Zusätzlich erhöhen wir ab heute den Anteil an Magyar Telecom sukzessive auf einen Zielwert von ebenfalls um die 5% des Portfolios. Grund ist der wie schon erwähnte positive Ausblick auf ein Absinken der Ungarischen Sondersteuer,

Effiziente Kapitalmärkte – Hornbach & Sixt Aktiensplit Edition

wenn die Theorie sagt, dass Bonusaktien oder Aktiensplits keinerlei Auswirkungen auf den Kurs haben sollten, zeigt die Realität häufig etwas anderes.

Bei den Hornbach Baumarkt Aktien schiesst der Kurs nach dem heute erfolgten Split fast 10% nach oben. Letzter Kurs gestern: 53,70 , heute um die 29 EUR, macht 58 EUR.

Etwas ähnliches konnte man Anfang Juli auch bei Sixt beachten, als die Gratisaktien eingebucht worden sind.

Auch

Wirklich verstehen kann ich diese Kursauschläge nicht, insbesondere warum der Kurs nicht reagiert hat als man den Aktiensplit angekündigt hatte. Das wurde immerhin schon am 24.05. bekannt gegeben.

Man müsste nur überlegen, ob man zukünftig solche Tage mal zum “traden” nutzt, also in die Übertreibung verkauft und nachher billiger zurück kauft.

Praktiker AG – Telefonkonferenz, Übernahmephantasie etc.

Gestern habe ich mir noch den Großteil der Telefonkonferenz zum Halbjahresergebnis angetan.

Mich hatte doch interessiert, warum der Kurs danach so dermassen abgestürzt ist. Die Highlights oder sollte man sagen “Low Lights”:

- es wurde noch keine Rückstellung für die Abfindung des CEOs gebildet

- es wurden auch keinerlei Rückstellungen für die Schliessung von Standorten gebildet

- die “Strategie” bis ein neure CEO kommt ist: Investitionenen runterfahren und weiter Boris Becker Spots zu senden

- in den “Sondereffekten” sind Aufwendungen für Werbung etc. versteckt die eigentlich ins normale Ergebnis gehören (Soviel zum Thema EBITA ist überall positiv)

- Die Monate Juni und Juli sind extrem schlecht gelaufen

- Die Lager sind voll, man muss dringend abverkaufen hat aber keine Abwertungen auf Lagerbestände vorgenommen

- auch bei Max Bahr scheint die Lage alles andere als toll zu sein, bei 2 Standorten mussten 7 Mio abgeschrieben werden weil die Mieten zu hoch sind (sale and lease back)

- man peilt 200 Mio Liquidität für Q3 an, zu der Höhe der Kreditlinien wurde nichts gesagt, das 3te Quartal ist angeblich “immer” Cash Flow positiv

- man sieht die hohen Lagerbestände (im Gegensatz zu den Analysten) nicht als Problem

- angeblich wären die Lieferanten alle noch ruhig

- der CFO machte stellenweise einen stark überforderten Eindruck

Zwischenfazit: Insgesamt darf man also mit weiteren “Sondereffekten” rechnen, sollte ein neuer CEO mal anfangen aufzuräumen und unprofitable Standorte zu schliessen. Auch die Marge dürfte unter dem Lagerverkauf und den dazu notwendigen Sonderaktionen im 3ten Quartal deutlich leiden.

Zu möglichen Übernahmen meine eigene Meinung:

- Der “Kaufpreis” für Praktiker ist nicht wie viele meinen nur die Aktienbewertung, sondern auch die insgesamt 2 Mrd. Schulden (inkl. der Operating Leases)

- die börsennotierten Konkurrenten (Hornbach, Baywa) könnten sich so etwas nicht leisten

- Kingfisher kooperiert mit Hornbach und hat in UK genügend Probleme

- die Franzosen (Samse etc.) sind alle zu klein

- Metro halte ich ebenfalls für unrealistisch, die haben genügend Baustellen (Saturn)

- Für Home Depot sind vmtl. die MArgen in Deutschland viel zu niedrig (EbIT Marge bei Homedepot 8% vs. 4% bei Hornbach). Die kaufen wenn dann in Asien ein.

Fazit: Der Conference Call war sehr ernüchternd, den Sondereffekten werden weitere Sondereffekte folgen. Eine Übernahme als Ganzes ist eher unwahrscheinlich. Praktiker bleibt auf sich alleine gestellt. Das aktuelle Management scheint keinen Plan zu haben. Viel wird am neuen CEO hängen, der allerdings wenig Zeit haben wird und noch weniger Geld um das Ruder noch herum zu reissen.

« Older Entries