Buchtipp: Financial Shenanigans von Howard M. Schilit

Für Leute, die sich gerne mal eine Bilanz genauer anschauen ist dieses Buch ein Muss:

Es handelt sich hier um die Dritte, vollständig neu überarbeitete Auflage von “Forensic Accounting” Guru Howard M. Schilit.

Anhand von vielen (teilweise prominenten) Beispielen werden eine große Anzahl von Accounting Tricks vorgestellt, mit denen Firmen regelmässig versuchen, ihre Gewinne besser aussehen zu lassen als sie es in Wirklichkeit sind. Das Buch erfordert allerdings relativ solide Grundkenntnisse in Bilanzierungsfragen, für einen reinen Anfänger ist es eventuell etwas zu kompakt von der Darstellung.

Besonders interessant ist der Teil, der in der neuen Auflage dazugekommen ist. Hier geht es um “Cash Flow Shenanigans”, also Möglichkeiten wie Firmen auch den operativen Cashflow manipulieren können. Nachdem viele Analysten sich ohnehin nicht mehr mit GuV Zahlen aufhalten wird hier eindrucksvoll gezeigt, wie findige Buchhalter auch viele Möglichkeiten haben, aus der indirekten Cashflowrechnung heraus den operativen Cashflow besser als gerechtfertigt auszuweisen.

Das Buch ist nach 2 Kapiteln Einführung nach den jeweiligen “Shenanigans” gegliedert.

Die 7 wichtigsten Accounting Shenanigans in der Bilanzierung sind seiner Ansicht nach:

1. Zu frühe Realisierung von Umsätzen
2. Zweifelhafte Umsätze
3. One time items oder nicht wiederkehrende Ereignisse die nicht so ausgewiesen werden
4. Verschieben von Aufwendungen in spätere Perioden
5. Verstecken von Aufwendungen und Verlusten
6. Verschieben von Gewinnen in spätere Perioden
7. Verschieben von Aufwendungen in frühere Perioden (um dann später höhere Gewinne ausweisen zu können)

Bei den Cashflow Shenanigans wird gegliedert nach:

1. Verschieben vonFinanzierungscashflows zu operativen Cashflows
2. Operative Cashoutflows werden in den Investitionscashflow verschoben
3. Inflationierung des operativen Cashflows durch Akquisitionen
4. Inflationierung des operativen Cashflows durch Einmaleffekte

Zusätzlich behandelt er noch einige Beispiele wie wichtige Non-GAAP Kennzahlen, die von Analysten verwendet werden, manipuliert werden können.

Alles in allem ein Buch, in das man etwas Zeit investieren muss, der Pay Off in Form von Bilanzanlyse Know How aber phänomenal ist.

7 comments

  • Danke.
    Ein Punkt zu dem ich selber noch Informationsbedarf habe, sind mögliche Diskrepanzen zwischen dem Gb und der Meldung an die Steuerbehörden. Schreibt er auch dazu etwas?

    • ich bin mir nicht ganz sicher was Du damit meist, aber er konzerntriert sich hier auf GAAP, also “Handelsbilanz” bzw. die veröffentlichten Zahlen
      Steuer ist m.E. noch ein ganz anderes Thema. Die Steuerbilanz sieht in der Regel ja nur das Finanzamt.

      • Dem Vernehmen nach beschreibt zum Beispiel Thornton L. O’glove, ein früherer Wertpapieranalyst, in “Quality of Earnings” unter anderen wie man Unterschiede zwischen “income reporting to the IRS” und “reporting to shareholders” analysiert. Wie man zu jenen Daten kommt, ist mir auch nicht bekannt. Daher mein Informationsbedarf. Im Gb werden die Steuern bestenfalls geographisch aufgeschlüsselt, nur ob man daraus jedoch gut genug ableiten kann, welche Umsätze, Kosten und Einkommen zwar im Gb auftauchen, aber nicht an den Fiskus gemeldet werden brauchen (oder umgekehrt) ist m. E. fraglich.

        • rein “zufällig” habe ich das Buch “Quality of Earnings” auch im Fundus, finde es allerdings eher schwer zu lesen.

          Der Steuerteil ist nicht uninteressant. In USA kommt man laut Buch nur als großer Shareholder an die Tax Filings, in Deutschland z.B. gar nicht.

          Gerade bei internationalen Unternehmen ist es fast unmöglich zu verstehen was da läuft.

          mmi

      • Damodaran schrieb in “Investment Valuation” (Chapter 10), dass wir uns für Bewertungszwecke eigentlich eher am Steuerbuch orientieren sollten, wir aber zu diesem in der Regel keinen Zugang haben.
        Immerhin nannte er ein paar Beispiele, wie gewisse Differenzen auch ohne diesen Zugang berücksichtigt werden können, und dies muss für mich wohl auch weiterhin reichen.

  • ja, das ist ein Unterpunkt von Teil 4, schieben von Aufwänden in die Zukunft.

  • Häufig wird ein Teil der F+E kapitalisiert, d. h. diese Kosten wandern dann von “operating” zu “investing activities”, während die entsprechenden Amortisierungen in den operativen Cash-Flow einfließen.
    Wird in jenem Werk auch so etwas erwähnt?

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