Fundamentale Standortbestimmung via KGV10

Es gibt wenige Ansätze die wir als sinnvoll erachten um die Bewertung des Gesamtmarktes festzustellen. Ob Aktien in der Summe “günstig” oder “teuer” sind ist eine Frage der sich schon tausende Analysten gestellt haben. Die meisten sind daran gescheitert. Eine kurzfristige Antwort im Sinne einer Aktienkursprognose für die nächsten wenigen Tage, Wochen oder wenigen Jahre gibt es unseres Wissens nach nicht.

Dem Argument, dass der Gesamtmarkt mit einem KGV von X oder Y günstig oder teuer ist und deshalb im nächsten Jahr steigen oder fallen müsste steht keine wissenschaftliche Fundierung gegenüber. Das 1-Jahres KGV des Gesamtmarktes hat wie man an der folgenden Grafik sehen kann nur eine sehr begrenzte Aussagekraft über die Kursentwicklung im nächsten Jahr:

Eine andere Sichtweise – die allerdings am breiten Markt weniger bekannt ist (weil für kurzfristige Schlagzeilen zu langfristig) ist die Aussagekraft des sogenannten KGV10 nach Shiller. Das KGV10 bestimmt sich als inflationsbereinigter Durchschnittsgewinn von zehn Jahren zum aktuellen Kurs des Gesamtmarkts. Setzt man das KGV10 ins Verhältnis zu den Renditen die in den darauffolgenden 15 Jahren real (vor Inflation) erzielt werden, erhält man einen sehr signifikanten Zusammenhang über Bewertung und erzielte Renditen.

Insbesondere ein KGV10-Stand von über 25 war in der Vergangenheit immer von schwierigen Börsenzeiten in den nächsten Jahren gekennzeichnet. So war dies ab 1900, 1929, 1965 und ab 2000 der Fall.

Zur Beantwortung der Frage wo wir uns gerade befinden kann man auf die Daten von Starcapital verweisen, aus deren Analysen und Grafiken wir im obigen Bereich verweisen. (Schaut Euch auch die Fonds an, die im Gegensatz zu den meisten Produkten am Markt einen wirklichen Mehrwert bieten!) Im aktuellen Börsenspiegel von Oktober 2010 wird das KGV10 (PE10) von Deutschland mit 22,3 angegeben. In den USA sieht es 25,8 noch etwas teurer aus.

Verwendet man die Kurve von oben als Indikator für Renditen der nächsten 15 Jahre, dann kommt man für Deutschland auf eine reale Rendite zwischen -2% und und ca. 4-5%. (Siegels Konstante, also eine reale Erwartung von 6,9% p.a. ist in den nächsten 15 Jahren also sehr unwahrscheinlich) Zuzüglich einer Inflation von ~2% also auf eine erwartete Rendite zwischen 0% und 7%. Für die konkrete Anlage hilft dieser Umstand noch nicht viel weiter. Gemäß Modell könnte der DAX also in 2026 einen Wert zwischen 7000 und 19.000 Punkten (1,07^15) erreichen. Anders sieht es im den USA aus, wo der Markt doch noch etwas teurer als in Deutschland ist und die Rendite wahrscheinlich noch etwas geringer sein wird. Dies geht mit der Einschätzung vieler Value-Investoren überein, die den Gesamtmarkt wieder als “nicht mehr günstig” einschätzen.

Eine aktuelle Übersicht über das KGV10 (in der Grafik CAPE) und das sogenannte TobinsQ (ähnlich Buchwert) findet sich bei Smithers&Wright – die mit Valueing Wallstreet einen Klassiker in der “verly-long-valuation” geschrieben haben. In der Grafik sieht man das KGV10 und den durchschnittlichen Buchwert des S&P500 zu Ihren eigenen Durchschnitten. Aktuell notieren wir nach den Angaben von S&W also rund 70% über dem historischen Durchschnitt des KGV10 und des historischen Q-Verhältnisses. Und damit praktisch wie vor der Krise. “Historisch günstig” ist der Markt – zumindest in den USA – also keineswegs.

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