Asian Bamboo: Die Mär von der Baumwolle

Asian Bamboo hat in den letzten Tagen gerade folgende Nachricht bekannt gegeben:

Hamburg, 17. April 2011 – Die Asian Bamboo AG („Asian Bamboo“, „das Unternehmen“, ISIN: DE000A0M6M79, Börsenkürzel „5AB”, ADR Börsenkürzel „ASIBY“), ein weltweit führendes integriertes Unternehmen in der Bambusindustrie, hat im März 2011 mit der industriellen Fertigung von Bambusfasern begonnen und freut sich, folgende Erfolge melden zu können:

• Durchschnittliche Tagesproduktion: rund 70 Tonnen Bambusfasern
• Gesamtproduktion und Verkauf (bislang): mehr als 1.000 Tonnen
• Durchschnittlicher Verkaufspreis: rund 15.000 RMB je Tonne (entsprechend rund 1.600 EUR je Tonne)
• Abschluss eines Fünf-Jahres-Vertrages mit einem Schlüsselkunden aus der Textilindustrie über die Lieferung von jährlich 20.000 Tonnen Bambusfasern zu Marktpreisen. Der Preis je Tonne wird auf vierteljährlicher Basis angepasst

Herr Lin Zuojun, Gründer und Vorstandsvorsitzender der Asian Bamboo AG, kommentiert: „Wir verzeichnen eine wachsende Nachfrage nach Ersatzmaterial für Baumwolle und das Timing dieses Projektes könnte nicht besser sein. Neben dem bereits abgeschlossenen Schlüsselvertrag verhandeln wir derzeit über mehrere weitere langfristige Lieferverträge. Der Vorstand entwickelt gegenwärtig detaillierte Pläne für die nächsten Schritte dieses Projektes.“


Was wir uns fragen:

Der Baumwollpreis stand (bis vor kurzem) auf einem Jahrhunderthoch. Das letzte Hoch des Baumwollpreises lag 1864 bei rund 190 US-Cent pro Pfund. (Klar: inflationsbereinigt ist noch massig Platz). Seit den letzten 30 Jahren hat sich Baumwolle in einer relativ engen Spanne zwischen 50 und 100 US-Cent pro Pfund bewegt. Baumwolle ist dabei sicherlich ein absolut klassisches Commodity: Wettbewerbsvorteile gibt es nicht und wenn der Preis zu stark steigt werden entweder massig Anbauflächen erweitert oder einfach auf andere Substitute zurückgegriffen.

Nun ist auch Asian Bamboo auf den Zug aufgesprungen um am ewigen Wachstum des Baumwollpreises zu partizipieren. Wenn man die obige Nachricht etwas genauer liest, muss man sich allerdings folgende Frage stellen:

• Durchschnittlicher Verkaufspreis: rund 15.000 RMB je Tonne (entsprechend rund 1.600 EUR je Tonne)

Zum Zeitpunk der Ankündigung lag der Preis für Baumwolle bei 4,32 USD pro Kilo oder 4320 USD pro Tonne. Die entsprach bei einem Wechselkurs von 1,44 EUR/USD ziemlich genau einem Preis von 3000 Euro pro Tonne. Woher kommt diese Diskrepanz von der Hälfte des “klassischen Baumwollpreises”?

Aus unserer Sicht lässt sich dies nur über folgende Schlüsse erklären:

1) entweder ist Bambuswolle erheblich geringwertiger als reine Baumwolle oder unterscheidet sich deutlich von dieser und ist nur etwa die Hälfte des Marktpreises für Baumwolle wert, oder
2) die Lieferung erfolgt zu abweichenden Spotpreisen bzw. ist per Termingeschäft verkauft.

Etwas Literaturrecherche im Netz, etwa hier oder hier zeigt, dass Textilien aus Bambus alles andere als neuartig, selten oder besonders ökologisch sind.

Das Endprodukt ist nämlich schnöde “Viskose”, also ein Kunststoff dem man nicht mehr ansieht aus welchem Ursprungsstoff er gemacht wurde. Die im Geschäftsbericht auf Seite 46 angepriesenen Vorteile der “Bambusfaser” sind zum größten Teil erfunden bzw. beziehen sich auf allgemeine Trageeigenschaften von Viskose.

Der Verkaufspreis der “Bambuswolle” orientiert sich somit nicht direkt am Baumwollpreis sondern am Preis für Viskose. Der ist zwar auch gestiegen, weil Viskose im gewissen Umfang auch ein Substitut für Baumwolle ist, aber die Markteintrittsbarrieren für die Viskoseherstellung scheinen eher gering zu sein.

Somit ist schließlich nur noch die Frage zu beantworten wo die Baumwollpreise und Viskosepreise zukünftig notieren werden. Hierzu lohnt sich vielleicht ein Blick auf die Future Preise: Bei Future-Geschäften ist zwischen Contango und Backwardation zu unterscheiden. Der “Spotpreis” weicht dabei meist auf Grund verschiedener Faktoren von den “zukünftigen” Preisen (Future-Preise) ab. Ist beispielsweise ein Gut gerade heute besonders knapp, kann der heutige Preis sehr hoch stehen, während der Preis des Gutes in einem Jahr (“Future-Preis”) relativ unverändert ist.

Bei Baumwolle stellf sich die Situation aktuell wie folgt dar:

Klar: Auf Grund historisch niedriger Lager, Unwetterkatastrophen und Ernteausfällen ist der kurzfristige Preis explodiert. Langfristig hingegen sieht die Angebots- bzw. Nachfrage-Lage etwas anders aus.

D.h. im Falle von Asian Bamboo ist es nicht möglich, dass das Unternehmen die zukünftige Produktion heute schon verkauft, um an den hohen Spotpreisen zu partizipieren. Wollte man bspw. einen Pfund Baumwolle im Dezember 2012 verkaufen (wenn die Produktion voll ausgeweitet ist), könnte man dies heute für gerade einmal 100 Cent tun. Zusätzlich müssen wir dabei ein Fragezeichen nach der Qualität der Bambus-Baumwolle stellen. – Ist der Preis von 100 Cent in 2012 wirklich zu erreichen – oder ist es nur die Hälfte des Future-Preises so wie in der Nachricht?

Angesichts der Ankündigung zu den Sperrholzplatten sind wir sehr gespannt, welche “Erfolge” (nicht nur Umsatz sondern Gewinn) die Bambus-Baumwollproduktion zukünftig erbringen wird. Insbesondere dann, wenn man davon ausgeht, dass der typische Commodity-Schweinezyklus irgendwann wieder zurückpendelt und die Bambuspreis nicht mehr (wie Bambus) ewig in den Himmel wachsen.

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