Asian Bamboo – Interessante Details aus dem Einzelabschluss der AG

Interessanterweise hat die FAZ hier einen Kommentar zum HGB Einzelergebnis der Asian Bamboo veröffentlicht

Gewinn ist eine Frage des Bilanzstandards
Nur rechtlich ist Asian Bamboo, dessen Marktkapitalisierung gleichfalls eine halbe Milliarde Euro knapp überschreitet, eine deutsche Aktie. Der Bambuspflanzer macht nicht nur praktisch seinen gesamten Umsatz von 76 Millionen Euro in China, er hat dort seine Plantagen und Großaktionäre mit einem Anteil von rund 38 Prozent ist der Gründer und Vorstandsvorsitzende Lin Zuojun. Asian Bamboo vermeldete in den vergangenen Jahren stets hohe Umsatzrenditen von 40 bis 50 Prozent. Dabei ist indes zu berücksichtigen, dass rund 40 Prozent des Gewinns aus Änderungen der Bewertung der Bambuspflanzungen entstehen.

Das ist nach dem Bilanzstandard IAS möglich. Nach dem HGB-Abschluss der AG lag der Überschuss 2010 bei 10,2 Millionen Euro, nach IAS bei 33,5 Millionen. 2009 fiel nach HGB sogar ein kleiner Verlust an, nach IAS betrug der Gewinn 28,6 Millionen Euro. Den Analystenprognosen liegt der IAS-Abschluss zugrunde und so werden die KGVs auf 9,3 für das laufende und 6,8 für das kommende Jahr geschätzt. Nach HGB läge das KGV wohl deutlich höher.

Diese Aussage ist unserer Meinung nach (mit Verlaub) aber völlig irrelevant.

Ein HGB Einzelabschluss an sich ist kein Gradmesser für die Ertragskraft eines Unternehmens und weicht in der Regel deutlich vom Konzernabschluss ab.

Eine Siemens AG z.B. zeigt im Einzelabschluss 2010 einen Gewinn von 2.561 Mio EUR aus, im Konzernabschluss dafür 4.068 Mio EUR.

Der Grund ist recht einfach: Die meisten “Obergesellschaften” der börsennotierten Unternehmen sind heutzutage reine Holdinggesellschaften. D.h. die börsennotierte AG hält meistens nur Anteile an den jeweiligen operativen Töchtern.

Im Konzernabschluss werden die Erträge der operativen Töchter zusammengezählt. Im Einzelabschluss der Obergesellschaft werden dagegen nur die Dividenden ausd en Tochtergesellschaften als Gewinn gezeigt. Eine annähernde Übereinstimmung von Obergesellschaft und Konzern würde man nur erreichen können, wenn die Tochtergesellschaften 100% ihres Gewinnes ausschütten würden. Das wird in der Regel aber u.a. aus steuerlichen Gründen nicht gemacht.

Zurück aber zu Asian Bamboo und den versprochenen interessanten Details.

Auf Seite 3 des Einzelabschlusses 2010 findet man folgende Erklärung zum Jahresüberschuss:

Der Jahresüberschuss 2010 in Höhe von EUR 10,2 Mio. (2009: Jahresfehlbetrag EUR 0,05 Mio.) resultiert im Wesentlichen aus einer Dividende der Hong Kong XRX Bamboo Investment Co., Ltd. von EUR 10,0 Mio. (Vorjahr: EUR 0) und Zinserträgen von EUR 2,7 Mio (Vorjahr: EUR 1,9 Mio.). Der Anstieg der Zinserträge resultiert aus der weiteren Darlehensgewährung an verbundene Unternehmen.

Soweit so schön, eine ordentliche Dividende aus Hongkong, alles klar ? Leider nicht. Folgender Passus aus Seite 2 erklärt die etwas angespannte Liquiditätslage bei der AG:

Die liquiden Mittel betragen EUR 3,0 Mio. (2009: EUR 13,4 Mio.). Der Rückgang resultiert im Wesentlichen mit EUR 5,3 Mio. aus den nicht durch die Mittel aus der Kapitalerhöhung gedeckten Darlehensgewährungen und mit EUR 4,2 Mio. aus der Dividendenzahlung für das Vorjahr.

Keine Rede von den “Dividenden” oder Zinszahlungen der Töchter. Des Rätsels Lösung findet man aber auch auf Seite 2:

Die Forderungen gegen verbundene Unternehmen bestehen gegen Hong Kong XRX und resultieren im Wesentlichen aus Dividendenansprüchen von EUR 20,0 Mio (Vorjahr: EUR 10,0 Mio.) sowie aus Zinsansprüchen der ausgereichten Darlehen von EUR 6,1 Mio. (Vorjahr: EUR 3,3 Mio.).

Schaut man sich die Einzelabschlüsse aus 2008 und 2009 an sieht man relativ schnell, dass sämtliche Dividenden und Zinserträge aus Hongkong und China als Forderung gebucht worden sind. Von den kumuliert insgesamt 26,1 Mio EUR Beteiligungserträgen ist noch kein einziger Cent Cash zurück nach Deutschland geflossen.

Auch die 2010er Dividende der Asian Bamboo AG wurde aus der Kapitalerhöhung finanziert.

Um es klar zu sagen: Eine solche Vorgehensweise ist nach HGB prinzipiell möglich aber sehr ungewöhnlich.

Fazit: Der Einzelabschluß der Asian Bamboo AG zeigt klar, dass bislang kein einziger EUR der ausgewiesenen Beteiligungserträge aus China/Hongkong zurückgeflossen ist. Die 2010er Dividende wurde aus der Kapitalerhöhung finanziert. Das Ganze ist buchhalterisch im Rahmen des Erlaubten aber dennoch sehr ungewöhnlich.

P.S.: Inwiefern das für die Bewertung der Gesellschaft relevant ist, muss jeder selber entscheiden. Wer allerdings der Meinung ist, dass er an einer “Deutschen AG” beteiligt ist, sollte sich im klaren sein, dass in Deutschland keine “harten” Vermögenswerte vorhanden sind.

5 comments

  • Endlich mal ein interessanter Beitrag, vielen Dank. Muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Generell finde ich die Seite gut zu lesen und leicht zu verstehen.

  • Hallo Raynar,

    das wäre wirklich interessant, wenn Du mal ein paar “Übersee Kontakte” aktivieren könntest. Mich würden insbesondere auch die Pachtverträge interessieren und die Frage, ob es da “besonderheiten” gibt.

    mmi

  • Hallo MMI,

    schade, du bist mir zuvor gekommen, hatte das auch entdeckt. Diese Praxis ist mir auch schon öfters unter die Augen gekommen, “LTUS” war so ein Beispiel. Dort war es aber eine Stufe härter, denn die operative Tochter hatte diesen “Gewinnabführungsvertrag” nur auf 5! Jahre beschränkt und gehörte dazu noch zu 100% dem CEO. Dieser hatte also mit den Aktionärsgeldern “sein” Unternehmen gestärkt und keinen Cent “Gewinn” zurückgezahlt (das wurde inzwischen behoben, habe es aber nicht weiter verfolgt. Es kam auch noch ein dubioser Fabrikkauf für etliche Millionen dazu).

    Bei Asian Bamboo häufen sich wirklich die roten Flaggen. Über die aggressive Bilanzierung und Gewinnrealisierung hattest du ja ausführlich berichtet.
    Daß die Dividenden praktisch direkt aus den Kapitalerhöhungen bezahlt werden, ist auch sehr hübsch. Das ist an sich durchaus ok, denn so könnte man auch Aktienrückkäufe zu niedrigeren Kursen finanzieren, ohne sich mit dem schwierigen und wohl ungewollten (aber möglichen!) Prozess des Geld-Herausschaffens aus China beschaffen zu müssen. Es kann aber auch nicht Sinn und Zweck der Sache sein, dauerhaft KE durchzuführen, einen Teil nach China zu leiten und aus der anderen Hälfte die Dividende zu bezahlen. Es zeigt auch wieder mal eindeutig, daß der Geldfluß nach China eine Einbahnstraße ist!

    Im nachhinein wirkt die Kapitalerhöhung Ende 2009 auch nicht sehr vertrauenserweckend, bei dem der CEO netterweise eigene Aktien verkauft hat, um den Überbezug zu decken. Wenn ich als einzigste Person exakt weiß, wie unterbewertet und stark mein Unternehmen ist, gebe ich keine Aktie heraus!

    Wenn ich an andere Unternehmen denke, bei denen auf absolute Lächerlichkeiten groß und publikumswirksam herumgeritten wird und die querbeet nahe oder sogar unter Net-Cash notieren, würde ich persönlich bei AB Angst bekommen. Niemand weiß, ob AB korrekt Steuern bei der SAT bezahlt, oder diverse Lizenzen korrekt mit Umsätzen und Eigentümeranteilen bei der SAIC angemeldet hat. Dieser Faktor wurde überhaupt nocht nicht betrachtet, da er auch als Ausländer schwer zu überprüfen ist. Leider hat AB viele kleinere Töchter, was die Verifikation der Bescheide leider sehr erschwert. Ich werde den Wert Übersee mal zur Kontrolle vorschlagen, vielleicht taugt er ja als “Positiv-Beispiel”, vielleicht auch nicht…..

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