Praktiker AG – Eine erster Blick auf die Halbjahreszahlen 2011 – Buchwert pro Aktie

Praktiker hat heute den Halbjahresbericht 2011 veröffentlicht.

Ins Auge fällt natürlich der Quartalsverlust von 5,30 EUR pro Aktie für das Quartal. Wer die vorigen Beiträge gelesen hat (hier und hier wundert sich natürlich nicht ganz so sehr.

Wenn man den Bericht so liest, würde man erstmal auf den Gedanken kommen, dass es ein paar Geschäftswertabschreibungen gab und sonst nichts.

Werfen wir mal zur Kontrolle einen Blick auf die Entwicklung des Tangible Book Values von Q1 auf Q2:

mn EUR Q2 2011 Q1 2011
EK 509.235 824.30
Minorities -1.239 -1.89
Firmenwerte -33.228 -192.70
sonst. Imm. -71.744 -72.70
latente Steuern -124.98 -133.00
Steuerst.anspr. -2.7 -65.00
Tangible Book 275.344 359.01
Tang Book per share 4.75 6.19
Book per Share 8.78 14.21

Der Rückgang des Buchwertes an sich entspricht dem Verlust, dass aber der Tangible Book auch -23% gesunken ist und auf nunmehr 4,75 EUR gefallen ist, erstaunt auf den ersten Blick.

Die Erklärung ist aber recht banal und auf Seite 7 aufgedrösselt:

– Firmenwerte wurden um 170 Mio reduziert

und jetzt wirds interessant:

– Das Anlagevermögen um 49 Mio abgeschrieben (Teil des “Tangible Books”)
für “belastende Verträge” 48 Mio. EUR zurückgestellt

Die “belastenden Verträge” sind wie mehrfach erwähnt die Verpflichtungen aus den Sell-Leaseback Veträgen. Hier wird auf Seite 7 weiterhin erklärt, dass man hier nur die “erwarteten zukünftigen negativen Cashflows” im Rahmen der Planung berücksichtigt hat.

M.E. sind hier evtl. Schliessungskosten o.ä. bei einer Restrukturierung dabei noch gar nicht berücksichtig. Wir hatten ja erwähnt, dass der Barwert dieser “potentiell belastenden Veträge” aus dem Operating Leasing 1,4 Mrd. EUR beträgt, die alle momentan noch ausserhalb der Bilanz sind. Die 48 Mio. Rückstellungen entsprechen im Prinzip nur 3,4% des NPVs dieser “Off Balance Sheet” Sachanlagen.

Zum Vergleich: Auf die “On Balance” Sachanlagen wurden ca. 10% abgeschrieben (49 Mio. vs. Bestand 480 Mio in Q1). Eine entsprechende Abschreibung auf die Operating Leases hätte also zusätzliche (6,6%*1.4 Mrd)= 92 Mio. EUR zur Folge und würde unserem 10% Szenario “auf alles” entsprechen, Tangible Book wäre dann irgendwo bei knapp 3 EUR.

Geradezu naiv ist die Einschätzung im Chancen und Risiken Bericht auf Seite 22:

Je länger die krisenhaften Zustände in Ländern des internationalen Portfolios andauern, desto größer wird auch die Wahrscheinlichkeit einer Besserung. Ähnliches gilt für die Neupositionierung von Praktiker Deutschland.

Da klingt etwas nach eingeschränkter Wahrnehmungsfähigkeit. Je länger man in Deutschland Verluste macht, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit auf einen Turnaround ? Gehts noch ?

Fazit: Die vorgenommenen Abschreibungen scheinen insbesondere im Bereich der Off Balance Sheet Leases eher “optimsitisch zu sein”. Der Buchwert nähert sich relativ schnell dem (sinkenden) Börsenkurs an. Eine Margin of Safety gibt es beim ökonmischen Buchwert inkl. der ausserbilanziellen Verpflichtungen vermutlich nicht.

8 comments

  • deshalb sag ich ja soll man wenn man sagt das leasingobjekt gehört einem nicht auch die dazugehörigen verbindlichkeiten(schulden) weglassen weil ich keinen großen nachteil sehe ob so ein objekt geleast is oder es einem gehört und eine hypothek drauf is.

    • #Julius,

      das ist nicht richtig. Gehört mit die Immobilie und ich habe sie mit einer Hypothek finanziert, partizipiere ich von einem Wertanstieg. Beim Leasing habe ich nur die Downside,

      MMI

  • ähhh, das versteh ich nicht ganz.

    Über die Zeit passiert Folgendes: Die Verbindlichkeit wird abgezahlt und die Immobilie entsprechend abgeschrieben.

    Zu Eigenkapital wird erstmal nix, ausser es läuft schlechter wie erwartet, dann muss die Immobilie schneller abgeschrieben werden. Das resultiert in einem Verlust und muss vom EK abgezogen werden.

  • Mir ist schon klar dass am anfang z.b. nur so viel verbindlichkeiten auf der passivseite steht wie auf der aktivseite der leasinggegenstand aufgenommen wird. -> Also genauso als ob man das ding gekauft hat und das darlehen auf der passivseite hat.

    Ich geb dir recht dass mit der zeit unter umständen wenn die verbindlichkeiten abgebaut werden etwas zu eigenkapital wird was noch keines ist oder einfach zu viel zu eigenkapital wird.
    (Kann aber auch bei normaler finanzierung so sein)

  • Dann muss man wenn man schulden mit besitz vergleicht auch den leasinggegenstand als besitz sehen wenn man die schulden ja in der bilanz sieht. Ich hab das bei euch zu rausgelesen als ob das angezweifelt wird.

    • hallo Julius,

      ich glaube Du verwechselst da einiges. Zum einen ist ein Großteil der Leasigverpflichtungen (Operating Leases) NICHT auf der Bilanz.

      Zum zweiten geht es darum, ob die Werte die auf der Bilanz sind nicht zu hoch sind. Die Zahlungsverpflichtungen aus den Leasingverträgen sind ja fix, die Erlöse die dem rechnerischen Wert der Immobilien zugrunde liegen aber nicht.

      Du kannst Dir das so vorstellen, dass man eine 100% fremdfinazierte Immobilie auf der Bilanz hat und deren Wert stark fällt. Dann bleiben die Schulden trotzdem stehen, während man die Immobilie abschreiben muss. Das resultat ist dann weniger Eigenkapital.

      mmi

  • Hallo! Ich hab eine frage zu Sell-Leaseback Veträgen.
    Durch diese Verträge werden doch die leasingobjekte in der Aktiva aktieviert. Das gegengewicht in der Passiva ist dann eigenkapital oder wird da auch eine Verbindlichkeit gebildet?
    Grüße julius

    • Hallo Julius,

      zu Deiner Frage: Zuächst sind nur die sog. “Finance leases” auf der Bilanz. Bei diesen Verträgen wird der Leasinggegenstand auf der Aktivseite gebucht, auf der Passivseite steht eine Finanzverbindlichkeit, kein Eigenkapital. Die Leasingverbindlichkeit muss über die Laufzeit ja Cash abbezahlt werden und hat Fremdkapitalcharaktter.

      MMI

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