Autostrada / SIAS Teil 4: Extra Assets und Aufnahme ins Depot

Im besprochenen Buch “There is always something to do” wird erwähnt, dass Peter Cundill immer auf der Suche nach “Extra Assets” war, also Vermögenswerte in einer Bilanz die nicht offensichtlich sind und evtl. nicht vom Markt bewertet werden.

Bei der Bewertung in Teil 3 bin ich ja einfach vom konsolidierten Gewinn nach Minderheiten ausgegangen und mit Autobahn Assets in Höhe von 3,1 Mrd. gerechnet sowie einer Nettoverschuldung von 1,7 Mrd.

Dabei habe ich aber einiges in der Bilanz unterschlagen, vollständig sieht die SIAS Bilanz wie folgt aus:

Aktiv:

3,1 Mrd. “Konzessions Assets”
0,6 Mrd. andere Finanzanlagen
0,5 Mrd. Umlaufvermögen
0,5 Mrd. Cash
macht 4,7 Mrd. gesamt

Passiv:

1,4 Mrd. EK
0,2 Mrd. Minderheiten
2,2 Mrd. Finanzverbindlichkeiten
1,0 Mrd. andere Verbindlichkeiten

Bei der Bewertung in Teil 3 war die implizite Annahme, dass sowohl die restlichen Aktiva und Passiva jeweils Ihren “Buchwert” wert sind und sich dann aufheben.

Bei Italienischen Unternehmen sind ja insbesondere die Finanzanlagen immer einen Blick wert. Praktischerweise werden die ebenfalls Italien typisch bis in die letzte Einzelheit “aufgedröselt”.

Bevor wir uns im Detail anschauen müssen ob da irgendwo eine Perle versteckt ist, gibt uns SIAS in der Juni Investorenpräsentation einen freundlichen Hinweis und zwar auf Seite 29.

Man ist mit 45% an einem Chilenischen Unternehmen beteiligt (zusammen mit dem Konkurrenten Atlantia und Mediobanka), dass dort über 100 KM Autobahn betreibt bzw. baut.

In der Bilanz wird die Beteiligung at Equity bewertet mit ca. 180 Mio EUR (größte Position der Finanzanlagen), Gewinn wurde lt. GB im Jahr 2010 nicht gezeigt. D.h. auch bei der in Teil 3 ermittelten Bewertung ist diese Beteiligung mit 180 Mio EUR implizit angesetzt.

Das Interessante ist, dass anscheinend ein IPO dieser Beteiligung in Vorbereitung ist. Laut Juni Präsentation schätzt SIAS den Marktwert Ihres Anteils auf > 640 Mio EUR.

Ob das zum jetzigen Zeitpunkt noch realistisch ist kann ich nicht beurteilen, es zeigt aber die Größenordnung der “stillen Reserven” an. Nimmt man mal die Schätzung aus der Präsentation wären das 460 Mio stille Resereven oder bei 227 Mio Aktien 2 EUR pro Aktie (bzw. ein Drittel des aktuellen Kurses), dass ich auf den Wert der SIAS und der Autostrada noch oben drauf packen muss.

Kommt der IPO noch wie angekündigt per Ende des Jahres, dann könnte das vielleicht sogar für einen kleinen Kurshüpfer sorgen. Wenn nicht, dann macht das auch wenig.

Fazit: Mit der Beteiligung an dem Chilenischen Unternehmen hat man hier die von Peter Cundill so geschätzten “Extra Assets”. Der bevorstehende IPO dieser Beteiligung könnte sogar so eine Art kleiner kurzfristiger Katalysator sein.

Alles in allem rechtfertigt das eine volle Position (5%) im Portfolio für Autostrada Torino Milano.

7 comments

  • Hallo MMI,
    ich hoffe, Du siehst dieses neue Posting oder wirst irgendwie darüber informiert in der Adminkonsole.
    Vielleicht möchtest Du Dir alternativ zu Autostrada Torino-Milano mal die portugiesische Brisa-Auto Estradas de Portugal, S.A. anschauen, ISIN PTBRI0AM0000. Rein mechanisch – Gewinne der letzten zehn Jahre und der Dividende (>11%) und des sehr starken Kursverfalls von über 10 auf 2,50 Euro sieht die noch besser aus, aber man müßte es sich leider genauer anschauen, wie das mit den Lizenzen ist, wie lange die noch gelten.

  • Wie value schon mal so prägnant schrieb, müßte man eigentlich noch die Möglichkeit berücksichtigen, daß die Aktie demnächst in Lire notiert. Im besten Fall würde alles auf Lire umgestellt, im schlechtesten bleiben die Finanzverbindlichkeiten in Euro. Deswegen halte ich mich auch bei italienischen Aktien derzeit zurück, und insbesondere bei Dividendenaktien generell, wegen der Dividendenbesteuerungs-Problematik.

    • Moin Winter,

      zum Thema Dividende: Ja, schade dass es keine AT Spar Aktien gibt, aber man kann nicht alles haben.

      Zum Thema “Lira”: Ich persönlich kann mit dem “lira” Risiko leben. Ich würde jetzt nicht 100% Italienische Aktien kaufen, aber bis zu 25% PIIGS Anteil kann ich mir durchaus vorstellen.

      MMI

  • sehr schöne Aufarbeitung, die mich voll überzeugt hat. Ich bin von Hause aus Trader und es erzeugt bei mir Unbehagen, gegen den Ticker zu traden. Bei Autostrada werde ich jetzt eine Ausnahme machen und mir eine kleine Position in mein Langfristdepot legen.

    • ohne Gewähr natürlich……eigentlich schreibe ich ja nicht für “trader”….

      • Ich mache das jetzt seit 1998 fulltime und muss damit eine vierkoepfige Familie ernaehren. Selbstredend ist alles ohne Gewaehr. Jeder ist an der Boerse am Ende fuer sein eigenes Handeln selbstverantwortlich. Wer immer Verantwortung auf Dritte abwaelzt (Gurus, Berater, den Markt, die boesen Shorties etc.) hat an der Boerse nichts verloren und wird a la longue auch kaum erfolgreich sein.

        Ich will mich fuer die schoene Analyse mit einem Opportunitytip revanchieren. Long den Schweizer Franken in der Naehe von 1.20 (so bei 1.2040 oder so) ueber ein Hebelprodukt mit Knock Out Schwelle bei knapp unter 1.20 und auf die Schweizer Nationalbank setzen. Mein Instinkt sagt mir, dass der Markt innerhalb des naechsten Jahres irgendwann massiv gesqueezt werden wird, da ich davon ausgehe, dass die Schweizer Nationalbank alle Frankenlongs frustrieren wird.

        Ich wuerde niemals auf Seiten einer Zentralbank traden, wenn sie versuchen wuerde, eine eigene zur Schwaeche neigende Waehrung durch Interventionen zu stabilisieren. Ich wuerde aber auch niemals gegen die Zentralbank traden, wenn sie versuchen wuerde, eine eigene zur Staerke neigende Waehrung durch Interventionen zu schwaechen. Denn den Zentralbanken gehen im Fall A immer irgendwann die Devisen aus, wie der grosse George Soros bei der Bank of England 1992 bewies, aber der Zentralbank geht niemals Papier und Farbe aus, wenn sie es nur ernst meint, wie im Fall B.

        Alles in allem ein sehr gutes Chance-Risikoverhaeltniss, wie ich finde/

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