Wie findet man interessante Value Investments Teil 2: Erster Filter für Contrarian Investments

In Teil 1 hatte ich ja beschrieben, welche grundsätzlichen Möglichkeiten man nutzen kann um auf interessante Werte zu kommen.

Hat man sich z.B. durch ein erstes Screening eine Liste erstellt, muss man nun im 2ten Schritt versuchen, die Werte etwas einzugrenzen.

Aus meiner Sciht gibt es hier aber ähnlich wie in Teil 1 keinen allgemein gültigen Filter, sondern man muss abhängig von der jeweiligen “Kategorie” (Compounder, Contrarian, Special situation) vorgehen.

Im Folgenden möchte ich mich auf “Contrarian” Value Aktien konzentrieren.

Ein guter Screener für Contrarian Investments ist z.B. der Magic Sixes Screen.

1. Filterstufe: Market Cap, Branche, und “aberwitzige” Bewertungen

Obwohl ich durchaus ein Freund von Small Caps bin, lasse ich Werte mit einer Marketcap unter 1 Mio. EUR erstmal aussen vor, hierbei handelt es sich meistens um irgendwelche “fast pleite” Unternehmen. Für so etwas ist mir die Zeit zu schade.

Da ich bei den Contrarian Investments echte, aus der Mode gekommene operativ tätige Firmen suche, lasse ich auch alles weg was nach Finanz- und Immobilienholdings aussieht. Das könnte zwar auch eine Special Situation sein, aber eben kein Contrarian Investment.

Als letztes schaue ich mir in der Regel auch Unternehmen z.B. mit einem KBV von 0,1 oder Dividendenrenditen von 50% und mehr erst an, wenn ich sonst nichts weiteres finde, weil das auch eher “Specal Situations” oder potentielle Value Traps sind.

2. Filterstufe: Historische Bewertung / Entwicklung

Anmerkung: Für diese Schritt benutze ich ein Excelsheet mit Bloomberg Link, vmtl. kann man aber auch einen Servive wie MSN nutzen

Hier schaue ich mir v.a. an:
– KGV 10 (d.h. aktueller Kurs geteilt durch den durchschnittliche Gewinn der letzten 10 Jahre)
– Entwicklung der Netto- Verschuldung über die letzten 10 Jahre
– Entwicklung des Buchwertes pro Aktie über die letzten 10 Jahre
– Entwicklung des Tangible Buchwertes pro aktie
– Entwicklung des Free Cashflows pro Aktie

Ich hatte mal versucht, das alles in einer Kennzahl zu erfassen, aber so ganz happy war ich damit dann doch nicht.

Mittlerweile mache ich das eher “qualitativ”. Raus fallen in diesem Schritt v.a. Firmen bei denen diese 3 Kriterien erfüllt sind:
– der freie Cashflow längere Zeit negativ ist
– die Schulden pro Aktie zunehmen
– der Tangible Buchwert pro Aktie sehr niedrig ist oder stark abnimmt.

Somit konnte ich beispielsweise die Schlotts und Böwe Systechs dieser welt relativ problemlos rausfiltern ohne viel Aufwand in die Analyse rein zustecken.

3. Filterstufe: Qualitativer Schnellcheck

Hier prüfe ich folgende Aspekte:

– wird das Papier überhaupt gehandelt ? Wie groß ist der Freefloat ?
– gibt es auf Basis einer schnellen Google Suche bekannte Corporate Governance Probleme oder Accounting Themen ?
– ist das Unternehmen aus einer bekannten Problembranche (Solar, Internet o.ä.) ?
– wurden in jüngster Zeit viel Übernahmen durchgeführt ?

Wenn eine Aktie diese Kriterien überstanden hat, dann lohnt sich im nächsten Schritt eine detailliertere Fundamentalanalyse (Replacement Value, Earnings Power Value)

Fazit: Bei mir hat sich bislang ein qualitativer “Vorfilter” beim Screenen nach Unternehmen durchaus gelohnt um echte Problemfälle schon ohne viel Analyseaufwand erkennen zu können.

5 comments

  • Natürliche meinte ich den EV/EBIT.

    @ mmi
    Was sagst du? 🙂

  • Hi mmi,

    sehr interessant! Hab ich das richtig verstanden, dass du also sozusagen manuell screenst, bis auf die Automatisierung mit Excel in der 2. Stufe? Endlich mal jemand, der sich wirklich Arbeit macht 🙂

    Habe sowas mal mit allen deutschen Aktien gemacht, ohne allerdings die Bewertung der Aktie einzubeziehen. Ich habe alle Aktien rausgefiltert, die mich potenziell mal interessieren könnten, unabhängig von der aktuellen Bewertung. Also alle Unternehmen, die ich verstehen könnte mit etwas Aufwand, die nicht überschuldet sind, halbwegs konstante Gewinne aufweisen u.ä.

    Die herausgefilterten Kandidaten hab ich jetzt alle in einer Tabelle und hab so gewissermaßen einen Überblick über mein Investmentuniversum. Hin und wieder fliegt allerdings noch was raus, wenn ich mich tiefergehend damit befasse. Nach und nach kommt auch noch was von außerhalb Deutschlands dazu, wobei mein Fokus aber nach wie vor auf Deutschland liegt.

    @Chris:
    Ist nicht EV/EBIT aussagekräftiger als EV/EBITDA?
    Ich benutze diese Kennzahl immer dann statt dem KGV, wenn ein Unternehmen eine nennenswerte Nettoverschuldung hat. Weil stark gehebelte Unternehmen sind eben nicht direkt mit weniger stark gehebelten vergleichbar, wenn man das KGV benutzt.

  • Hi mmi,

    sehr interessante Ausführung, was mich jedoch noch interessieren würde, wäre nach welchen Bewertungen du hier genau schaust:
    – KGV 10 (d.h. aktueller Kurs geteilt durch den durchschnittliche Gewinn der letzten 10 Jahre)
    – Entwicklung der Netto- Verschuldung über die letzten 10 Jahre
    – Entwicklung des Buchwertes pro Aktie über die letzten 10 Jahre
    – Entwicklung des Tangible Buchwertes pro aktie
    – Entwicklung des Free Cashflows pro Aktie

    Also was für ein KGV und was hälst du von EV/EBITDA, als “Ersatz” für den KGV?

    Viele Grüße, hys

    • Hallo Chris,

      KGV 10: Am besten möglichst niedrig 😉
      Entwicklung der Nettoverschuldung: Positiv wenn stark abnehmend
      Entwicklung des Buchwertes: Check ob analog zu (Gewinn abzgl. Dividenden und Aktienrückkäufen)
      Entwicklung des Tangible Book: Geht der stark nach untern z.B. wg. Übernahmen ?
      Free cashflow: idealerweise immer positiv und analog ausgewiesenen Gewinnen.

      EV/EBITDA oder EV/EBIT ist insbes. nützlich um Unternehmen mit unterschiedlicher Verschuldung besser vergleichen zu können.

      mmi

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