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Heute ist ein guter Tag

um die etwas voreilig gekauften RWE Aktien wieder zu verkaufen.

Zum Xetra VWAP von 27.33 EUR pro Aktie macht das dann 5,82% Verlust.

Ich muss ehrlich gestehen, dass ich mich hier wider besseres Wissen zu einem Spontankauf ohne intensive Recherche hinreissen habe lassen. Hauptargument war ja die in der Vergangenheit ordentliche Cashflow Generierung, aber gerade bei RWE bin ich mir wg. Atom “Aus”, CO2 Steuern, Gasverträgen etc. nicht sicher, ob man hier “Reversion to the mean” unterstellen kann. Der negative Tangible Book trägt noch weiter zu meinem Störgefühl bei.

Fazit: Bei dieser Bauchentscheidung bin ich nochmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Wenn man ein relativ konzentriertes Value Portfolio fährt, sollte man weniger mechanisch oder aus dem Bauch raus agieren, sondern wirklich nur nach intensiver Analyse investieren.

Edit: Cash Qoute jetzt wieder bei 12,5%.

Opportunity Investment RWE – First Take

Das Timing gestern, in RWE einzusteigen war denkbar schlecht, heute hätte es die Aktien nochmal satte 10% billiger gegeben.

Mit aktuell knapp -50% hat RWE mit Abstand am meisten unter den Europäischen Versorgern abgegeben, gefolgt von EON (knapp -40%).

Schaut man sich den Halbjahresbericht an, ist das auch ein Bild des Grauens:

– Ergebnisprognose kassiert
– Zahlen unter den Erwartungen (1. Halbjahr -33% “betriebliches” Ergebnis
– Kapitalerhöhung angekündigt
– Dividendenkürzung angekündigt

Dazu kommen neben den bekannten Themen Atomausstieg und CO2 Steuer auc noch massive Probleme mit den Gaslieferverträgen aus Russland und ein Downgrade von S&P von Single A auf A- mit “negative Outlook”.

Auf Bloomberg spiegelt sich das auch in eiener sensationall schlechten Ratio von Analystenratings nieder. Von 43 Analysten raten 18 mit “Sell”, 15 mit “hold” und nur 10 mit “buy”. Der durchschnittliche Zielkurs ist allerdings immer noch bei 40,40 EUR.

Das Durchschnittsrating ist lt. Bloomberg 2.69, damit liegt RWE im in den unteren 5% des DJ sStoxx 600, immerhin noch vor Banco Popular aus Spanien, Piraeus Bank und ähnlichen “Perlen”.

Zwischenfazit: Man kann mit gutem Gewissen behaupten, dass das Sentiment bei RWE am Boden liegt. Es kann natürlich immer tiefer gehen, aber auf der “Würgfaktor” Skala für Invetsments ist das vmtl. eine 9 von 10.

Schauen wir uns mal die grundlegenden Berwertungszahlen an:

KBV 0,9
KUV 0,27
Trailing P/E (2010) 4,2
Est. P/E 8,4

Also alles schön billig, aber dann das hier:

Tangible Book: NEGATIV
Nettoverschuldung pro Aktie: 26,50 EUR, das ist mehr als der aktuelle Börsenwert.

Was in aller Welt will man also mit einer solchen “Bude” ?

Die Antwort kann eigentlich nur “Cashflow” sein. Schauen wir uns mal die für die letzten 10 Jahre ausgewiesenen operativen Cashflows und freien Cashflows an:

Op CF Free Cf
2001 8.91 -1.80
2002 10.55 3.27
2003 9.41 1.65
2004 8.76 2.67
2005 9.43 2.91
2006 12.06 4.07
2007 10.82 3.59
2008 17.32 9.05
2009 9.96 -1.13
2010 10.31 -1.65
     
Avg. 10.75 2.26

Wie man es bei einem Versorger erwarten würde, gibt es Operativen Cashflow satt, der Free Cashflow schwankt relativ stark aber ist doch auch respektabel.

Jetzt ist es interessant zusehen, was RWE mit dem Free Cash Flow macht:

Free Cf Dividende
2001 -1.80 1.4286
2002 3.27 1
2003 1.65 1.1
2004 2.67 1.25
2005 2.91 1.5
2006 4.07 1.75
2007 3.59 3.5
2008 9.05 3.15
2009 -1.13 4.5
2010 -1.65 3.5
     
avg 2.26 2.27

Die relativ genaue Übereinstimmung der Durchschnitte ist sicher Zufall, aber man sieht schon, dass RWE einen großen Teil des freien Cashflows an die Aktionäre schüttet. Die Akquisitionen werden / wurden i.d.R. mit Fremdkapital bezahlt. Die Verschuldung von RWE zeigt deshalb auch relativ eratische Sprünge:

Net debt per share
2000 -15.94
2001 2.36
2002 34.29
2003 35.55
2004 26.39
2005 27.87
2006 -0.36
2007 0.90
2008 8.00
2009 25.83
2010 26.50

Die großen Sprünge kommen aus den bekannten Transaktionen:

2009 wurde Essent (Holland) gekauft
2006 wurde Thames Water verkauft die 201 gakauft worden waren
2000 wurde VEW, Lahmeyer und andere gekauft

Insbesondere die Thames Water Akquisition war bekanntlich nicht besonders toll, aber an den Zahlen sieht man deutlich, dass ohne Akquisitionen RWE gar nicht gewusst hätte, wo sie den ganzen Cash investieren sollen.

Zwischenfazit: Historisch gesehen hat RWE ordentlich Cash generiert der auch ausgeschüttet wurde. Man kann also davon ausgehen, dass die “immateriellen Vermögensgegenstände durchaus einen gewissen Wert besitzen.

Fortsetzung folgt…