Category Archives: Warren Buffett

Die Berkshire Hauptversammlung: Gedanken an eine schöne Reise

Ende April war es endlich soweit die lang ersehnte Reise nach Omaha Nebraska stand an.

Nach der Ankunft am Dienstag, bei der ich das Photo von weiter unten eingestellt hatte, verbrachte ich den Mittwoch zum Shoppen im Omaha. Um ganz ehrlich zu sein: Omaha ist ein kleines Kaff in Nebraska, dass außer Berkshire nicht viel zu bieten hat. Der Nebraska Furniture Mart ist zwar eines der größten Möbelhäuser in den USA und die Leute kommen tatsächlich von überall her – aber jedes größere Ikea hat m.M. nach mehr Charme. In den klassischen Malls gab es zwar einige nette Geschäfte und zu einem USD-Kurs von ~1,50 auch wirklich nette Schnäppchen – aber der “Kracher” war nicht dabei.

Mittwoch Abend fuhr ich also in das “Treffpunkt-Hotel”, in dem sich eine größere Gruppe verschiedener deutscher Investoren und Berkshire-Aktionären für zwei Tage Konferenz treffen wollte. Schon im Hotel traf ich ein paar Deutsche und lernte einen Teil der Gruppe kennen. Zum Essen ging es in ein nahegelegenes Steakhouse, die wegen Ihrer hervorragenden Steaks natürlich erste Wahl waren. Die Gruppe mixte sich aus zahlreichen Privatleuten, einigen professionellen Investoren und eingen “Privatiers”. Alles in allem eine sehr angenehme Truppe, denn allen war/ist das Value-Investing gemein so dass es reichlich Gesprächsstoff gab.

Donnerstag und Freitag gab es zahlreiche Vorträge mit zahlreichen hervorragenden Ideen. Neben jedem deutschen Teilnehmer gab es auch Gastbeiträge von absolut brillianten Größen. So waren auch überregional bekannte Investoren wie Phoenix Asset Management, Aquamarine Fund, Markel oder Giverny Capital als Gastredner vor Ort. Alles in allem vergingen die zwei Tage wie im Flug!

Samstag morgen ging es dann ab 7:00 Uhr los zur Hauptversammlung ins riesige Qwest-Center. Als ich um 7:15 Uhr ankam, waren die Türen schon offen und die besten Plätze belegt. Bis zum Company-Movie dauerte es noch ein Weilchen, also belegten wir unsere Plätze und labten uns ein bisschen an kostenloser Coke und dem Zuckerzeug was es ebenfalls umsonst gab. Das Company-Movie war witzig gehalten. Es trat unteranderem Arnold Schwarzenegger auf, der einem automatisierten Trading-Klon aus der Zukunft den Garaus machte. Dazu gab es einige Werbungsclips von Dairyqueen, Geico und Co. Auch einige Ausschnitte aus der Salomon Brothers Verhandlung 1991 in Anspielung an die Sokol-Affäre: “If you lose money for the firm by bad decisions, I will be very understanding. If you lose reputation for the firm, I will be ruthless.”

Dann kamen Munger und Buffett auf die Bühne und gaben die Quartalszahlen für das 1. Quartal bekannt. Diese waren wie bekannt nicht sehr gut, was vor allem an den heftigen Katastrophen in Neuseeland und Japan lag. Buffett machte aber nochmal klar, dass er jegliche Messung an Quartalszahlen ablehne und Berkshire hervorragend aufgestellt sei. Dann fing die Q&A Session an, die runde 6 Stunden dauerte. Ein Transskript hierzu wurde vom Blog http://www.inoculatedinvestor.blogspot.com aufgesetzt. Das Ganze ist sehr lesenswert, insbesondere da Buffett wie immer voller Witz und mit messerscharfem Verstand arbeitet. Unter den Zuhören waren einige “Super-/ Semistars”, darunter neben Bill Gates, Whitney Tilson, David Einhorn und Monish Pabrai sicherlich noch zahlreiche andere, die wir nicht gesehen haben.

Welche Ausmaße das Meeting angenommen hat – kann man gut auf diesem (leider sehr unscharfen) Photo absehen.

Unter der Arena waren alle möglichen Stände und Firmenpräsentationen und zahlreiche Discountaktionen. Borsheims, der zweitgrößte Juwelier nach Tiffany’s macht bspw. am Shareholder-Weekend einen ähnlich hohen Umsatz wie zu Weihnachten. Am Abend wurde dann in der Stadt noch ein bisschen gefeiert und am Sonntag ging es schon wieder nach Hause 😦 Alles in allem war es ein sehr gelungenes Meeting. Ich möchte mich nocheinmal bei allen Teilnehmenden bedanken, die das Meeting wirklich einzigartig gemacht haben. Auf dem Meeting wurden unter den deutschen Anlegern einige Tips ausgetauscht, von denen hier sicherlich einige noch vorgestellt werden.

Book Review: Value Investing – From Graham to Buffet and beyond

Schon mal vorab: Das einzig Negative an dem Buch ist die Tatsache, dass ich es nicht schon früher gelesen habe.

Titel

Herausgegeben von Bruce Greenwald, Professor an der Columbia University und eine DER Autoritäten auf dem Gebiet Value Investing.

Das Buch ist ein zwei große Bereiche eingeteilt.

Es geht los mit knapp 150 Seiten Bewertungsmethoden. Der Aufbau ist klar und logisch, aber auch relativ kompakt, d.h. man darf es nicht nur überfliegen.

Es werden 3 grundlegende “Value” Bewertungsmethoden vorgestellt:

1. Die reine Assetbewertung, insbesondere der Ansatz des sog. Replacement Values. Das sind grob gesagt die Kosten die ein anderes Unternehmen aufwenden müsste, um den gleichen Output zu erbringen wie das analysierte. Interessant daran war für mich v.a. dass man hier z.B. auch vergangene Werbungsausgaben oder F&E Kosten mit einbeziehen sollte. Auch ein guter ansatzpunkt um die Werthaltigkeit von Goodwill besser analysieren zu können.

2. Der sog. “Earnings Power Value”. Das ist der diskontierte Wert des ohne weiteres Wachstum erreichbaren Free Cashflows einer Firma. Grundannahme ist hier, dass eine “normale” Firma keinen besonderen Wert durch Wachstum generiert und deshalb der Status quo die Basis der Bewertung sein sollte. Dieser Ansatz unterscheidet sich von 1. dadurch, dass man hier nicht den Wert der Assets an sich anschaut, sondern sich auf die daraus generierbaren Cashflows konzerntriert, allerdings ohne dass man irgendein Wachstum unterstellt. Ein hoher “tangible” Buchwert ist also nicht der BEwertungsmaßstab sondern eher so eine Art Worst Case Szenario.

3. Als letzter Ansatz wird noch die Wachstumsbewertung vorgestellt. Wachstum wird nur dann ein expliziter Wert zugewiesen, wenn das Unternehmen dauerhafte Wettbewerbsvorteile hat (“Franchise”), ansonsten genreiert Wachstum (z.B. nur duch Akquisitionen) nach Meinung der Autoren keinen Wert.

Bei allen 3 Wertansätzen erfolgt natürlich nur eine Investitionen, wenn der ermittelte Wert deutlich höher ist als der aktuelle Börsenwert.

Greenwald gelingt es m.E. sehr gut, quasi die “Evolution” des Value Investings darzustellen. Auch die Beispiel anhand echter Beispiele sind sehr anschaulich aber auch sehr detailiert.

Im 2ten Teil des Buches werden dann einige sehr bekannte (Buffet, Klarmann, Gabelli) wie auch etwas unbekanntere Value Investoren (Schloss, Paul Sonkin, Glen Greenberg) vorgestellt, die alle mit etwas unterschiedlichen Ansätzen sehr erfolgreich sind.

Während Sonkin und Schloss mit dem klassischen Asset Ansatz sehr erfolgreich arbeiten, sind Buffet und Gabelli ja bekanntermassen eher Vertreter des “Franchise” Ansatzes.

Fazit: Ein tolles Buch für Interessierte Value Investoren oder die die es werden möchten. Für Anfänger ist es eher nicht so gut geeignet, da viele Bilanz oder Anlage Begriffe nicht wirklich erklärt werden

Was wir lesen – Rückspiegel KW 14

Video: Seth Klarman

Glenview Capital: Annual Letter

Fairfax: Annual Letter

AxA Immoselect: Dubioses Umtauschangebot

China Frauds: Beitrag ValueView

Frostas Aprilscherz

Procter&Gamble verkaufen Pringles

Michael Burry: Vortragsnotizen

Charlie Munger und BYD

Qualitätsprobleme beim Buffett-Wert Johnson&Johnson

Damodaran zu Banken

Damodaran zu Katastrophen und Bewertungen

Die AIG Story

Ein potentiell interessantes Buch: “Predatory Trading and Crowded Exits: New Thinking on Market Volatility

St. Joe Company und der Leucadia Flugplatz.

Was wir lesen – Rückspiegel KW13

Discover Capital mit Ihren “Squad Value und Sqad Growth Fonds“. Wirklich hervorragende Investoren – leider wg. Softclosing geschlossen.

Netflix: Kursziel Dausend!

Book Review: The Four Cornerstones of Corporate Finance

Crossing Wallstreet: Wirklich interessante Gedanken zu den Treibern des Goldpreises:

Bronte Capital: Zum vermeintlichen Fraud bei China Media Express.

CNBC – Überblick über Reverse China Mergers

Bronte Capital: Zur Due Dilligence bei Hedgefonds

Accounting for Value (Columbia Business School Publishing): Wird bestellt 😉

Shareholder Letter: Raymond James: Be Conservative not Conventional.
Schönes Zitat direkt am Anfang:

“Here’s the paradox: the odds are overwhelming I will end up richer by aiming for a good return rather than a brilliant return – and sleep better en route. Folks who seek a killing usually get killed. Gunslingers get shot, and often in the foot, with their own guns. While there is always some guy around on a red-hot streak, his main function is to tempt the rest of us into becoming fools and paupers.

Der als Nachfolger von Buffett gehandelte David Sokol verlässt Berkshire Hathaway.

Was wir lesen – Rückspiegel KW9

Aleph Blog on Buffett Shareholder Letter

Baupost Fund Letters 1995-2001 – Seth Klarman – ein “must read”

Seth Klarman Auszüge aus dem 2010er Letter

Buffett CNBC Transskript

Barrons Interview First Eagle Funds aus Dez 2010

Das Buch ist bestellt und wir hier vorgestellt (There’s Always Something to Do – The Peter Cundill Investment Approach)

Sehr gutes Interview mit Ray Dalio von Bridgewater:

Damodaran contra Buffet zu Black Scholes – Siehe auch den Buffett Shareholder Letter 2007.

Howard Marks (Oaktree) on Regulation

Compunding Interest – Value & Growth

Das Konzept von Value&Growth wird gerne regelmäßig missverstanden. Klassisches Valueinvesting nach Graham&Dodd wird meistens mit Aktien verbunden, die bspw. unterhalb Ihres Eigenkapitals notieren – oder an der Börse günstiger sind als die in der Bilanz angesammelten flüssigen Mittel abzgl. Schulden. Growth hingegen wird meist mit wachstumsstarken Unternehmen verbunden die mit einem hohen Wachstum und fantastischen Aussichten glänzen.

Wie man in den sehr empfehlenswerten Buffett-Letters lesen kann, liegt “wirklich großartiges Investieren” genau in der Schnittmenge dieser beiden Eigenschaften. Der Kern großartigen Investierens dreht sich darum, “hervorragende Unternehmen” zu einem “guten Preis” zu erwerben.

Was sich einfach anhört ist natürlich in der Praxis äußerst kompliziert. Denn eigentlich immer werden hervorragende Unternehmen nicht so billig wie “normale” Unternehmen (im Sinne von Kennzahlen wie KBV, KUV oder KGV) oder die Einschätzung von Unternehmen die ex ante “hervorragend” scheinen, erweist sich ex post als “doch nicht so hervorragend”. Mit einem einfachen Beispiel möchten wir zeigen, warum ein “hervorragendes” Unternehmen langfristig solch großen Charme hat.

Nehmen wir zwei Unternehmen A und B, von denen das Unternehmen A “hervorragend” ist. Dieses Unternehmen hat einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil, der es ihm erlaubt dauerhaft und nachhaltig überdurchschnittliche Margen von (20% ROC) auf das eingesetzte Kapital zu erzielen. Das Unternehmen B erzielt hingegen nur “durchschnittliche” Margen (5% ROC).

Beide Unternehmen beginnen mit 100€ Eigenkapital ohne Fremdfinanzierung:

  A Inc. B Inc.
ROIC   20% 5%
2011   100.00 € 100.00 €
2012   120.00 € 105.00 €
2013   144.00 € 110.25 €
2014   172.80 € 115.76 €
2015   207.36 € 121.55 €
2016   248.83 € 127.63 €
2017   298.60 € 134.01 €
2018   358.32 € 140.71 €
2019   429.98 € 147.75 €
2020   515.98 € 155.13 €
2021   619.17 € 162.89 €
2022   743.01 € 171.03 €
2023   891.61 € 179.59 €
2024   1,069.93 € 188.56 €
2025   1,283.92 € 197.99 €
2026   1,540.70 € 207.89 €
2027   1,848.84 € 218.29 €
2028   2,218.61 € 229.20 €
2029   2,662.33 € 240.66 €
2030   3,194.80 € 252.70 €
2031   3,833.76 € 265.33 €

Nach 20 Jahren hat das hervorragende Unternehmen das 14-Fach höhere Eigenkapital als das mittelmäßige Unternehmen. Wow – das ist die Macht des Zinseszins!

Setzen wir das Ganze ins Verhältnis zur Marktkapitalisierung und zum Growth&Value-Stil. Ein mechanischer Investor würde im Jahr 2011 bei folgenden Kennzahlen sicherlich zur Aktie B greifen.

A Inc. B Inc.
MarketCap 400 50
     
KGV 20 10
KBV 4 0.5

Werden beide Unternehmen in 2030 zum Buchwert zurückgekauft ist die Rendite bei Aktie A über die Laufzeit 11,9% p.a., bei Aktie B ist – trotz der erheblich niedrigeren Bewertung zum Anfang der Laufzeit 8,6% p.a. Hinzu kommt der Umstand, dass die Aktien in 2030 auch zum gleichen Multiple abgerechnet werden müssten. Es ist aber gut möglich, dass Unternehmen A – wenn es weiterhin dauerhaft einen Wettbewerbsvorteil hat – auch weiterhin ein höheres Multiple zugestanden bekommt. Um auf die gleiche Rendite wie Unternehmen A zu kommen müsste Unternehmen B in 2010 bei rund 27,50€ (KBV 0,27 KGV: 5,5) notieren.

Es zeigt sich also, dass ein Wachstumsunternehmen – wenn es durchgängig hohe Kapitalrenditen behält – auch bei hohen Bewertungen noch eine sehr gute Anlage sein kann. Hier liegt aber der “Knackpunkt” den die meisten Growth-Anhänger völlig übersehen. Ein Unternehmen wie A Inc. wird es tendentiell nur sehr sehr selten geben. Von hohen Margen wird in der Marktwirtschaft die Konkurrenz angezogen wie Bienen vom Honig. Durchgängig hohe Margen wurden in der Vergangeheit nur von sehr wenigen Unternehmen mit starken Monopolen, oder wie Buffett es so gerne nennt “Burggräben” erwirtschaftet.

Aus unserer Sicht ist die Entscheidung zwischen Growth&Value daher ambivalent. Die Gefahr zu viel für ein Unternehmen mit vermeintlich nachhaltig hohen Margen und einem vermeintlich großen Burggraben zu bezahlen ist enorm groß. Daher möchten wir uns in zukünftigen Beiträgen auch zur Nachhaltigkeit von Burggräben äußern und einen Blick hierauf werfen.

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