HT1 Update und Überlegungen zur Effizienz von Kapitalmärkten

Das Timing für das Ausfstocken der HT1 Anleihe war freundlich gesagt bescheiden.

Der Blick auf den Chart zeigt, dass der Kurs wieder auf Talfahrt ist.

Kurzer Blick auf den 5.012% Perpetual der CommerzbanK:

Der Kursverlauf ist ähnlich, heute wurde die Anleihe für 47,5% gehandelt vs. ca. 48% für die HT1 Anleihe.

Beide Anleihen sind auf den ersten Blick relativ ähnlich:

– Ewige Laufzeit, “jubior subordinated”, die beiden Anleihen sind gleichrangig in Bezug auf den Emittenten, Coupon non-cumulative
– Kündigungsrecht der Bank in 2016 für den 5.012%, step up 215 bp, Kündigungsrecht 2017, step up 200 bp für HT1

Einziger “kleiner” Unterschied ist, dass die HT1 in den letzten 3 Jahren durch die Garantie jeweis 5,3% nominal Coupon gezahlt hat, während man bei der 5.012 leer ausgegangen ist.

Jetzt muss man sich natürlich fragen, unter welchen Voraussetzungen die beiden Bonds den gleichen Marktwert haben sollten. Mir fallen da nur 2 Szenarien ein:

a) Die Commerzbank geht pleite, dann sind beide Anleihen wertlos
b) Die Commerzbank macht wieder konstant Gewinne und bedient beide Bonds
c) Die Allianz kann die Garantie nicht bedienen

Jetzt kann man sich überlegen, wie wahrscheinlich die drei Szenarien sind, aber wenn man auf eine Wahrscheinlichkeit von unter 100% kommt, müsste die HT1 Anleihe nach allen Bewertungsregeln DEUTLICH höher notieren.

Wenn man jetzt Anleihen shorten könte, wäre das jetzt wieder ein toller “relative Value” Trade:

Short 5.012%, long HT1. Man hätte einen “Mörder”- Carry mit relativ begrenztem Risiko.

So kann man sich nur wundern, warum jemand für die nicht zahlende 5.012% Anleihe den gleichen Preis bezahlt wie für die zahlende HT1 Anleihe.

Damadoran 2011 MBA Bewertungs Seminar Free and Live…..

Eine tolle Sache, wer Zeit und Lust hat, kann ab heute quasi wie ein MBA Student das Seminar von Aswath Damodaran mitmachen.

Alle Vorlesungen etc. sind Online abrufbar und zwar gesammelt über seinem Blog

Die erste Vorlesung wurde heute gehalten, wer also “live” einsteigen will sollte sich beeilen…

Eines muss man den Amis lassen, vortragen können sie wirklich gut, auch das Kursmaterial ist super. Wenn man bedenkt, was so ein MBA Kurs an der NYU kostet, ist das schon ein “Deep Value”…..

Microsoft – Verwendung des Free Cashflows

Nachdem ich ja letzte Woche mal Microsoft auf Basis einer Bond Bewertung angeschaut habe mit der Annahme, dass Free Cashflow wie ein Bond Coupon zu bertrachten ist,, muss man ein paar wichtige Fragen klären:

– Wie verwendet Microsoft eigentlich den free Cash Flow ?
– darf ich den Free Cashflow wirklich als einheitlichen “Bond Coupon” betrachten oder muss man stärker diversifizieren ?

Zur, Verwendung des Free Cashflow:

Dividenden:
Microsoft hat 2004 angefangen Dividenden zu zahlen, die stetig steigen, von 8 Cent pro Quartal in 2005 auf aktuell 16 Cent pro Quartal in 2011. Im Schnitt über die letzten 3 Jahre waren das ungefähr 25% des freien Cashflows die als Dividende geschüttet wurden. Als Aktionär ist das natürlich der sicherste Teil des Free Cashflows, weil er direkt auf dem Bankkonto landet.

Hier ist m.E. eine Diskontierung mit einer relativ niedrigen rate (z.B. US Inflation linked äquivalent + High grade coprorate Spread) angemessen.

Aktienrückkäufe:

<Im 2010er Annual Report findet man auf Seite 5 die entsprechenden Zahlen:

2010: 10,8 Mrd USD
2009: 8,2 Mrd. USD
2008: 12,4 Mrd. USD

Das wären in % des Free Cashflows 68%, 37% bzw. 46% für die Jahre 2008-2010.

Man sieht schon, dass diese Zahl relativ stark schwankt.

Noch ein kurzer Check zu den Aktienrückkäufen:

Zurückgekaufte Aktien 2010: 380 Mio. Stück

Die Aktienanzahl habe ich erst nach längerer Suche im 10-k Formular gefunden:

Ende 2009 gab es 8.908 Mio Aktien
Ende 2010 waren es 8.668 Mio Aktien

Macht eine Differenz von nur 240 Mio Aktien statt den erwarteten 380. D.h. 140 Mio. Aktien wurden im gleichen Zeitraum neu ausgegeben, über diverse Aktienpläne usw. an die Mitarbeiter

Das ist m.E. sehr wichtig:

Von den oben gemeldeten 10,8 Mrd. Rückkäufe gingen “nur” 61% direkt an die Aktionäre, 37% oder fast 4 Mrd. wurde gleich wieder neu an die Mitarbeiter und das Management ausgegeben.

Zwar zahlen die Mitarbeiter im Rahmen der diversen Programme eine Teil des Kaupreises, ungefähr die Hälfte (siehe S. 43 des 10ks) wird aber “expensed”, in 2010 waren das 1,9 Mrd. USD.

Das bedeutet: Sowohl der Free Cashflow wie auch die für die Aktionäre relevanten Aktienrückkäufe müssen um den Betrag gekürzt werden, der an die Mitarbeiter geht. Dieser Posten ist zudem stark steigend, von 1,5 Mrd. USD in 2008 über 1,7 Mrd. USD in 2009 auf 1.9 Mrd USD in 2010. D.h. ich muss den Free Cashflow in 2010 um 22 Cent pro Aktie oder 8% reduzieren, weil das eigentlich ein Aktienrückkauf zugunsten der Mitarbeiter ist.

Für den Teil des Free Cashflows der an die Aktionäre fliesst, sollte man m.E. auch eine höher Diskontierungsrate anstetzen wie bei den Dividenden, da die Zahl doch stark schwankt uns stärker vom Wohle des Managements abhängt wie eine Dividende.

Im Bondbereicht gibt es bei den Nachranganleihen so etwas ähnliches, das nennt man “optional deferal”. Nimmt man die Nachrang Analogie, würde man für einen qualitativ hochwertigen Emittent vielleicht so 200-300 bp mehr verlangen, wenn das Management eine Zahlung einfach auch mal aussetzen kann.

Kommen wir zuletzt zum Retained Cash:

Microsoft selber kommentiert den Cashbestand im 10 K wie folgt:

We believe existing cash, cash equivalents and short-term investments, together with funds generated from operations, should be sufficient to meet operating requirements, regular quarterly dividends, debt repayment schedules, and share repurchases. Our philosophy regarding the maintenance of a balance sheet with a large component of cash and cash equivalents, short-term investments, and equity and other investments, reflects our views on potential future capital requirements relating to research and development, creation and expansion of sales distribution channels, investments and acquisitions, share dilution management, legal risks, and challenges to our business model. We regularly assess our investment management approach in view of our current and potential future needs.

D.h. aus Sicht des Aktioärs ist die Verwendung des Retained Cashs doch mit erheblichen “equity ähnlichen” Risken verbunden. Der Teil den Microsoft einbehält sollte dann auch mit einem entsprechenden Aufschlag abdiskontiert werden, sagen wir mal 500-600 bps.

Zusammenfassung:

Damit hätten wir für ein verfeinertes Bewertungsmodell (Steady state) unter Berücksichtung des Free Cashflows mit folgenden Komponenetn (startend mit dem dem Durchschnitts Free Cashflow 2008-2010):

Free Cashflow 2,40 EUR pro Aktie
abzgl. Stock based compensation -0,20 EUR pro Aktie
Free Cashflow to shareholder 2,20 EUR pro Aktie

Davon:
1. Dividende= 4×16 Cent = 0,64 USD pro Aktie, abzudiskonieren mit einer High Grade Corporate Bond Rate abzgl. Inflation
2. Aktienrückkäufe adjustiert um Mitarbeiterprogramme: 1,16 USD pro Aktie (Avg. 3 Jahre) abzgl. 0,20 USD = 0,96 USD pro Aktie abzudiskontieren mit einem um 200-300 bp. höheren Zinssatz gegenüber 1
3. Retained cash =(2,20-1.16-0,64)= 0,40 USD mit einem Equity ähnlichen Satz von +500-600 bp.

Zuguter letzt könnte man noch 50% des aktuellen Net Cash hinzuzählen, wenn man davon ausgeht, dass Balmer sich einigermassen beherrschen kann. Das wären dann ungefähr 1,80 USD pro Aktie.

Anbei mal eine kleine Tabelle, wo ich die einzelnen Bestandteile des Free Cashflows mit den entsprechenden Raten abzinse, jeweils das untere und obere Ende der Range und dan die Werte aufaddiere:

  low high
  USD 3% 4%
Dividende 0.64 21.33 16.00
       
    5% 7%
Aktienrückkäufe 1.16 23.2 16.6
       
Retained Cash   8% 10%
  0.40 5.0 4.0
       
Gesamt   49.53 36.57
 
50 %Net Cash pro Aktie   1.8 1.8
       
Intrinsic Value pro aktie   51.33 38.37
Aktueller Kurs   25.50 25.50
in % des intrinsic value   50% 66%

Man sieht, dass man auch mit diesem differenzierteren Ansatz eine signifikante Unterbewertung der Microsoft Aktie gezeigt bekommt, wenn man von stabilen Cashflows ausgeht.

Zuguterletzt habe ich noch ein Szenario gerechnet, wo sich linear die nächsten 10 Jahre der Cashflow auf 50% des aktuellen Niveaus reduziert und dann stabil bleibt.

Mit den niedrigen Abzinsungsätzen wäre dann der Intrinsische Wert bei 31 USD, mit den hohen Faktoren immer noch bei 24 USD.

Fazit: Obwohl ich keine US Aktien mag und Microsoft nicht wirklich meinem “Beuteschema” entspricht, scheint die Aktie schon sehr günstig bewertet zu sein. Deswegen wird im Portfolio per heute eine halbe Position Microsoft gekauft. Grund für die Investition ist die Annahme eines relativ stabilen Cashflows aufgrund des Moats bei Windows und Office. Zu beobachten ist die Beteiligung der Mitarbeiter und die Umsetzung weiterer Aktienrückkäufe.

Edit: Per 07.09.2011 wurden mit einem US VWAP von 25,88 USD und einem Wechelskurs von 1,4097 12.149 Stück Microsoft gekauft (2,5% des Portfolios).

Update Total Produce, AIRE, Schweizer Franken

Weiter gehts mit den Halbjahresupdates.

Total Produce hat heute Halbjahreszahlen gemeldet. Auf den ersten Blick sehr positiv, 4.2 Cent Gewinn im ersten Halbjahr und stabiler Umsatz und Ergebnisprognose trotz EHEC. Mehr dazu in einem seperaten Post wenn mal wieder mehr Zeit ist.

AIRE KGaA hat schon vor ein paar Tagen den Halbjahresbericht online gestellt. Aus meiner Sicht überraschend positiv, es gab Cash Rückflüsse und in einem Fall wurde sogar Geld auf ein schon voll abgeschriebenes Projekt realsiert. Auch scheinen die Abrufe aus den Asiatischen Fonds relativ gering zu sein.

Schweizer Franken
Ein echter Knaller, die Schweizer Nationalbank legt einen Mindestumtauschkurs von 1,20 CHF/EUR fest, der Franken fällt sofort um 10%. Damit hat sich die Frankenabsicherung von Nestle und Vetropack schon gelohnt, der SMI ist zwar um 4-5% hoch, aber konnte wie erwartet diese Bewegung nicht ausgleichen. Manchmal braucht man einfach ein wenig Geduld….

Edit: Aufgrund der stabilen Zahlen werde ich bei Total Produce die nächsten Tage / Wochen versuchen, auf “volle” Positionsgröße, also 5% des Protfoliowertes aufzustocken.

Updates Netflix, Einhell

Einhell

Letzte Woche hatte Portfoliowert Einhell Halbjahreszahlen gemeldet. Der Text ist wie bei Einhell üblich kurz und prägnant:

Im ersten Halbjahr 2011 erzielte der Einhell-Konzern Umsätze in Höhe von 195,2 Mio. Euro. Im Vorjahresvergleich bedeutet dies eine Steigerung von 2,7%. Das Ergebnis vor Steuern beträgt 12,0 Mio. Euro bei einer Rendite vor Steuern von 6,1%.
Trotz des guten Geschäftsverlaufs ist die weitere Entwicklung im Geschäftsjahr 2011 mit Unsicherheiten behaftet. Ob die bisher geplante Umsatzsteigerung von 5-10% verwirklicht werden kann, ist stark abhängig von der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung zum Jahresende. Entscheidend wird sein, inwieweit der private Konsum in einigen Regionen Europas beeinträchtigt wird.

Im Juni hatte ja man noch folgendes gemeldet:

Im Rahmen der Hauptversammlung am 17. Juni 2011 wird die Einhell Germany AG bekanntgeben, dass der Konzernumsatz für den Zeitraum Januar bis Mai 2011 ca. 172 Mio. Euro (Vorjahr 163 Mio. Euro) beträgt. Die Rendite vor Steuern wird voraussichtlich bei ca. 5 – 6% liegen.

Im dazugehörigen Bericht sieht man, dass vor allem in Deutschland der Umsatz zurück gegangen ist. Nachdem in Deutschland die Baumärkte ja eigentlich gut laufen, könnte das auch auf die Probleme bei Praktker hindeuten.

Der Gewinn nach Steuern ist zwar fast um 10% gestiegen, etwas Sorge macht aber der hohe nicht erklärte Aufbau an Vorräten, der den operativen CF deutlich ins minus laufen lässt. Hoffen wir mal, dass Einhell diese Waren auch abgesetzt bekommt. Mit einem vollen Lager in den Abschwung hinein wäre eher ungünstig.

Trotzdem ist die Aktie nach wie vor sehr sehr günstig, man muss aber das Working Capital im Auge behalten.

Netflix

Bei Netflix ist jetzt das eingetreten, was Whitney Tilson eigentlich korrekt vorhergesagt hat, aber nicht durchhielt: Netflix wrd deutlich mehr für seine Bilbliothek in Zukunft zahlen müssen:

Starz Entertainment has ended contract renewal negotiations with Netflix. When the agreement expires on February 28, 2012, Starz will cease to distribute its content on the Netflix streaming platform.

Starz hatte ja Disney und Sony Filme zur Verfügung gestellt. Der CEO von Netflix behauptet zwar, dass das ein Non Event wäre, der Aktienkurs zeigt aber Wirkung:

Ich bin zwar kein Chartexperte, aber der Chart sieht etwas angeschlagen aus:

Rückblick auf die Woche – Lesenswertes

Quaterly Letter von “Noisefree Investing” u.a. zu Bank of America und Autozone

Whitney Tilson hat kein gutes Jahr und meint, Dell wäre sehr billig

What is your edge in investing

Rückschlag für die Deutsche Telekom

Wenn der CEO mehr verdient als die Firma steuern zahlt

Schöner Artikel zu den Problemen wenn man in Spin Offs investiert

Tolles Griechisches Blog mit sehr fundierten Artikeln zur Situation in Griechenland aus Sicht eines (kritischen) Griechen

Aktueller Bill Gross Monatskommentar

Harte Zeiten für die Reedereien, wenn China sich nicht an Verträge hält

Microsoft oder warum kauft Seth Klarman ?

David Einhorn hat ja im Mai für Aufsehen gesorgt, als er seinen Micdrosoft Case vorgestellt hat. Im Prinzip war das ja eher eine Art “Acitivist Position”, seiner Meinung nach ist Microsoft v.a. Aufgrund der Person Steve Balmer unterbewertet.

Persönlich sind solche “Activist” Sachen nicht so mein Ding, aber spätestens als Seth Klarman eine relativ signifikante Microsoft Position veröffentlichte war mir klar, dass man Microsoft mal unter (Deep)Value Gesichtpunkten anschauen muss.

Fairerweise muss man sagen, dass Klarman gleichzeitig auch ähnlich große Positionen bei News Corp und BP veröffentlicht hat. Bei den Werten scheint mir aber der Case eher klar zu sein. Sowohl BP wie auch News Corp leiden unter individuellen Problemen, die wenn sie gelöst werden, die Kurse wieder deutlich steigen lassen sollten. Beide Werte notieren relativ nah am Buchwert, d.h. für einen Asset orientierten Investor ist das vertrautes Terrain.

Bei Microsoft scheint der Case weniger klar zu sein (KBV ~3,9), warum Klarman hier als “Deep Value Investor” einsteigt.

Schauen wir uns aber zunächst Microsoft selber an:
Zum “Geschäftsmodell” von Microsoft und den weiteren Aussichten kann ich vermutlich nicht wirklich viel Neues beitragen, ich versuche aber mal die wesentlichen Punkte zusammen zu tragen:

Auf der “Plus” Seite stehen
+ wenn es jemals einen klaren “Moat” durch Netzwerkeffekte gegebn hat, dann durch Windows und Office. Die meisten Versuche den Moat anzuknabbern (Linux, Google Docs) sind bislang gescheitert
+ die Firma ist nach wie vor irre profitabel und generiert Unmengen von Cash mit relativ überschaubarem Kapitaleinsatz
+ blitzsaubere Bilanz, Nettocash sowie quasi kein Goodwill. F&E wird alles “expensed”

Die allseits bekannten Probleme /Risiken dürften wohl sein
– Microsoft hat quasi jede neue Entwicklung in den letzten 10-15 jahren verpennt (Mobilfunk, Suchmaschienen etc.)
– man muss jederzeit damit rechnen, dass sie einen großen Teil des Cashs für eine Akquisition verballern
– aktuelle Entwicklungen (Tablets, Smart Phones etc.) könnten am Moat knabbern bzw. den Moat z.B. bei Windows in bestimmten Bereichen einfach überflüssig machen

Warum ist die Aktie so billig ? Ein paar strukurelle Gründe könnten zusätzlich noch sein:

– Für Software/ Technologie Investoren ist das Wachstum zu gering
– der Aktienkurs stagniert seit 13 Jahren, für Momentum Investoren uninteressant
– für Dividendeninvestoren ist die Dividendenrendite (2,4%) nicht attraktiv genug
– für “Mechaniker” sind KBV (3,9) und KUV (3,2) wohl zu hoch
– für einen Management Buyout oder Private Equity ist die Firma zu groß (Market Cap 220 Mrd USD)

Ich finde in diesem Forbes Artikel wird die “allgemeine Stimmung” ganz gut zusammengefasst:

Microsoft trades at a moderately high PEG of 1.35. Its P/E is 9.6 on earnings forecast to grow 7.1% to $1.76 in 2012. This stock is not over-valued but at that PEG ratio, it does not offer anything to get excited about — unless a 2.65% dividend yield makes your day.

If Microsoft’s board could spin off its gaming division and put Ballmer in charge — then let Steve Jobs run the rest of Microsoft, this stock would look exciting. But that will never happen so for all the media attention that Einhorn’s Ira Sohn plug received, Microsoft is likely to remain dead money

Zurück zu Klarman: In Margin of Safety beschreibt er, dass er durchaus bereit ist auch für zukünftige Cashflows zu zahlen, allerdings nicht oder nur sehr ungern für zukünftiges Wachstum. Diesen Ansatz fasst er wie folgt zusammen:

Once future cash flows are forecast conservatively and an
appropriate discount rate is chosen, present value can be calculated.
In theory, investors might assign different probabilities to
numerous cash flow scenarios, then calculate the expected
value of an investment, multiplying the probability of each scenario
by its respective present value and then summing these
numbers. In practice, given the extreme difficulty of assigning
probabilities to numerous forecasts, investors make do with
only a few likely scenarios. They must then perform sensitivity
analysis in which they evaluate the effect of different cash flow
forecasts and different discount rates on present value. If modest
changes in assumptions cause a substantial change in net
present value, investors would be prudent to exercise caution in
employing this method of valuation.

Übersetzt auf Microsoft bedeutet das wohl Folgendes: Irgendwie kommt Klarman wohl ohne Berücksichtigung von Wachstum mit einer gewissen Discount rate auf einen Wert deutlich über dem aktuellen Börsenkurs.

Jetzt könnte man mal wieder den Spiess umdrehen bzw. “reverse Engineeren” und fragen: Mit welchen Annahmen komme ich basierend auf den aktuellen Cashflows auf einen deutlich höheren Wert als der aktuelle Börsenkurs ?

Folgende Ausgangsdaten:

Free Cashflow per Share 2010: 3,18 USD, Avg 3 Jahre 2,68 USD, Avg 5 Jahre 2,43 USD pro Aktie

Nimmt man jetzt einfach mal konstante Cashflows an, kann man sich eine einfache Matrix mit “Intrinsic” Value im Verhältnis zum Abzinsungssatz ausrechnen.

EPS/% 5% 6% 7% 8% 9% 10%
2.43 48.6 40.5 34.7 30.4 27.0 24.3
2.68 53.6 44.7 38.3 33.5 29.8 26.8
3.18 63.6 53.0 45.4 39.8 35.3 31.8

Da Klarman ja immer die “konservativen” Annahmen in den Vordergrund stellt, dürfte er wohl nicht unbedingt mit dem aktuellen hohe Free Cashflow starten, vielleicht eher mit dem 3 Jahresschnitt. Man sieht recht gut, dass man maximal mit 5-6% diskontieren darf, um einen Wert mit “ordentlich” Margin of Safety zu bekommen.

Eine andere Betrachtungsweise wäre, mit dem aktuellen freien Cashflow zu starten und dafür mit verschiedenen “Schrumpfungsraten” zu rechnen um ein Gefühl für die Bewertung zu bekommen.

5% 6% 7% 8% 9% 10%
0% 63.6 53.0 45.4 39.8 35.3 31.8
-1% 53.0 45.4 39.8 35.3 31.8 28.9
-2% 45.4 39.8 35.3 31.8 28.9 26.5
-3% 39.8 35.3 31.8 28.9 26.5 24.5

Hier sieht man, dass man bei entsprechend niedrigen Diskontierungssätzen sogar bei dauerhaftem Schrumpfen um 1-2% p.a. noch eine ganz ordentliche “Margin of Safety” hat.

Anmerkung: Falls sich jetzt jemand wundert, warum ich grundsätzlich den Net Cash nicht abziehe: Damit trage ich der Tatsache Rechnung, das Steve Balmer die Kohle jederzeit für einen sinnlosen Kauf rausballern kann.

Kommen wir nun zur entscheidenden Frage: Was würde die Verwendung eines Diskontierungszinssatzes von 5-6% rechtfertigen ?

Der “Markt” sagt uns ja bei einem PE von 10, dass er ungefähr 10% als faire Diskontierungsrate ohne Wachstum ansieht. Das CAPM gibt uns auch einen Wert von um die 10% (“risk free” 2%, Beta 0,9 und Equity Premium 9%).

Das Problem am CAPM ist ja die Tatsache, dass die Prämien die Schwankungen der Marktpreise reflektieren, nicht die Schwankungen der zu Grunde liegenden Cashflows. Klarman scheint dies also zu ingorieren und die Cashflows eher als Bond Cashflows zu interpretieren.

Microsoft selber hat ja einige Bonds ausgegeben, darunter eine Anleihe, die noch 30 Jahre läuft (ISIN US594918AM64). Diese Anleihe notiert momentan in der Gegend von 4,3% Rendite.

Man könnte jetzt argumentieren, dass die Cashflows für den Aktionär, Moat hin oder her, deutlich volatiler sind als für einen Bondholder. Dann würde ein 5% bzw 6% Abzinsungsfaktor auf die Equity Cashflows sehr aggresiv aussehen.

Jetzt kommt aber das Thema Inflation ins Spiel. In der 4,3% Redite des Bonds ist das volle Inflationsrisiko enthalten. Als Bondholder bekomme ich den Cashflow und sonst nichts. Als Aktionär habe ich aber die Chance, dass Microsoft durch den Moat zumindest die Preissteigerung für lange Zeit anpassen kann. D.h. die Cashflows für den Aktionär sind eher wie ein “inflation linked bond” denn ein “fixed rate bond”.

Wie relevant das ist, erkennt man wenn man die Rendite z.B. eines 30 jährigen “Tips” , also US Inflation Linked Bond mit eienr normalen 30 jährigen Staatsanleihe vergleicht.

Ein 30 jähriger TIPS notiert momentan bei ca. 0,95% “vergleichbaerer Nominalrendite” vs. 3,35% für eine Fixed Coupon 30Y Staatsanleihe.

Auf dieser Basis müsste man dann eine Discountrate auf den Microsoft Free Cash Flow Strom eigentlich mit dem Nominalzins einer TIPS von 1% vergleichen und hätte dann ganz ordentliche Spreads.

Nur zur Veranschaulichung mal die erste Tabelle diskontiert mit dem jeweiligen “TIPS equivalent”:

Fixed 5.0% 6.0% 7.0% 8.0% 9.0% 10.0%
TIPS equ. 2.6% 3.6% 4.6% 5.6% 6.6% 7.6%
2.43 95.3 68.5 53.4 43.8 37.1 32.2
2.68 105.1 75.5 58.9 48.3 40.9 35.5
3.18 124.7 89.6 69.9 57.3 48.5 42.1

Da ist eigenlich nichts spektakuläres, es zeigt nur, dass wenn man den Cashflowstrom von Microsoft wie einen Inflationsindexierten Bond behandelt, man selbst bei relativ hohen nominalen Abzinsungsfaktoren auf eine schöne Magin of Safety kommt.

Jetzt kann man natürlich argumentieren, dass man so nicht die Risiken einer “disruptive new Technology” angemessen berücksichtigt hat, andererseits hebt sich das evtl. auf mit dem Verzicht auf jegliche Wachstumsfantasie über die reine Inflationsanpassung hinaus. Ebenso “gratis” gibt es evtl. Activist Shareholder “Attacken” bzw. Erfolge.

Lange Rede kurzer Sinn: Lässt man Wachstum aussen vor und betrachtet den Cashflowstream von Microsoft aufgrund des großen Moats wie einen inflationsindexierten Bond Cash Flow, hat man selbst bei relativ hohen Abzinsungsfaktoren (8% p.a.) einen sehr hohen intrinsischen Wert. Im Idealfall könnte Microsoft tatsächlich eine Art Inflationsschutz zu einem relativ günstigen Preis darstellen.

Im 2ten Teil versuche ich dann noch ein paar konkrete Cases zu rechnen und auf die Verwendung ds freien Cashflows bei Microssoft einzugehen.

Monatsperformance August 2011

Zunächst die Schlechte Nachricht:

Im Monat August hat das Portfolio -7,12% auf YTD -8,10% verloren.

Dann die Gute Nachricht: Die Benchmark (50% Eurostoxx 50, 30% Dax, 20% MDAX) hat im August -15,35% auf -13,90% nachgegeben.

Trotz dieser relativen Outperformance (die aufgrund der defensiven Ausrichtung auch zu erwarten war), bin ich dennoch nicht zufrieden, da der absolute Verlust doch relativ hoch ist. Bei einem defensiven Value Portfolio muss man seine Outperformence in den schlechten Zeiten verdienen und das könnte noch etwas besser sein.

Immerhin konnte der Anzahl der Titel entsprechend reduziert werden, wobei ich gerne nochmal 3-4 Titel verkaufen möchte, um auch Platz für Neues zu haben. 20 Long (aktuell 26) wäre m.E. ideal. Das Portfolio sieht per 31.08.2011 wie folgt aus:

Bezeichnung Kaufpreis Akt. Preis G / V in % Gewichtung
Hornbach Baumarkt 25.30 24.63 1.3% 5.8%
Fortum OYJ 20.72 18.72 -7.5% 6.0%
Magyar Telekom 1.98 1.87 -1.6% 5.4%
AS Creation Tapeten 29.54 24.20 -13.5% 4.2%
Apogee Enterprises 10.05 6.53 -34.7% 4.0%
Westag & Getalit VZ 18.97 16.79 -6.2% 4.1%
BUZZI UNICEM SPA-RSP 5.48 3.90 -24.8% 3.9%
EVN 12.32 11.67 -2.1% 3.9%
Walmart 37.58 37.00 -1.2% 3.8%
WMF VZ 24.21 23.60 2.9% 3.5%
Tonnellerie Frere Paris 28.19 29.10 3.2% 3.5%
KSB 613.37 433.50 -27.3% 2.8%
Vetropack 1,454.68 1,379.88 -2.4% 3.0%
Stoxx: Utilities 32.57 26.71 -17.3% 2.8%
Total Produce 0.41 0.39 -3.3% 2.9%
Frosta 19.73 17.88 -5.6% 2.8%
OMV AG 31.26 27.50 -8.8% 2.8%
Sto AG VZ 95.50 104.80 10.1% 2.5%
Nestle 39.65 43.07 12.3% 2.3%
Einhell VZ 41.66 33.35 -18.0% 1.9%
         
Drägerwerk Genüsse D 161.62 161.00 6.9% 7.6%
IVG Wandler 74.44 74.87 0.6% 2.4%
RWE ST. 29.02 26.08 -10.1% 2.2%
WESTLB 6.9% 64.00 65.00 1.6% 5.0%
AIRE 9.05 9.55 5.5% 3.5%
HT1 Funding 63.08 57.50 -5.6% 4.9%
         
Short: Kabel Deutschland -34.81 -38.95 -10.6% -1.2%
Short: Netflix -133.09 -163.47 -18.6% -1.4%
Short: Green Mountain -42.07 -72.86 -42.3% -3.7%
Short: Dräger VZ -66.83 -70.11 -6.2% -6.7%
         
Terminverkauf CHF EUR 1.15 1.16 0.7% 0.0%
         
Tagesgeldkonto 2%       15.7%
         
Summe       100.0%
         
Value       71.8%
Opportunity       25.5%
Short       -13.1%
Tagesgeld       15.7%

Auf der “Watchlist” stehen momentan der Stoxx Utilities, OMV, Einhell, die IVG Wandelanleihe und RWE. Konkrete neue Kandidaten gibt es noch nicht.

Bijou Brigitte – Halbjahreszahlen

Wie gestern schon kurz angerissen, hat Bijou per heute die Zwischenmitteilung veröffentlicht.

Die Zahlen sehen auf den ersten Blick nicht schön aus.

Besonders weh tun anscheinend wie vermutet die Mieten:

Der Anstieg der sonstigen betrieblichen Aufwendungen auf 67,4 Mio. EUR (Vorjahr: 62,7 Mio. EUR) resultierte vorrangig aus der Erhöhung der Mieten und Mietnebenkosten.

Desweiteren ist auch der Materialaufwand nochmal deutlich gestiegen. Als Resultat ist die Nettomarge im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahr von 14,5% auf 10,5% gefallen.

Ich habe mal spasseshalber die Margen der letzten 21 Jahre gezogen

GJ Nettomarge
31.12.1990 8.2%
31.12.1991 7.0%
31.12.1992 6.8%
31.12.1993 6.3%
30.12.1994 5.3%
29.12.1995 2.5%
31.12.1996 2.4%
31.12.1997 3.9%
31.12.1998 8.9%
31.12.1999 12.0%
29.12.2000 12.1%
31.12.2001 12.4%
31.12.2002 11.3%
31.12.2003 19.8%
31.12.2004 21.4%
30.12.2005 24.1%
29.12.2006 23.1%
31.12.2007 21.9%
31.12.2008 22.0%
31.12.2009 19.3%
31.12.2010 15.4%
   
Avg 21 J 12.7%

Ob der Durchschnitt so sinnvoll ist, kann ich nicht beurteilen.

Aber nehmen wir mal an, dass Bijou dauerhaft 10% Nettomarge erzielen kann, also ungef. der Wert des 1 Halbjahres, dann wären wir bei ca. 375 Mio Umsatz im Steady State bei 37,5 Mio Net Income.

Da Bijou in der Regel das investiert was sie abschreiben und im Schnitt auch das Working Capital relativ stabil bleibt, kann man auch mit den 37,5 Mio als Free Cash Flow im Steady state rechnen.

Bei aktuell 64 EUR Kurs macht das ungefähr 37,5/520 = 7,2% Free Cashflow Yield. Das ist jetzt nicht schlecht, aber auch nicht so toll.

Aus meiner Sicht ist die Aktie damit nicht wirklich billig. Für mich fehlt auch irgendwo der klare “Katalysator” warum man plötzlich wieder höhere Margen verdienen sollte oder den flächenbereinigten Umsatz steigern könnte.

Von daher werde ich Bijou per heute “rauskegeln”, auch wenn es etwas weh tut und nahe am 52 Wochen Tief ist.

Edit: Verkauf Bijou zum VWAP 31.08. von 63,53. Damit Realsierung von -37.18 % Verlust inkl. Dividende

Bijou Brigitte – Kurzer Blick auf die Operating Leasing Verpflichtungen

Nachdem Bijou Brigitte neben Hornbach ja der zweite Retailer im Portfolio ist, lohnt sich vielleicht ein kurzer Blick auf die Leasingverbindlichkeiten.

Ähnlich wie bei den UK Retailern hat man alle Filialen angemietet.

Im Konzernabschluss von Bijou findet man die Leasingverbindlichkeiten auf Seite 34.

Insgesamt zeigt man undiskontierte Operating Lease Verpflichtungen von 298 Mio. EUR. Wenn ich das richtig verstehe, sind das die Mindestzahlungen, davon ca. 62 Mio. EUR für 2011.

Übr den Daumen hat Bijou also Mietverträge, die im Schnitt 5 Jahre laufen. Im Gegensatz zu Praktiker z.B. dürften die Schliessungskosten wohl nicth ganz so hoch sein, da es sich meistens um “normale” Standorte handelt, die in der regel ohne große Genehmigungen durch andere Retailer genutzt werden können.

Ganz interessant ist mal, wenn man in den 2009er Konzernabschluss schaut. Da stehten als Mindestverpflichtung aus dem Operating Leasing für das nächste Jahr ebenfalls um die 60 Mio EUR, als “Raumkosten” werden für 2010 allerdings 74 Mio. angegeben.

D.h. es muss doch einen recht hohen zusätzlichen umsatzabhängigen Anteil bei den Mieten geben. Insgesamt ist die Situation bei Bijou nicht schön.

2007 hatte man bei vergleichbarem Umsatz wie 2010 nur 58 Mio Raumkosten, 2006 gar nur 51 Mio. D.h. man mietet immer mehr an, der Umsatz pro Filiale geht aber ständig zurück.

Die “Fixed Rate Coverage”, also EBITDAR/Fix Charges sind ungefähr für 2010: (83+74+15)/74 = 2,34. Auf Basis der ausgewiesenen Mindestmietverpflichtungen wäre man bei (83+74+15)/62 = 2,77.

Zwar etwas besser als die UK Retailer, aber nicht viel.

Bijou ist echt ein schwieriger Fall. Bei allen Rückwärtsgerichteten Kennzahlen sieht die Firma mittlerweile super aus, aber die Margenerosion setzt sich fort. Da viele Mietverträge im Handel inflationindexiert sind, treffen einen sinkende Umsätze dann natürlich noch härter.

Morgen gibt es ja den Halbjahresbericht, da werden wir mehr sehen.

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