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Drägerwerk: Die Katze aus dem Sack

Die Deutsche Balaton – ein in der Vergangenheit ziemlich guter Investor – hat heute ein Kaufangebot für die Genüsse der Serie A und Serie K abgegeben. Das Kaufangebot hat einen Preis in Höhe von 160 Euro und ist aus unserer Sicht ziemlich positiv!

Zum einen zeigt es, dass ein professioneller Investor bereit ist 160 Euro für die Genüsse auszugeben, die er selber mit Sicherheit höher bewertet. Zum anderen richtet sich das Angebot an die illiquideren Genüsse. Somit gehen wir eher davon aus, dass die Dt. Balaton Dräger mit dem Angebot unter Zugzwang setzt. Das Verteilungsproblem der Dividende wird man aus Sicht von Dräger sicherlich nicht mehr günstig los.

Außerdem ist eine “billige” Abfindung der Genüsse aus der letzten Kapitalerhöhung ist damit auch etwas weiter weggerückt, da die Dt. Balaton mit ziemlicher Sicherheit vor Gericht ziehen wird.

Alles in allem ziemlich schön für die Genüsse! Wir haben überlegt unseren Hedge aufzulösen, da wir ja eher die Genüsse nach unten absichern wollten. Mit dem Kaufangebot übernimmt die Deutsche Balaton diese Aufgabe für uns. Dennoch haben wir uns entschlossen den Hedge beizubehalten, da Drägerwerk nunmehr wahrscheinlich nicht mehr billig aus der Affäre rauskommt und die VZ und Stämme eigentlich einem ordenltichen Druck ausgesetzt sein sollten.

Buchvorstellung: The Little Book that builds Wealth

Anbei wollen wir zukünftig einige Bücher vorstellen und die wichtigsten Punkte zusammenfassen. Beginnen wollen wir mit dem Buch von “Pat Dorsey – The Little Book that builds Wealth”.

Zu allererst muss man sagen, dass die “Little Book that…” Reihe (Beat the Market, still beats the markets, of Value Investing) in der Summe ziemlich interessant sind. Man sollte sich nicht vom Titel abschrecken lassen, denn die Autoren sind (teilweise) das who ist who von Value-Investoren. Bspw. haben Christopher Browne (Tweedy Browne), Joel Greenblatt (Gotham Capital), James Montier (GMO Funds) jeweils unter dieser Reihe Bücher veröffentlich.

Das das Buch in Deutsch mit dem Titel “Die Zauberformel des Vermögensaufbaus: So finden Sie die wirklich guten Investments” auf den Markt gekommen ist schadet dem Buch eher, denn es täuscht über den wirklich guten Inhalt der Lektüre hinweg.

Das Buch befasst sich mit dem Auftreten und bestehen von Wettbewerbsvorteilen. Der Autor Pat Dorsey ist Head of Equity Research bei Morningstar, die in Ihren Analysen schon seit längerem ein sogenanntes “Moat-Rating” verwenden. Beim vielzitierten “Moat” oder “Burggraben” handelt es sich um ein Bild, dass durch Buffett und Munger geprägt wurde. Es bezeichnet die Stärke von dauerhaften Wettbewerbsvorteilen gleichsam eines Burggrabens der eine mittelalterliche Festung schützt. Ein Unternehmen, dass einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil besitzt kann über einen längeren Zeitraum einen höheren Ertrag auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften als ein Unternehmen, dass diesen Wettbewerbsvorteil nicht besitzt. Welchen dramatischen Effekt ein durchgängig hohe Kapitalrentabilität (“Return on Assets oder Return on Capital”) auf eine Anlage haben kann, haben wir in diesem Beitrag in Grundzügen dargelegt.

Graphisch dargestellt ist relativ einfach zu erkennen, dass der Barwert (graue Fläche) einer Firma mit Wettbewerbsvorteil höher ist als der einer (“identischen”) Firma ohne Wettbewerbsvorteil, da die Profitabilität und die erwirtschafteten Zahlungsströme über den Zeitablauf eben durch den bestehenden Wettbewerbsvorteil höher ist.

Pat Dorsey schafft es jedoch in seinem Buch vor allem zu zeigen, dass dauerhafte Wettbewerbsvorteile ziemlich selten sind und es zudem nur wenige Quellen echter und dauerhafter Wettbewerbsvorteile gibt. Das Buch ist garniert mit “Leichen am Wegesrand”, denen ehemals ein Burggraben zugesprochen wurde – der dann aber kein dauerhafter war. (“As one academic who studies competitive advantage has pithily stated, “In the long run, everything is a toaster.”)

Laut Dorsey hat Morningstar vier Treiber von dauerhaften Wettbewerbsvorteile identifiziert die im Buch durchexerziert werden:

1) A company can have intangible assets, like brands, patents, or regulatory licenses that allow it to sell products or services that can’t be matched by competitors.
2)The products or services that a company sells may be hard for customers to give up, which creates customer switching costs that give the firm pricing power.
3)Some lucky companies benefit from network economics, which is a very powerful type of economic moat that can lock out competitors for a long time.
4)Finally, some companies have cost advantages, stemming from process, location, scale, or access to a unique asset, which allow them to offer goods or services at a lower cost than competitors.

In den einzelnen Kategorien sind die wichtigsten “Take aways”:

1) Intangibles, brands, Patents and regulatory licenses

Marken und Patente werden häufig überschätzt;
Eine gute Marke ist nicht unbedingt eine profitable Marke;
Lizenzen können Wettbewerb effektiv limitieren.
Hier sollte man insbesondere nach vielen “kleinen Einzellizenzen” schauen statt nach einer “großen Einzellizenz”. (bsp. Müllhalden, Kiesgruben, Betonwerke – Trash and gravel may not sound exciting, but the moat created by scores of mini-approvals is very durable. After all, companies like trash haulers and aggregate firms rely on hundreds of municipal-level approvals that are unlikely to disappear overnight en masse. What really makes these locally approved landfills and quarries so valuable for companies like Waste Management and Vulcan Materials is that waste and gravel are inherently local businesses. You can’t profitably dump trash hundreds of miles from whereit is collected,and you can’t truck aggregates much farther than 40 or 50 miles from a quarry without pricing yourself out of the market. (Trash is heavy, and gravel is even heavier.) So, local approvals for landfills and quarries create scores of mini-moats in these industries.) Einer der Gedankengänge, den wir schon bei Buzzi geäußert haben.

Beispiele:
Unternehmen mit “Moats”: Tiffany, USG, Bayer (Aspirin), Ratingagenturen (2006 geschrieben 😉 ), Glücksspielautomatenhersteller, For Profit Universitäten, Vulcan Materials, Waste Management.
Unternehmen mit “ehemaligen Moats”: Sony (DVD-Player), Kraft (vs. Eigenmarken), Big Pharma,

2) Switching Costs
Wechselkosten sind ein wirksamer Moat für Unternehmen;
Firmen bei deren Kunden Wechselkosten auftreten können stetig höhere Preise durchsetzen und binden Kunden teilweise Jahrelang an sich.

Unternehmen mit “Moats”: Intuit (Tax Software), Microsoft, Oracle, Precision Castparts, Adobe&Autodesk (Photoshop und AutoCAD als “Standard den Studenten lernen”), Banken mit Retailkundschaft, (Druckerpatronen und Nespressokapseln).

3)Network Effekt
Unternehmen mit Netzwerkeffekten tendieren oft dazu starke Oligopole oder Monopole zu sein.
Häufig in Unternehmen der Informationsbranche zu finden.
Wenn viele Menschen das Netzwerk nutzen wird der Service für die Kunden gleichzeitig besser und der Ertrag des Unternehmen besser.
Der Vorteil liegt insbesondere in den Verbindungen begründet die eine Hürde für den Eintritt von Wettbewerbern schaffen: “It’s pretty incredible to see how fast the number of connections grows as you add more nodes. Practically speaking, you easily can see how attractive the economics are. If a network-based business increases its invested capital by, say, 50 percent to expand its number of nodes from 20 to 30, it increases the number of connections by almost 130 percent, from 190 to 435.”

Unternehmen mit “Moats”: American Express, Microsoft (Word&Windows), Ebay, Terminbörsen (Liquidität), Western Union, 3rd. Part Logistics (Expeditors International/CH Robinson)

4) Cost Advantages, Size Advantages
Lage Lage Lage: Kann einen bedeutenden Kostenvorteil bei Gütern mit hohem Transportkostenanteil bedeuten.
Große Unternehmen haben nicht zwangsweise Vorteile
Am Allerbesten: “a big fish in a small pond”

Unternehmen mit “Moats”: Aracruz Cellulose (Eukalyptus wächst im Firmengebiet Brasilien 2-3x so schnell wie in Nordamerika –> weniger investiertes Kapital –> günstigere Kosten), Red Lobster (Größenvorteil und dadurch Kostenvorteil, da “Logistikkette für Frischware besonders wichtig), SKY PayTV,

Es folgen weitere Kapitel zu wegbrechenden Burggräben oder zum Aufspüren von Burggräben (Suche nach erhöhtem ROA, ROCE), oder zur großen Bedeutung des Management Teams (Obligatorisches Zitat: “When management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.”)

Das Buch endet mit einem Kurzüberblick über den “Preis” oder wann ist eine Aktie “günstig”. Hier werden obligatorischen Fundamentalkennziffern wie KGV, KUV, KBV, KCF vorgestellt und einige Grundzüge erläutert. Der Autor warnt mehrfach und ausdrücklich vor einem zu hohen Preis. Die Warnung ergeht vor allem darin, dass nur weil ein Unternehmen gute/schlechte Zahlen bringt es noch nicht unbedingt einen “Moat” hat. “The best business in the world will be a bad investment if purchased at an unattractive price. Ask anyone who bought Coke or Cisco in 1999 or 2000—they were great businesses then, and they still are today, but their valuations were so high that there was no room for error or for profit.” Und gerade hier lässt das Buch den Leser ein bisschen im Regen stehen. Denn ob der Preis für ein Unternehmen nun “fair” oder doch zu hoch war lässt sich meistens erst im Nachhinein sagen.

Buchstäblich stehen hier die eingefleischten Growth-Jünger den Graham-Jüngern gegenüber. Ein Käufer von Coke hätte 1999 mit Sicherheit auf die Perspektiven von Coke verwiesen, während der Kurs abseits von gut und böse war. Wir wollen daher in unserem Portfolio dann überdurchschnittliche Wetten eingehen, wenn beide Seiten (Growth&Value) in einem vernünftigem Einklang stehen. Positionen wie Buzzi Unichem, Medtronic, Sto oder KSB gehören in diese Kategorie.

Das Buch ist also empfehlenswert für jeden, der sich mit Burggräben oder Wettbewerbsvorteilen beschäftigt. Die Lektüre ist kurzweilig und auch für “Einsteiger” oder BWL-Studenten in jüngeren Semestern gut geeignet.

Was wir lesen – Rückspiegel KW9

Aleph Blog on Buffett Shareholder Letter

Baupost Fund Letters 1995-2001 – Seth Klarman – ein “must read”

Seth Klarman Auszüge aus dem 2010er Letter

Buffett CNBC Transskript

Barrons Interview First Eagle Funds aus Dez 2010

Das Buch ist bestellt und wir hier vorgestellt (There’s Always Something to Do – The Peter Cundill Investment Approach)

Sehr gutes Interview mit Ray Dalio von Bridgewater:

Damodaran contra Buffet zu Black Scholes – Siehe auch den Buffett Shareholder Letter 2007.

Howard Marks (Oaktree) on Regulation

Compunding Interest – Value & Growth

Das Konzept von Value&Growth wird gerne regelmäßig missverstanden. Klassisches Valueinvesting nach Graham&Dodd wird meistens mit Aktien verbunden, die bspw. unterhalb Ihres Eigenkapitals notieren – oder an der Börse günstiger sind als die in der Bilanz angesammelten flüssigen Mittel abzgl. Schulden. Growth hingegen wird meist mit wachstumsstarken Unternehmen verbunden die mit einem hohen Wachstum und fantastischen Aussichten glänzen.

Wie man in den sehr empfehlenswerten Buffett-Letters lesen kann, liegt “wirklich großartiges Investieren” genau in der Schnittmenge dieser beiden Eigenschaften. Der Kern großartigen Investierens dreht sich darum, “hervorragende Unternehmen” zu einem “guten Preis” zu erwerben.

Was sich einfach anhört ist natürlich in der Praxis äußerst kompliziert. Denn eigentlich immer werden hervorragende Unternehmen nicht so billig wie “normale” Unternehmen (im Sinne von Kennzahlen wie KBV, KUV oder KGV) oder die Einschätzung von Unternehmen die ex ante “hervorragend” scheinen, erweist sich ex post als “doch nicht so hervorragend”. Mit einem einfachen Beispiel möchten wir zeigen, warum ein “hervorragendes” Unternehmen langfristig solch großen Charme hat.

Nehmen wir zwei Unternehmen A und B, von denen das Unternehmen A “hervorragend” ist. Dieses Unternehmen hat einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil, der es ihm erlaubt dauerhaft und nachhaltig überdurchschnittliche Margen von (20% ROC) auf das eingesetzte Kapital zu erzielen. Das Unternehmen B erzielt hingegen nur “durchschnittliche” Margen (5% ROC).

Beide Unternehmen beginnen mit 100€ Eigenkapital ohne Fremdfinanzierung:

  A Inc. B Inc.
ROIC   20% 5%
2011   100.00 € 100.00 €
2012   120.00 € 105.00 €
2013   144.00 € 110.25 €
2014   172.80 € 115.76 €
2015   207.36 € 121.55 €
2016   248.83 € 127.63 €
2017   298.60 € 134.01 €
2018   358.32 € 140.71 €
2019   429.98 € 147.75 €
2020   515.98 € 155.13 €
2021   619.17 € 162.89 €
2022   743.01 € 171.03 €
2023   891.61 € 179.59 €
2024   1,069.93 € 188.56 €
2025   1,283.92 € 197.99 €
2026   1,540.70 € 207.89 €
2027   1,848.84 € 218.29 €
2028   2,218.61 € 229.20 €
2029   2,662.33 € 240.66 €
2030   3,194.80 € 252.70 €
2031   3,833.76 € 265.33 €

Nach 20 Jahren hat das hervorragende Unternehmen das 14-Fach höhere Eigenkapital als das mittelmäßige Unternehmen. Wow – das ist die Macht des Zinseszins!

Setzen wir das Ganze ins Verhältnis zur Marktkapitalisierung und zum Growth&Value-Stil. Ein mechanischer Investor würde im Jahr 2011 bei folgenden Kennzahlen sicherlich zur Aktie B greifen.

A Inc. B Inc.
MarketCap 400 50
     
KGV 20 10
KBV 4 0.5

Werden beide Unternehmen in 2030 zum Buchwert zurückgekauft ist die Rendite bei Aktie A über die Laufzeit 11,9% p.a., bei Aktie B ist – trotz der erheblich niedrigeren Bewertung zum Anfang der Laufzeit 8,6% p.a. Hinzu kommt der Umstand, dass die Aktien in 2030 auch zum gleichen Multiple abgerechnet werden müssten. Es ist aber gut möglich, dass Unternehmen A – wenn es weiterhin dauerhaft einen Wettbewerbsvorteil hat – auch weiterhin ein höheres Multiple zugestanden bekommt. Um auf die gleiche Rendite wie Unternehmen A zu kommen müsste Unternehmen B in 2010 bei rund 27,50€ (KBV 0,27 KGV: 5,5) notieren.

Es zeigt sich also, dass ein Wachstumsunternehmen – wenn es durchgängig hohe Kapitalrenditen behält – auch bei hohen Bewertungen noch eine sehr gute Anlage sein kann. Hier liegt aber der “Knackpunkt” den die meisten Growth-Anhänger völlig übersehen. Ein Unternehmen wie A Inc. wird es tendentiell nur sehr sehr selten geben. Von hohen Margen wird in der Marktwirtschaft die Konkurrenz angezogen wie Bienen vom Honig. Durchgängig hohe Margen wurden in der Vergangeheit nur von sehr wenigen Unternehmen mit starken Monopolen, oder wie Buffett es so gerne nennt “Burggräben” erwirtschaftet.

Aus unserer Sicht ist die Entscheidung zwischen Growth&Value daher ambivalent. Die Gefahr zu viel für ein Unternehmen mit vermeintlich nachhaltig hohen Margen und einem vermeintlich großen Burggraben zu bezahlen ist enorm groß. Daher möchten wir uns in zukünftigen Beiträgen auch zur Nachhaltigkeit von Burggräben äußern und einen Blick hierauf werfen.

Shortselling: Pro & Contra

Da wir immer wieder Anfragen zu unseren Leerverkäufen bekomen, wollen wir nochmal ausführlich die Rationale hinter unseren Shortpositionen erklären. Eine interessante Sichtweise dazu hat Seth Klarman in seinem 2010er Shareholder Letter dargelegt. Link. Die beiden größten Problem bei Leerverkäufen sind zum einen der negative Erwartungswert und zum anderen das potentiell unendliche Verlustrisiko.

Da Aktien im langfristigen Mittel steigen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man bei einem Leerverkauf – auf lange Frist Geld verliert. Selbst wenn man sich mechanische Strategien von O’Shaugnessy und Co. anschaut, haben selbst die schlechtesten, bzw. teuersten Aktien noch einen leicht positiven Erwartungswert. Hinzu kommt, dass eine Aktie theoretisch unendlich steigen kann. Einem Kursgewinn von 100, 200 oder gar 1000% steht der Leerverkäufer machtlos gegenüber und muss entweder weitere Sicherheiten beibringen (Margin Call) oder seine Position schließen. VW war ein sehr gutes Beispiel. Ein Leerverkäufer der bei 200€ (da war die Aktie schon extrem teuer) leerverkauft hatte, hätte selbst bei einer nur sehr kleinen Position von bsp. 2% des Depotvolumens – nach einem erzwungenen Verkauf bei ~1000 € einen Impact von rund 10% bezogen auf das Gesamtvolumen gehabt.

Dennoch ist es aus unserer Sicht sinnvoll, passende Werte leer zu verkaufen. Dabei meinen wir – im Sinne unserer Deposteuerung – ernsthaft die Aktien zu leihen und dann an der Börse zu verkaufen. Wir meinen NICHT eine Spekulation auf fallende Kurse über Optionen oder über Knock-Out Zertifikate. Denn die Rationale hinter unseren Shortpositionen ist ja, dass wir aus dem Leerverkauf Geld erhalten und dieses gleichzeitig in ein breit diversifiziertes Portfolio “guter” Unternehmen anlegen. Wir wollen also nicht zwangsweise an fallenden Kursen verdienen, sondern es reicht uns schon, wenn die leer verkaufte Aktie einfach nicht steigt, während unser Portfolio ein positives Ergebnis erzielt. Dann hätten wir das Geld “kostenlos” geliehen und es gewinnbringend angelegt. Dieser Leverage-Effekt kann sehr ansehnliche Effekte erzielen – er kann aber natürlich auch gegen uns laufen!

Letztlich stellt dies in Ansätzen eine marktneutrale Strategie dar. Fällt beispielsweise der breite Gesamtmarkt (und die leerverkaufte Aktie) um 10% und fällt unser Portfolio nur um 5%, dann hat sich der Short gelohnt. Es kommt letztlich auf die relative Performance zwischen leerverkaufter Aktie und Portfolio an.

Eine weitere Funktion des Leerverkaufs kann sehr gut über den Drägerwerk Short gezeigt werden. Unsere Investmentthese ist ja, dass die Genussscheine im Verhältnis zu den Vorzugsaktien unterbewertet sind. Je höher die Genüsse und die Aktien steigen, desto unsicherer sind wir hinsichtlich der Margin of Safety die in unserer Position enthalten ist. In dem wir die Genüsse kaufen und die Vorzüge leer verkaufen haben wir einen Hedge, bzw. eine Arbitragespekulation hergestellt, der alleine auf die Differenz zwischen Vorzügen und Genüssen abzielt. Fallen die Vorzüge um 50% und die Genüsse nur um 25% (Ausweitung des Spreads), dann würde sich der “Hedge” netto positiv entwickeln. Aktuell mit steigenden Genüssen heute (~150€) und fallenden Vorzugsaktien haben wir natürlich (glücklicherweise und ungeplant) einen Ergebnisbeitrag von beiden Seiten der Hedgeposition. Letztlich wären wir unter Chance/Risikogesichtspunkten aber nicht “traurig”, wenn Genüsse und Vorzüge im Kurs unverändert blieben und wir über die wesentlich höhere Ausschüttung der Genüsse eine positive Rendite erwirtschaften würden.

Risikomanagement KISS

Ein wichter Aspekt guten investierens ist die systematische Befolgung eines Investmentansatzes. Wie hat es der gute Ben Graham in Worte gefasst: “Investieren ist dann am intelligentesten wenn es geschäftsmäßig (systematisch) betrieben wird.” Anbei möchten wir Euch die Grundzüge unseres Risikomanagementsystems vorstellen, dass uns für unsere Zwecke ausreichend erscheint. Letztlich ist das Risikomanagementsystem “simpel” und soll uns einen Überblick über die bestehenden Positionen geben und uns Empfehlungen auf Gewichtungen innerhalb des Depots geben.

Warum sollte man eine Aktie mit 3, 4 oder 5% im Depot gewichten?

Das Modell ist so aufgebaut, dass hohe erwartete Renditen übergewichtet werden und niedrig erwartete Renditen untergewichtet werden. Nehmen wir beispielsweise zwei Aktien von Unternehmen die unterschiedliche Renditeerwartungen haben:

Aktien Rendite p.a.
Unternehmen A 5%
Unternehmen B 10%

Bei einem gleichgewichteten Depot wäre die Renditeerwartung 7,5% p.a.

Da wir uns nicht ausschließlich auf Unternehmen A verlassen wollen, sondern schon eine Mischung aus A und B im Depot erreichen wollen, arbeitet unser KISS-System so, dass Aktie A höher gewichtet wird und Aktie B niedriger gewichtet wird. Da Unternehmen A eine 30% höhere Rendite bietet als der Durchschnitt des gleichgewichteten Portfolios wird der Anteil von A auch 30% höher gewichtet als bei der Gleichgewichtung. Unser Risikomanagementsystem würde also folgende Gewichtung vornehmen:

Anteil Aktien Rendite p.a.
33% Unternehmen A 5%
66% Unternehmen B 10%
     
    8.2500%

Nehmen wir eine dritte Aktie in das Portfolio auf, die eine Renditeerwartung von 15% p.a. bietet, sähe die Gewichtung wie folgt aus:

Anteil Aktien Rendite p.a.
16% Unternehmen A 5%
33% Unternehmen B 10%
50% Unternehmen C 15%
     
    11.60%

Bei einem gleichgewichteten Porfolio mit drei Aktien läge die Rendite bei 10% p.a. Da Unternehmen B genau diese 10% Rendite bietet, wird ihm der gleichgewichtete Anteil von 33% zugestanden. Unternehmen A wird zugunsten Unternehmen C untergewichet.

Dieses Art des Gewichtungsmanagements bietet einige Vorteile, hat jedoch auch implizite Schwächen. Der Vorteil des Risikomanagements liegt in einer Systematisierung der Gewichtungen. Auf Grund der Berechnung über p.a. Renditen können auch Bonds, Dividendenstarke Aktien ohne Kursphantasie oder andere Instrumente in die Gewichtung mit einbezogen werden. Die größte Schwäche des Systems liegt natürlich in seinem Input. Der Fair Value – und die Wahrscheinlichkeit mit dem der Fair Value eintritt sind der Dreh- und Angelpunkt des Inputs. Schätzt man die erwartete Rendite falsch werden auch die Gewichtungen (ex post) falsch sein. Uns ist klar, dass ALLE Renditeangaben die wir über einen Fair Value herleiten zwingend falsch sein müssen. Wenn man eine Renditeangabe von X% p.a. auf Sicht von X Jahren angibt, wird die Aktie in X Jahren mit fast 100%iger Sicherheit nicht genau diese Rendite erbracht haben. Von daher sind die Renditeangaben nur als ein sehr grober Indikator zu verstehen und dienen einer Systematisierung des Gewichtungsprozesses.

Beispielhaft möchten wir anhand konkreter Portfoliounternehmen einen Einblick in unsere erwarteten Renditen und die Depotgewichtungen geben:

Bsp. HT1 Funding: Die Anleihe bietet einen Kupon von 5,3% und könnte (wenn die Coba Ihre Dividende wieder aufnimmt) in 2017 zu 100% zurückkommen. Bei einem Kurs von 78% ergibt sich eine p.a. Rendite von rund 10%. Natürlich könnte die Rendite höher ausfallen, wenn der Bond weiter so läuft wie bisher – oder niedriger wenn nicht aufgefüllt wird.

Die Drägerwerk Genüsse haben (aus unserer Sicht) einen FV von irgendwas zwischen 130 und 150 Euro pro Schein zzgl. der 10 Fachen Vorzugsdividende. Geht man davon aus, dass der Schein den Wert von 150€ in drei Jahren erreicht und in der Zwischenzeit eine durchschnittliche Dividende von 11 Euro zahlt (3x Dividende + Verwässerung) kommt man auf eine p.a. Rendite von 10,5% p.a.

Für AS Creation Tapeten haben wir einen Fair Value von ~38 Euro angegeben. Die Dividende ist je nach Fall unterschiedlich, wird aber mit durchschnittlich 1,75€ (1,50 steigend über 2€) pro Jahr festgelegt. Gehen wir davon aus, dass der FV in 3 Jahren erreicht wird, liegt die p.a. Rendite bei 14,67% p.a.

Für die ETF’s, die unsere Benchmark abbilden haben wir die obere Spanne der aus dem KGV 10 zu erwartenden Rendite von rund 5% p.a. für die nächsten 10 Jahre angegeben.

Steigt eines der Wertpapiere im Kurs sinkt natürlich die erwartete Rendite. Steigt ein Papier auf oder über den Fair Value sinkt die Rendite und wird über FV+Dividende sogar negativ. Es wird folglich niedriger gewichtet. Fällt ein Unternehmen im Kurs wird die Rendite höher.
Aktuell sieht das KISS-Risikomangement folgende Werte für unser Depot vor:

Wir werden uns also noch Gedanken um die ETF-Gewichtung, um Vetropack und um die Gewichtung von einigen anderen Werten machen müssen.

Ist-Anteil Soll-Anteil
 
ETF 18.97% 1.07%
Vetropack 6.54% 2.96%
Buzzi 6.43% 7.11%
Noble 5.55% 4.41%
EVN 4.72% 4.61%
KSB 4.51% 2.36%
Bijou 4.22% 4.06%
Medtronic 4.10% 2.88%
HT1 Funding 3.44% 2.10%
Tonnellerie 3.29% 3.25%
WMF 3.25% 3.72%
Hornbach 3.18% 3.34%
Westag&Getalit 3.17% 5.60%
Sto VZ 3.14% 2.54%
Stoxx Utilities 3.12% 3.95%
TapetenAG 2.93% 4.25%
DEGI 2.92% 2.40%
OMV 2.87% 2.82%
Fortum 2.86% 4.31%
Tsakos 2.61% 5.89%
AXA 2.40% 2.47%
Frosta 2.26% 2.74%
Dräger Genuss 2.12% 2.13%
Magyar 2.10% 3.36%
ENI 2.07% 4.53%
Einhell 2.04% 1.82%
Benetton 1.85% 2.90%
AIRE 1.44% 4.60%
Apogee 1.25% 2.88%

Die durchschnittlich zu erwartende Vorsteuer Rendite aus dem Portfolio inkl. Dividenden liegt (je nach FV’s) bei rund 15 bis 17,5% p.a. Es sei an dieser Stelle nocheinmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Fair Value und die daraus abgeleitete Rendite mit Sicherheit so nicht eintreffen werden. Die Methodik kann lediglich einen Anhaltspunkt darauf geben, dass das Gesamtportfolio gegenüber dem breiten Markt aus unserer Sicht eine Mehrrendite bietet. (Sonst würden wir ja die breiter gestreuten ETF’s kaufen).

Was wir lesen – Rückspiegel KW8

Diese Woche gab es wieder ein paar interessante Links die lesenswert sind:

Der aktuelle Berkshire Shareholder Letter ist draußen.

Interview mit Bruce Greenwald

Damodoran (NYU-Prof.) zu Equity Risk Premium

Kurzupdate Medtronic via Crossing-Wallstreet

Aussichten für Schiffe sind schlecht
– Tsakos wird weiterhin davon betroffen sein.

Kid Dynamite zu Ägypten ETF’s

Michael Maboussin (Legg Mason) zu Dividenden und Aktienrückkäufen:

Bronte zu Smallcaps.
Interessant der Verweis auf deutsche und französische. “Familienunternehmen”

Eddie Lampert Sears shareholder Letter inkl. generelle Kommentare zu Aktienrückkäufen


Glencore Report on Reuters
Der Rohstoffhändler aus der Schweiz will an die Börse.

Gedanken zum Ölpreis und Deep-Water Drilling (Ensco, Noble) via SIA: Ab Seite 45ff. (insb. S.69 ist sehr interessant)

Das Paper von Piotroski zum “F-Score” (mechanisch starke Outperformance)

Portfolio zum 25.02.2011

So anbei das Portfolio zum Ende der KW8- es haben sich ja einige Änderungen ergeben.

Die Euro-Summe beim Short-Dräger (- 950 €) gibt an, wie positiv/negativ der Hedge Vorzüge vs. Genüsse aktuell läuft. Im Moment läuft die Spekulation nicht gut, denn die Genüsse haben seit dem Kauf stärker verloren als die Vorzüge verloren haben. (Genüsse -6.680€; Short Vorzüge +5.735€) Unsere Erwartung ist ja eigentlich nicht, dass die Dräger VZ zwingend fallen. Wir wollen aber ab diesem Punkt einen reinen Pureplay auf die Bewertungsdifferenz.

Auch die Differenz zum Benchmark zur Vorwoche hat sich abgebaut.

Seit Jahresanfang:


MMI&M Portfolio: +2,49%

Benchmark: +3,95%
DAX: 3,95%
MDAX: 1,00%
Eurostoxx: 6,00%

Transaktionen zum 23.02.2011

So jetzt gibt es – wie angekündigt – einige Änderungen:

Ensco verkaufen wir – und ersetzen es durch Noble. Gleiche Branche ähnlich billig – keine Übernahme. Wir gehen weiterhin davon aus, dass die Ölförderung in Zukunft nicht einfacher wird und die Rigs auch langfristig ausgelastet sein sollten.

Wir kaufen weitere Dräger Genüsse und hedgen die Gesamtposition durch die Dräger Vorzugsaktie. So kommen wir in den Genuss (haha!) der höheren Ausschüttung und einer (hoffentlich) anhaltenden Divergenz von Aktien und Genüssen.

Bei AIRE sind heute nach 27 Aktien in der Vorwoche heute rund 27 Tsd Aktien umgegangen!

Auf Grund der Turbulenzen in Libyen kaufen wir eine kleine Position (2%) ENI. Das Unternehmen ist so schon günstig – und durch den Konflikt in Nordafrika noch weiter unter die Räder gekommen. Ein Artikel hierzu wird in den nächsten Tagen folgen.

Ein aktueller Portfoliostand wird zum Wochenende eingestellt.

Name VWAP VWAP_VOLUME 15% Anzahl Aktien max. Volumen
DRAEGERWERK AG – PFD 60.54 € 26737 4010.55 242,781.45 €
DRAEGERWERK AG-GENUSSCH D 143.49 € 2123 318.45 45,693.18 €
ENI SPA 17.20 € 32692506 4903875.9 84,332,934.63 €
ENSCO PLC-SPON ADR $53.21 2417036 362555.4 19,291,391.56 $
NOBLE CORP $42.71 3061603 459240.45 19,611,863.42 $
         
AIRE GMBH & CO KGAA 9.06 € 26755 4013.25 36,339.98 €
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