WGF Anleihen – Interessant oder lieber Finger weg ?

Leser David hat freundlicherweise in einem Kommentar eine Voranalyse zu WGF Anleihen erstellt, die ich wertfrei einfach mal wieder gebe:

Die WGF (Westfälische Grundbesitz und Finanzverwaltung AG) ist ein Immobilienhandels- und -investmenthaus, das 2003 in Düsseldorf gegründet wurde. Kerngeschäft ist der deutschlandweite Erwerb von Wohn- und Gewerbeimmobilien, die Wertoptimierung der Objekte und der gewinnbringende Verkauf von Portfolios. Die WGF AG finanziert sich bankenunabhängig durch die Emission von Hypothekenanleihen. Mit der Rückzahlung der ersten WGF 6,35 % Hypothekenanleihe im Juli 2009 wurde der Erfolg des Geschäftsmodells eindrucksvoll bestätigt. (hab ich von der Interneseite koppiert)

Ich kannte die Firma bis vor 2 Wochen noch nicht, aber es gab zu lesen, dass der Vorstand die Bafin wegen Verdacht auf Kursmanipulation gegeschaltet hat. Die Hypotkenanleihen, die sonst seit der Auflegung immer einen Kurs um die 100 hatten, sind innerhalb weniger Tag auf Tiefskurse von bis zu 50 abestürzt. Seit dem springen die Kurse täglich ziemlich hin und her. Grund soll wohl die Klage einer düsseldorfer Kanzlei sein, der der Firma ein Schnellballsystem vorwirft, sowie das benutzen von Abgelaufenen Ratings. Laut der Presse sind die Ratings der Creditreform (zuvor Investmentgrad) im Juni abgelaufen. Der Verlängerungsprozess läuft aber. Ein paar interessante Artikel aus dem Netz, könnte ich dazu schonmal liefern:

Interview mit der Vorstand der creditreform über den Ablauf bei Ratingvergaben und den Vorfällen bei der WGF:
http://www.finanzen.net/nachricht/anleihen-Anleihen-Ratings-wollen-gepflegt-werden-1243702

ein Artikel, der nochmal grundsätzlich beschreibt worum es geht:
http://www.risiko-manager.com/index.php?id=81&tx_ttnewstt_news=14349&tx_ttnewsbackPid=25&cHash=4638c5a0b33f9cc42216cfc6f5f84131

WGF – wie kommt der Gewinn zustande:
http://www.rohmert-medien.de/immobilienbrief/wgf-%E2%80%93-wie-kommt-der-gewinn-zustande,113981.html

Grundsätzlich wären für mich noch folgende Fragen interessant:
– Wie seriös ist die düsseldorfer Kanzlei
– Wie wichtig ist der geforderte Konzernabschluss?
– Betreibt die WGF tatsächlich ein Schneeballsystem?
– Sollte die WGF tatsächlich zusammenbrechen, wie gut ist die Hyptokenbesicherung von 115%?

Ich selbst habe bereits ein paar Anteile folgender WKN: A0LDUL Die Anleihe ist bereits 2013 fällig und vom Emissionsvolumen her, eine eher kleinere. Bei Kursen unter 60 waren die Rendite dementsprechend auch sehr interessant. Mein Gedanke dabei war einfach: Würde ich ein Schneeballsystem betreiben, würde ich ja versuchen es so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Also würde ich wenn irgendwie möglich zumindest die ersten Anleihen mit kleinem Volumen noch zurückzahlen.

Was mich hier als allererstes sehr stutzig macht, ist die Frage “Wie wichtig ist der geforderte Konzernabschluss?”.

Interessehalber habe ich mir mal den Geschäftsbericht 2010 der WGF AG angeschaut.

Das Ganze ist recht mühsam, der erste interessante Passus nach 47 Seiten Hochglanz-Immobilienfotos ist dieser hier:

Die WGF AG erstellt den Einzelabschluss nach den zum jeweiligen Bilanzstichtag gültigen Vorschriften des Handelsrecht (HGB). Gemäß den Vorschriften des § 293 HGB in dem größenabhängige Befreiungen geregelt sind, besteht für uns aktuell keine Verpflichtung einen Konzernabschluss aufzustellen und zu veröffentlichen. Durch die Verlagerung der Immobilien in Objektgesellschaften bilden die Kennzahlen des vorliegenden Einzelabschlusses den Immobilienbestand nicht ab.

Die Bilanz ab S. 68 des Geschäftsberichtes besteht ausschliesslich aus Beteiligungsbuchwerten und Forderungen an Tochterunterenehemn, der Umsatz wie schon angemerkt im Wesentlichen aus Verkäufen an Tochterunternehmen.

An dieser Stelle kann man als Valueinvestor auch gleich wieder aufhören, denn die Bilanz ist eine einzige Blackbox, man kann nicht mal die einfachsten relevanten Kennzahlen (Mietrenditen etc.) nachvollziehen.

Ob die Gesellschaft tatsächlich Eigenkapital hat, könnte man nur an einer konsolidierten Bilanz sehen, ebenso inwieweit die Immobilien zumindest einigermassen realistisch bewertet sind. Dass diese Informationen überhaupt nicht verfügbar sind, lassen bei mir eigentlich schon alle Alarmglocken klingeln.

Wer ein bischen die Geschichten zu DEGI Europa und Co. verfolgt hat weiss, wie “flexibel” die Wertgutachten zu Immobilien sind, ohne Angaben zu Mieterträgen lässt sich hier überhaupt keine Aussage zur wirtschaftlichn Situation treffen

Kommen wir zurück zu den Fragen von David:

– Wie seriös ist die düsseldorfer Kanzlei
– Wie wichtig ist der geforderte Konzernabschluss?
– Betreibt die WGF tatsächlich ein Schneeballsystem?
– Sollte die WGF tatsächlich zusammenbrechen, wie gut ist die Hyptokenbesicherung von 115%?

Ich würde die Fragen wie folgt beantworten:
irrelevant
Unverzichtbar
nicht beantwortbar (allerdings klingen in meinem Ohr nach wie vor Alarmglocken)
nicht beantwortbar

Fazit: Für einen Valueinvestor sind die Anleihen egal zu welchem Kurs völlig uninteressant, da man nicht mal im Ansatz die wirtschaftliche Situation der Gesellschaft nachvollziehen kann und die Bewertung der Immobilien völlig im Dunkeln liegt.

Buchbesprechung: Pat Dorsey – The little book that builds wealth

Statt mehr oder weniger hilfreicher Kommentare zum Marktgeschehen mal wieder zur Abwechslung eine Buchbesprechung.

Diesesmal habe ich mir das “The little book that builds wealth” von Pat Dorsey durchgelesen.

Pat Dorsey, seines Zeichens Chef Equity Analyst bei Morningstar konzentriert sich in dem Buch auf die allseits beliebten “Moats”, auf gut Deutsch Burggräben, mit denen sich erfolgreiche Unternehmen umgeben, um langfristig gute Gewinne zu erzielen.

Wer Buffet / Munger liest, weiss sofort um was es geht.

Zu Beginn des Buches definiert er die 4 Arten von Moats die es seiner Ansicht nach grundsätzlich gibt, als da wären:

Intangible Assets (Patente, Lizenzen)
Switching Costs (erschweren das Wechseln zur Konkurrenz)
Netzwerk Effekte ( je mehr Leute es nutzen, desto wertvoller wird es)
Kostenvorteile strukureller Art

Interessant waren aus meiner Sicht folgende Anmerkungen:

– eine bekannte Marke ist noch lange kein Moat
– Kostenvorteile aufgrund eines besseren Produktionsprozesses sind kein Moat
– Ein Nischenunternehmen mit einem Moat ist interessanter als ein Riesenunternehmen mit Moat in einem großen Markt
– Wenn ein Unternehmen mit einem Moat in einem Bereich in andere Bereiche expandiert ist meistens Vorsicht angebracht.

Die Beispiele die er nennt sind z.T. allgemein bekannt, wie z.B. Moody’s (Lizenz), Oracle (Switching Cost), Amex (Network Effekt) und Intel (Struktureller Kostenvorteil zu AMD).

Anschliessend gibt es noch eine Art Kochrezept, wie man Moats erkennen kann.

Schritt 1: Erwirtschaftet das Unternehmen einen hohen Return on Assets ?
Schritt 2: Wenn hoher ROA, ist dann einer der vier beschriebenen Moats vorhanden ?
Schritt 3: Analysieren wenn 1 und 2 positiv, wie lange der Vorsprung halten wird

Zur Bewertung:

POSITV:
+ das Buch ist wie die meisten “Little Books” sehr “flott” geschrieben, kompakt und spannend
+ die Strukturierung der Moats ist sehr einleuchtend und klar
+ er verwendet viele anschauliche Beispiele
+ die letzten Kapitel enthalten noch ein paar sehr wertvolle allgemeine Tipps und Weisheiten

NEGATIV:
– das Thema Bewertung wird m.E. etwas sehr kurz behandelt, aber dafür gibt es ja auch andere Bücher
– ein paar der Aussagen sind etwas zu allgemein (Buchwert bei Finanzwerten ist der beste Bewertungsmaßstab etc.)

Persönlich finde ich ja, dass das Thema “Moats” schon etwas totgetreten ist und mittlerweile von diversen Firmen (v.a. Private Equity Firmen die Ihre Schäfchen teuer IPOen wollen) ziemlich strapaziert wird, um aberwitzige Bewertungen zu rechtfertigen (“Abonenntenmodell”). Dennoch sollte jeder ernsthafte Aktieninteressierte dieses Buch lesen.

Fazit: Ein sehr lesenwertes Buch, ein Muss für jede Investment Grundbibliothek.

Halbjahresergebnisse AS Creation, Frosta und Magyar Telekom

In den letzten Tagen gab es bei einigen der Portfoliowerte Halbjahresergebnisse. Da das Portfolio langfristig ausgerichtet ist, messe ich einzelnen Quartalen keine allzu große Bedeutung zu. Dennoch solte man überprüfen, ob es Nachrichten gibt die irgendwie den Investment Case verändern.

Frosta:
Frosta hat den Halbjahresbericht veröffentlicht. Das Ergebnis pro Aktie ist im ersten Halbjahr mit ca. 47 Cent pro Aktie deutlich schwächer als im Vorjahr, wo noch 0,87 EUR ausgewiesen wurde. Allerdings war das zu erwarten, weil Frosta auch in der Vergangenheit erhöhte Kosten im Einkauf nur mit Verzögerung weitergeben konnte. Der Operative Cashflow und Free Cashflow pro Aktie hat sich deutlich positiv etwickelt, der Free Cashflow von ungefähr 0,46 EUR pro Aktie auf 0,63 EUR. Aktuell also kein Handlungsbedarf.

AS Creation
As Creation hat trotz deutlichem Umsatzzuwachs ein auf den ersten Blick etwas enttäuschendes Halbjahresergebnis von 1,63 EUR nach 1,74 EUR im Vorjahr gemeldet. Cashflow mässig belastet die Investition in Russland und ein Lageraufbau, man meldet auch, dass man die Preise nicht genügend erhöht hat. Aber auch hier gilt, das es m.E. keinen fundamentalen Handlungsbedarf gibt.

Magyar Telekom
Magyar meldet 3% niedrigere Umsätze als im ersten Halbjahr. D.h. das ist natürlich eher am unteren Rande unserer Szenarien. Das Ergebnis pro Aktie liegt deutlich neidriger als im Vorjahr, Grund sind einige Sondereffekte, inkl. der Ungarischen Sondersteuer. Besonders interessant ist aber dieser Passus aus dem Halbjahresbericht:

Free cash flow (operating cash flow and investing cash flow adjusted for proceeds from / payments for other financial assets) increased by HUF 10.4 bn in the first half of 2011 to HUF 63.8 bn from HUF 53.4 bn in the same period of 2010. Improvement in working capital led to a HUF 3.1 bn increase in operating cash flow. Lower CAPEX spending and higher proceeds from real estate sales also supported the higher free cash flow.

Magyar scheint anscheinend die CAPEX dem Umsatz anpassen zu können, ohne Marktanteile zu verlieren. Auch hier aus meiner Sicht eigentlich eine positive Entwicklung und kein Handlungsbedarf.

Fazit: Sowohl Frosta, wie auch AS Creation und Magyar Telekom zeigen (allerdings erst auf den zweiten Blick), das die jeweiligen Investmentcases intakt sind.

Kartellverfahren – Interesante Recherchemöglichkeit am Beispiel Praktiker / Max Bahr

Im Rahmen von einer Google Recherche bin ich zufälligerweise auf den Beschluss des Bundeskartellamtes zur Übernahme von Max Bahr durch Praktiker gestossen.

Interessanterweise gibt das Urteil auch einen guten Einblick in die Baumarktbranche. Insbesondere z.B. Seite 24 ff zeigen ganz gut den regionalen Charakter des Geschäfts und die Bedeutung des Standortes.

Für Praktiker ist in der aktuellen Lage auch der Passus ganz interessant (S.35):

Ein Marktaustritt ist kurzfristig aber dann nicht wirtschaftlich realisierbar, wenn die Nachnutzung des Grundstücks und der Immobilien nicht gewährleistet ist. Diese Situation ist im Falle von Baumärkten nicht selten gegeben, weil die Betriebsgenehmigung mit bestimmten Vorgaben für das zu führende Sortiment verbunden ist. Wenn sich jedoch an einem Standort DIY-Sortimente nicht (mehr) mit Gewinn absetzen lassen, wird sich lediglich ein Nachnutzer finden, der andere Sortimente anbieten möchte. Eine Umwidmung der Nutzung eines Baumarktstandortes, etwa in einen SB-Markt, wird von den zuständigen Genehmigungsbehörden jedoch i.d.R. nicht zugelassen. In diesem Fall besteht die Verlust-minimierende Alternative nicht im sofortigen Marktaustritt, sondern im Weiterbetrieb des Baumarktes.

Die beiden Punkte zusammengefasst bedeuten meines Erachtens Folgendes: Wenn es Praktiker nicht schafft, an einem Standort profitabel zu sein, wird es auch einem Konkurrenten schwer fallen dort erfolgreich zu sein, weil der Standort vermutlich einfach besch…eiden ist.

Eine Schliessung des Standortes dürfte in der Regel sehr teuer sein, weil eine andere Nutzung nur schwer zu erreichen ist. Praktiker ist momentan also in einer Situation die man als “between a rock and really hard place” beschreiben könnte.

Um profitabel zu werden, muss man Standorte schliessen, das kostet aber richtig Geld was man vielleicht nicht mehr haben wird. Das heisst man lässt die Standorte weiter offen und verliert weiter Geld usw.

Fazit: Im Baumarktgeschäft scheinen die Marktaustrittskosten bei der Schliessung eines Baumarktes ein ziemliches Problem zu sein. Im Analysten Call wurde nach entsprechenden Rückstellungen gefragt, die es aber nicht zu geben scheint. Man könnte die Situation fast als “Teufelskreis” bezeichnen

P.S.: Zukünftig werde ich mir solche Berichte des Kartellamts öfters anschauen, für eine Branchenanalyse sind da sehr brauchbare Infos drin.

AIRE KGAA – Immobilie in Bratislava mit 10% mehr Nettoerlös verkauft

Eine schöne Nachricht in diesen dunklen Tagen: Das Objekt in Bratislava ist nun endgültig verkauft worden, angekündigt wurde das ja schon früher wie in einem alten Post beschrieben.

Interessant daran ist, dass im Quartalsbericht noch von 15 Mio Verkaufeserlös die Rede war, laut Adhoc aber folgender Betrag erlöst wurde:

Der APP Logistikpark wurde von Czech Property Investments erworben. Die Veräußerung hat zu einem Netto-Ertrag (nach Transaktionskosten) von rund EUR 16,5 Mio. geführt.

Es wurden also noch 10% mehr erlöst als angekündigt wurde, das sind immerhin fast 35 Cent mehr pro Aktie.

Der Kurs hält sich zurecht auch sehr gut im Vergleich zum Gesamtmarkt:

Fazit: Der geplante “Befreiungsschlag hat mehr eingebracht als erwartet. Dem aktuellen Management scheint man durchaus vertrauen zu können. Der Kurs dürfte damit nach unten gut abgesichert sein.

Schweizer Franken Hedge – Update

Am 12 Juli habe ich ja das Schweizer Franken Exposure bei ca. 1,15 CHF/EUR gehedged. Heute früh ging es in der Spitze bis auf 1,08 CHF/EUR rauf, aktuell bei ca. 1.10. Das ist ein Anstieg von ca. 4,5% bzw. -4,5% Performance für die Hedgeposition.

Im gleichen Zeitraum haben sich die Basiswerte (in Franken) wie folgt entwickelt:

Pargesa (-10,9%)
Nestle (-4,81%)
Vetropack (-12,2%)

Bei Vetropack gab es anscheinend Probleme mit einer Charge Bierflaschen die evtl. einen Teil der schlechten Performance erklären könnten.

Durch den Hedge gibt es jetzt kurzfristig natürlich einen “Double Hit”.

Im gleichen Zeitraum (12.07-03.08.) haben sich DAX und SMI wie folgt entwickelt:

– SMI -7.59 % (in CHF)
– DAX -6.18 % (in EUR)
– SMI -1,99 % (in EUR)

D.h. im betrachteten Zeitraum hat sich der SMI fast genau um die Wechselkursbewegung adjustiert besser entwickelt als der DAX. Auf Indexebene schlägt also die Frankenbewegung zumindest kurzfristig auf die Europerformance durch, es gibt keinen “natürlichen” Hedge.

Zwischenfazit: Auch wenn das Timing (wie üblich) nicht besonders gut war, scheint es doch kurzfristig Sinn zu machen, Aktien in einer überbewerteten Währung erstmal zu hedgen, auch wenn beim Einzeltitel das erstmal nicht immer funktioniert.

Ansonsten gibt es jede Menge interessanter Kommentare dazu. Schweizer Einzelhändler will man momentan sicher nicht sein. Die Schweizer Nationalbank hat heute früh mal den Markt erschreckt, allzu lang hat der Effekt aber nicht angehalten (siehe oben).

Fazit: Auch wenn der Markt wohl erst noch die Parität sehen will, lasse ich den Hedge erstmal bestehen.

Praktiker Anleiheprospekt – “Poison Pill” gegen potentielle Übernehmer

Nachdem die Anleihe fröhlich weiter abschmiert, lohnt sich vielleicht ein Blick in den Anleiheprospekt. Den findet man z.B. hier im Wertpapierformum.

Der interessanteste Teil des Anleiheprospektes ist m.E. der § 5 Absatz (2) Kontrollwechsel. Das ganze ist recht komplex aber wenn ich es richtig verstehe, dann würde die Anleihe bei einer Übernahme sofort fällig werden.

Das Problem ist, dass die Anleihe ja kein Rating hat und das wird im Bondprospekt bei Übernahme Fall einem Absenken des Ratings auf Non-Investmentgrade gleichgestellt:

(ii) wenn zum Zeitpunkt des Kontrollwechsels kein Investment Grade Rating für die Schuldverschreibungen oder die Emittentin vergeben ist und keine Rating Agentur innerhalb des Kontrollwechselzeitraums ein Investment Grade Rating für die Schuldverschreibungen vergibt

Im Klartext heisst das: will jemand die Praktiker AG übernehmen, dann muss er innerhalb kurzer Zeit ein Investmentgrade Rating besorgen oder es werden sofort 250 Mio. EUR zur Rückzahlung fällig.

Im Fachjargon nennt man so etwas auch eine “Poison Pill”. Eine Hornbach AG z.B. hat selber nur ein Non-Investment Grade Rating (BB+, was für ein Witz) und müsste dann zusätzlich zum Kaufpreis noch 250 Mio Cash für die Rückzahlung der Anleihe auftreiben.

Fazit: Durch die Klausel in der Anleihe dürfte jegliches Interesse Praktiker zu übernehmen auf 0 sinken. D.h. Praktiker muss da selber durch. Wer auf eine Übernahme hofft, dürfte lange warten

LG Household & Health Care Preference Shares

Im “Rückspiegel” vor 2 Wochen hatte ich ja auf einen Artikel zum Thema Koreanische Vorzugsaktien verlinkt, speziell LG Household & Health care.

Thomtrader hat jetzt im Kommentar eine Kurzanalyse gemacht, die ich hier erstmal so wiedergeben möchte:

Meine Kurzanalyse zu LG H&H, und speziell zu den Prefereds:
Ich gehe mal von 280Mrd Won Nachsteuer-Gewinn für 2011. Die Annahme von 280Mrd halte ich für konservativ, vielleicht werden es auch über 300Mrd. Es sind 16,8 Mio Aktien im Umlauf (davon 2,1Mio Prefereds). Der Gewinn pro Aktie sollte dieses Jahr also 17000Won erreichen. Wenn ich mit einem Kurs von 110T Won rechne ergibt sich ein KGV von 6,5.

Firmen, die vor allem höhermarige nichtzyklische Marken-Konsumprodukte anbieten, findet man so gut wie nie zu KGVs unter 13, die durchschnittliche Bewertung dürfte eher bei KGVs um die 18, oder mehr liegen. Von den nichtzyklisches Marken-Konsumprodukten-Unternehmen hat LG H&H in den letzten Jahren aber mit das stärkste Wachstum auf den Tisch gelegt, und verdient daher eher sogar einen leichten Bewertungsaufschlag, obwohl das Gewinnwachstum im Vergleich zu den letzten Jahren sicher deutlich abflauen wird, da man erstens die Marge nicht mehr deutlich steigern wird können, und manzweitens zuletzt auch durch Übernahmen gewachsen ist.

Die LG H&H-Stammaktien werden mit einem KGV von ca. 28 bewertet. Die Bewertung ist zwar „sportlich“, aber die Bewertung ist meiner Meinung nach eher fair, als die Bewertung der Vorzüge.

Die entscheidende Frage ist und bleibt: Kann das alles stimmen? Sind den die Leute, die LG H&H-Stämme kaufen völlig bescheuert, mehr als 4mal mehr als nötig für LG H&H-Aktien zu bezahlen? Übersehe ich irgendetwas sehr wichtiges?
Wie plausibel ist das alles?

Meine Antwort auf die Fragen: ich halte es für sehr gut möglich, daß ich nichts entscheidendes übersehen habe. Selbst bei deutschen Blue-Chip-Stamm- und Vorzugsaktien hat man öfters einen Spread von nahezu 100% gesehen, und über die Zeit ist der Spread oft verschwunden oder hat sich manchmal sogar leicht umgekehrt. In Korea findet man zumindest schon seit einigen Jahren noch größere Spreads zwischen Stämmen und Vorzügen, als wir sie aus Deutschland erkennen. Aber der Spread bei LG H&H übertrifft bisher alles was ich bisher an Spreads zwischen Vorzügen und Stämmen gesehen habe. Und nicht nur das, auch die absolute Bewertung der Prefereds ist so niedrig, wie man sie derzeit fast nirgendwo sonst findet.

Ich bin auf weitere Meinungen zu den LG H&H Prefereds gespannt.

Für mich wäre es als Startpunkt wichtig zu verstehen, ob es bei den Preferred irgendwelche Sonderkündigungsrechte o.ä. gibt.

Eine schnelle Google Abfrage ergab auch nichts wirklich entscheidendes, zB. hier oder hier ein alter Bericht aus 1995.

In dem Bericht hier steht, das interessanterweise irgendwann um 2000 Koreanische Vorzugsaktien plötzlich deutlich höher gehandelt hatten als 1994/1995. Ausserdem scheint es einen relativ großen Unterschied zwischen Prefereds zu geben, die vor 1996 emittiert wurden und danach.

Update: Sehe gerade hier, dass es sich bei LG Household um “alte” Preferred Shares handelt. Wenn ich das richtig verstehe, ist man im “alten Format” pari passu mit den normalen Aktien, das neue Format bietet z.B. kumulative Dividenden und Priorität bei der Liquidation, was hier aber nicht weiter ins Gewicht fallen dürfte.

Insgesamt kann ich mir schon vorstellen, dass die Vorzugsaktien ein ähnliches “Schicksal” haben wie die Draeger Genußscheine. Wenig Liquidität, uninteressant für viele Instis. Dagegen spricht m.E. die momentan recht niedrige Rendite, die die Wartezeit überbrücken muss und der Chart.

Performance Juli 2011 & Aktuelles Portfolio

Nachdem das Portfolio zum Halbjahr noch 4,89% hinter der Benchmark klag, hat sich im Juli der Abstand zur Benchmark deutlich verkürzt.

Während Dax (-2,95%), MDAX (-4,07%) und Eurostoxx 50 (-6,15%) sehr deutlich abgeben musten im Juli, hat sich die defensive Aufstellung einigermassen bewährt und das Portfolio hat “nur” -2,23% abgegeben auf -0.97% YTD vs. +1.44 % YTD für die Benchmark. Dadurch reduziert sich die Unterperformance auf -2,41% YTD.

Das Portfolio sieht aktuell wie folgt aus:

Bezeichnung G / V in % Anteil
Hornbach Baumarkt 14.62% 6.10%
Fortum OYJ -8.76% 5.46%
Magyar Telekom 2.50% 5.25%
AS Creation Tapeten 1.82% 4.65%
Apogee Enterprises -20.57% 4.48%
Westag & Getalit VZ 5.88% 4.28%
BUZZI UNICEM SPA-RSP -17.98% 3.93%
EVN -4.34% 3.52%
Walmart -2.24% 3.48%
WMF VZ 10.33% 3.47%
Tonnellerie Frere Paris 8.55% 3.42%
Noble -17.26% 3.37%
Bijou Brigitte -25.99% 3.24%
KSB -13.88% 3.13%
Pargesa 4.15% 3.06%
Vetropack 4.02% 2.98%
Stoxx: Utilities -8.38% 2.84%
Total Produce -2.09% 2.76%
Medtronic -9.35% 2.68%
Frosta -3.55% 2.68%
OMV AG -7.84% 2.67%
Sto AG VZ 24.88% 2.65%
Nestle 15.71% 2.25%
Benetton Group 1.64% 1.97%
Einhell VZ -11.83% 1.85%
     
Drägerwerk Genüsse D 22.03% 8.14%
CS Euroreal -0.06% 5.75%
AIRE 17.68% 3.61%
Degi International 1.17% 3.04%
HT1 Funding 19.77% 2.27%
AXA Immoinvest -8.92% 2.24%
     
Short: Kabel Deutschland -10.65% -1.14%
Short: Netflix -27.96% -1.49%
Short: Green Mountain -41.73% -3.43%
Short: Dräger VZ -22.73% -7.57%
     
Terminverkauf CHF EUR -1.67% -0.14%

Dazu kommt noch eine Cashquote von 2,55%.

Der letzte Zugang waren 155.756 Stück Magyar Telekom am Freitag zu genau 2,00 EUR pro Stück.

Nach wie vor steht das Ziel im Vordergrund, die Anzahl der Werte weiter zu reduzieren. Zeill wären so 25 Long und 5 Short. Auf der “Überprüfungsliste” stehen v.a.

– Noble
– Medtronic
– Benetton
– Einhell
– KSB

MMI

EDIT: Im ersten Entwurf leider die AXA Immoselect Schüttung von 1,85 EUR pro Anteil vergessen.

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