Author Archives: memyselfandi007

Asian Bamboo Sperrholzplatten – Plan und Wirklichkeit

Anfang 2010 wurde u.a. über Aktiencheck die freudige Nachricht des Kaufs von 40% an einem Sperrholzplattenhersteller und den Beginn der erfolgreichen vertikalen Integration verkündet.

Anscheinend ein echtes Schnäppchen:

Asian Bamboo beteilige sich mit 40% an Xinlifeng, einem Hersteller von Sperrholzplatten aus Bambus, die im Hochbau eingesetzt würden.

Der Kaufpreis liege bei EUR 3 Mio. für 40%, was einer Basisbewertung von EUR 7,5 Mio. entspreche. Das Management von Asian Bamboo erwarte, dass die Gesellschaft ein Nettoergebnis von EUR 1,7 Mio. in 2010 erzielen werde. Sollte diese Planung – so wie bislang jede Guidance seit IPO – erreicht werden, bezahle Asian Bamboo ein KGV von 4,4 für Xinlifeng.

Tja, laut Geschäftsbericht S.89 war das Ergebnis der Beteiligung nicht +1,7 Mio. EUR sondern leider nur -170 Tsd EUR für 2010.

War wohl vielleicht bisher doch kein so tolles Schnäppchen. Diese Prognosefähigkeit des Managments sollte man auch im Hinblick auf die sonstigen geplanten Aktivitäten berücksichtigen.

AXA Immoselect – Monatsbericht März

Hier kann man sich den Märzbericht zum Axa Immoselct durchlesen.

Wir würden mal behaupten, dass dieser Bericht “best in class” für offene Immobilienfonds ist. Klar sind die Abwertungen nicht besonders schön, aber es bleibt zu hoffen, dass die serr offene Art der Berichterstattung evtl. doch eine Basis für eine Wiederöffnung sein könnte. Interessant sind auch Informationen, dass z.B. in der Hafencity Hamburg 20% aller Objekte leer stehen.
Zum Vergleich der Monatsbericht des TMW Weltfonds. Nur die üblichen Übersichten und ganz am Ende rechts unten kurze Hinweise zu Abwertungen. Das muss nicht unbedingt Rückschlüsse auf die Qualität der Immobilien zur Folge haben, dennoch ist Transparenz evtl. ein wichtiger Faktor hinsichtlich einer evtl. Wiederöffnung.

DEGI (ehemals) offene Immobilienfonds – Update Q1 2011

Letzte Woche sind ja die Gesetzesänderungen für offene Immobilienfonds in Kraft getreten.

Für die bereits geschlossenen Fonds ändert sich dadurch bekanntlich ja nichts, da die Regeln erst ab 2013 greifen. Hinzu kommt, dass die neuen Regeln erst mit einer Vertragsveränderung der Fonds in Kraft treten können. Seine Vertragsbedingungen kann ein Fonds aber nur ändern, wenn er die Anteile an die KAG zurücknimmt. Die geschlossenen Fonds (SEB Immoinvest, CS Euroreal und Co.) können also erst auf die neuen Regeln umstellen wenn sie mindestens für ein paar Tage offen sind.

Etwas überraschend ist die Tatsache, das es insbes. bei den DEGI Fonds keine weiteren Verkäufe gab. Für den DEGI Europa wurde ja eigentlich die nächste Schüttung für Juli angekündigt.

Ganz interessant ist aber dieser Artikel von vor gut drei Wochen in dem der Chef von Aberdeen Deutschland ein paar interessante Aussagen macht.

Zum einen scheint man bei Aberdeen nicht mehr besonders an Retailfonds interessiert zu sein:

‘We don’t want to launch new retail funds and then close them soon after. The main difference with the retail side is that we can’t really control retail investors but we can talk to small groups of institutional investors. It creates a more predictable situation for us.’

So wirklich optimistisch ist auch die Aussage zum DEGI Intarnational nicht:

‘The DEGI International fund has been closed for a while now and when we review it in November we will be in a very similar situation as we were with Europa,’ said Leser.

The €1.3 billion DEGI Europa fund was liquidated in October last year after being closed since November 2009. Although Leser is hopeful this will not occur with the International fund it remains a possibility when the fund reaches its established reopening date this November ‘if we know we won’t get massive redemptions then we will reopen it,’ he said.

Interessant ist aber, dass im gleiche Artikel davon gesprochen wird, dass Aberdeen parallel drei neue Institutionelle Fonds auflegen möchte, darunter 2 Fonds die ein relativ ähnliches Profil zu DEGI Europa und International haben:

Two of the planned funds will be focused on the pan European property sector, mainly offices and retail units, while the third fund will focus on the German residential market.

Jetzt könnte man natürlich darüber spekulieren, dass diese doch recht ähnlichen Fonds evtl. per Portfoliodeal aus den Publikumsfonds “befüllt” werden. Das wäre vielleicht auch gar keine so schlechte Lösung, weil man dann z.B. weniger Vorfälligkeitsentschädigungen usw. zahlen müsste. Somit könnte man sowohl die weiter gehenden Abwertungen und die ausbleibenden Verkäufe bei den geschlossenen OIs erklären.

Wie gesagt aber nur eine Spekulation unsererseits.

Demnächst kommen hoffentlich mal die Jahreseberichte 2010 raus, dann wird auch eine aktualiserte Analyse folgen.

Guanxi revisited – die Dominosteine bei den US Chinesen fallen

Wir hatten vor gut 2 Monaten ja mal zum Thema China und Guanxi einen Beitrag verfasst.

In der Zwischenzeit ist einiges passiert. Den Ausschlag hat vmtl. CCME gemacht. Nach einigen weiteren kritischen Berichten hat sich Mitte März dann sowohl der Wirtschaftsprüfer wie auch der CFO abgesetzt, seitdem ist die Aktie vom Handel ausgesetzt.

In der Zwischenzeit wiederholt sich dieser Vorgang beinahe täglich, heute zum beispiel bei Qiao Xing Universal Resources und Puda Coal .

Die Tage zuvor hatte Muddy Waters einen Bericht zu Duoyuan Global Water Inc. (DGW) herausgebracht und eine Firma namens China Century Dragon Media ist wenige Wochen nach dem IPO gleich wieder pleite gegangen.

Die Firma DEER versucht es mit einer Klage gegen den Blogger, aber das dürfte wohl nicht allzu erfolgreich sein.

Man muss sich tatsächlich die Frage stellen, ob überhaupt einer der “US Chinesen” “real” ist.

Interessant auch die Tatsache, dass relativ lange Verschwörungstheorien über die Verfasser verbreitet wurden, die Initiatoren und Pusher wie zum Beipiel Global Hunter bei CCME anscheinend ungeschoren davon kommen. Lediglich der CCME Analyst wurde einen Tag später gefeuert.

Die Schuld wird auch grundsätzlich bei anderen gesucht, z.B. bei Deloitte.

Zum Abschluss noch der Verweis auf einen Link den wir schon in unserer wöchentlichen Linkliste gepostet haben und der die wichtigsten Punkte zusammenfasst:

– immer skeptisch gegenüber Bilanzen sein
– wenn es zu gut ist um wahr zu sein ist es nicht wahr
– es ist kein Verlass auf wirtschaftsprüfer, egal wie renomiert sie sind
– nicht auf “sell side” Analysten verlassen, die haben meistens ein ungesundes Selbstinteresse und werden von den Unternehmen direkt oder indirekt bezahlt

Asian Bamboo GB 2010 – Teil 5: Rätselhafte Gewinne aus Marktveränderungen der biolog. Assets

Asian Bamboo zeigt für 2010 insgesamt einen Gewinn von 17,2 Mio. EUR aus der Veränderung der Marktpreise für Biologische Assets. Der Bestand der Biologischen Assets betrug zum Jahresanfang ca. 68 Mio. EUR, zum Jahresende fast glatt 100 Mio. EUR.

Eine Formel zur Berechnung wird leider nicht angegeben, daher gehen wir mal davon aus, dass sich die 17,2 Mio. auf den Jahresendbestand beziehen. Das wäre dann eine Veränderung von ziemlich genau 17%

Freundlicherweise gibt Asian Bamboo ja im Anhang unter Punkt 15. Die verwendeten Marktpreise für die verschiedenen Kategorien inkl. 2009 vergleichswert an.

Die Veränderungen dieser Marktpreise sind aber erstaunlicherweise alle deutlich niedriger. Im Einzelnen (GB S. 87):

Bambusstämme: 1,91 EUR pro Stamm nach 1,79 EUR in 2009 –> +6,7%
Wintershoots: 0,92 EUR /Kilo nach 0,89 EUR in 2009 –> +16,5%
Springshoots: 0,21 EUR/Kilo nach 0,19 EUR in 2009 —> +10,5%

D.h. alle Komponenten haben zum Teil deutlich weniger als die insgesamt ausgewiesenen 17% zugelegt.

Zudem werden die Währungveränderungen der Biologischen Assets an gleicher Stelle (S.87) seperat ausgewiesen, sie entsprechen mit 8,2 Mio für 2010 ziemlich 8% auf den Endbestand an Biologischen Assets.

Rechnen wir diese 8% positive Währungsveränderung GEGEN die in EUR ausgewiesenen Preise erhalten wir folgende Veränderungsraten:

Bambusstämme: =(1,91/1,79*0.92)-1 = -1,8% in Originalwährung
Wintershoots: (0,92/0,79*0.92)-1 = +7,1%
Springshoots: (0,21/0,19*0.92)-1 = +1.7%

D.h. währungsbereinigt sind die Preise für Bambusstämme sogar GEFALLEN, soviel zum Thema Inflationsprofiteur und Pricing Power…

Bleibt die Frage wie man mit den währungsbereinigten Veränderungen der Marktpreise von oben die ausgwiesenen 17% Gewinn bei der Bewertung der Biologischen Assets kommt. An geringeren Kosten kann es nicht liegen, die sind sogar überproportional gestiegen.

Asian Bamboo verweist darauf, dass anscheinend die Diskontierungsrate bei der Berechnung des Wertes der Bambusstämme von 13,6% auf 12,7% gesenkt wurde (wieso eigentlich ?). Dies dürfte aber keinen allzugroßen Einfluss auf die Fair Values haben, da die “Duration” ja maximal 5 Jahre ist und ein Prozent Veränderung maximal einen positiven Effekt von 5% auf den Fair Value der Bambusstämme erklären würden.

Fazit: Auf Basis der angegebene Marktpreise lassen sich die 17,2 Mio. Gewinn beim Fair Value der Biologischen Assets zumindest von uns nicht nachvollziehen, da die ausgewiesenen Marktpreise währungsbereinigt deutlich weniger gestiegen sind. Bambusstämme haben währungskursbereinigt anscheinend sogar Preisabschläge hinnehmen müssen. Die Story vom Inflationsprofteur scheint zumindest bei den Bambusstämmen nicht zuzutreffen.

Das verlängert die Fragesliste für die IR Abteilung nochmal beträchtlich.

Zhongde Waste – Deutsch-Chinese auf Talfahrt

Ein anderes in Deutschland gelistetes China-Unternehmen ist mittlerweile auf Talfahrt, Zhongde Waste :

Ohne jetzt die Firma genauer anzuschauen, fallen im Vergleich zu Asian Bamboo ein paar Sachen auf:

– der IPO wurde in beiden Fällen von Sal Oppenheim gemanaged (Zhongde im Juli 2007, Asian Bamboo im November)
– Hans-Joachim Zwarg (ehm. Phönix CFO) ist in beiden Unternehmen Aufsichtsratchef
– Herr Zwarg sitzt übrigens auch im Aufsichtsrat von HanseYachts, einem weiteren Unternehmen das in 2007 an die Börse gebracht wurde und gut -85% unter dem IPO Preis notiert.

Wie gesagt, nur eine Beobachtung, nicht mehr und nicht weniger.

Commerzbank- Kapitalerhöhung – Auswirkungen HT1 Anleihe

Die Ankündigung der doch recht komplexen Mega Kapitalerhöhung hat den CoBa “Tieren” doch noch einen netten Kurszuwachs beschert.

Auch die HT1 Anleihe konnte in den letzten Tagen nochmal gut zulegen auf zuletzt fast 87%.

Ohne jetzt auf die ganzen Details einzugehen ist die Kapitalerhöhung, sofern sie denn erfolgreich platziert wird, für den HT1 Anleger positiv.

Bislang war die komplette SOFFIN Einlage i.H. von 16 Mrd. EUR ja “pari passu” mit der HT1 Anleihe, d.h. jeder verdiente EUR musste im Prnzip mit diesen Anleihen geteilt werden. Mit der Umwandlung eines Großteil der Soffin Einlage in Aktien werden die HT1 Anleger strukturell besser gestellt, da die Ansprüche der Aktionäre auf den Gewinn nachrangig zu den Anleihen sind. Etwas überraschend ist der starke Anstieg für uns dennoch, weil die Zinszahlung ja auch ohne Gewinne garantiert war und auch die Heraufschreibung an sich vorrangig zu den Zinszahlungen auf stille Einlagen war.

Wir glauben, dass der Markt nun einfach eine deutlich höherer Wahrscheinlichkeit für ein positives HGB Ergebnis für das GJ 2011 annimmt und sich deshalb auch die Wahrscheinlichkeiten für Heraufschreibungen und Zinszahlungen bei den Nachrängen erhöhen.

Die jetzige Struktur und die Ankündigung der Coba, in 2012 eine Dividende zahlen zu wollen spricht dafür, dass die HT1 Anleger auch eine Heraufschreibung des Nennwerts auf 100% sehen werden.

Spätestens dann sollte die Anleihe dann auch Richtung Nominalwert gehen. Auf der jetzigen Basis wären das nochmal fast 15% Kurspotential, die wir gerne realisieren würden.

Asian Bamboo GB 2010 – Teil 4: Operativer Cashflow “Shenanigan”

Nachdem wir ja in Teil 3 festgestellt hatten, dass das von uns berechnete “bereinigte” Ergebnis mit 18,3 Mio. EUR oder 1,27 EUR pro Aktie relativ gering ausfällt, könnte man mit dem Blick auf den operativen Cashflow fragen: Wo ist das Problem ?

In der Kapitalflußrechnung auf Seite 65 wird als Operativer Cashflow ein Wert von ca. 33 Mio ausgewiesen, fast der selbe Wert der inkl. Neubewertungen verdient wurde. Zwar ist auch dieser Wert pro Aktie deutlich zurückgegangen, liegt aber mit ca. 2,30 EUR pro Aktie auf einem Wert von man nicht unbedingt von extremer Überbewertung reden würde.

Nicht ganz zufällig hatten wir in einem unserer letzten Posts das Buch “Financial Shenanigans” vorgestellt.

Kapitel 11.3. behandelt den Shenanigan “Recording the Purchase of Inventory as an Investing Outflow“.

Normalerweise gehen alle Cashflows die für den Kauf von Rohstoffen und anderen Betriebsstoffen inkl. Kauf von Halbfertigen oder fertigen Produkten als Cash Outflow in den operativen Cashflow ein. Schafft man es aber, aus irgendwelchen Gründen diese Käufe als “Investitionen” zu klassifizieren, steigt der operative Cashflow zu Lasten des Investitionscashflows. Viele Analysten schauen hauptsächlich auf den operativen Cashflow, d.h. es kann damit durchaus ein nennenswerter Effekt in Cashflow basierten Bewertungsmodellen erzielt werden.

Im Buch wird als Beispiel Netflix angegeben, die Ihre DVDs als Investitionen deklariert hatten und dadurch natürlich relativ wenig operative Kosten gegen die Vermietungserlöse stellen mussten.

Zurück zu Asian Bamboo. Wir erinnern uns aus Teil 3, dass die biologischen Vermögenswerte quasi das “Inventar” der Firma sind. D.h. alle Cashabflüsse die zur Steigerung des Inventars führen sollten sich inhaltlich im operativen Cashflow wiederfinden.

Nun ist es ganz interessant, wenn man sich mal unter Anhangspunkt 15 die Entwicklung der biologischen Assets für 2010 anschaut (S.87).

Man startet mit 68 Mio Anfang 2010. Dazu kommen die Höherbewertungen (nicht Cashflowwirksam) von gut 17 Mio als Zugang und jetzt wird es interessant: Zugänge aus dem Leasen neuer Plantagen i.H. von 14,3 Mio. EUR.

Schaut man aber in die Cashflowrechnung auf Seite 65 sieht man, dass das Leasen der neuen Plantagen ausschliesslich als Investitionscashflow gezeigt wird.

Was bedeutet das ? Um eine Analogie zu einem Produktionsunternehmen zu ziehen, wäre es so, als wenn man eine Maschine kauft und vom Vorbesitzer noch eine ganze Reihe Rohstoffe bis hin zu Fertigerzeugnissen mitkauft. Der Kaufpreis beinhaltet ökonomisch sowohl die Maschine wie auch das Inventar. Als gewissenhafter Analyst sollte man den Teil des Kaufpreises der auf das Inventar entfällt aus dem Investitionscashflow in den operativen Cashflow schieben. Bei Asian Bamboo ist das deswegen besonders signifikant, weil man ja regelmässig quasi erntefähige Plantagen mit einem relativ großen Bestand an biologischen Assets kauft, die dann relativ bald geerntet und dann cashwirksam im operativen Cashflow erfasst werden. Jetzt könnte man natürlcih argumentieren, dass bei Asian Bamboo der Kauf der Planatgen quasi das operative Geschäft wäre, aber dann würde man den aktuell negativen Free Cashflow (Operativer Cashflow minus Investitionen) bis in alle Ewigkeit fortführen.

Von daher ist es notwendeig für einen korrekten operativen Cashflow bei Asian Bamboo den Wert der zugekauften biologischen Assets i.H. von 14,2 Mio für 2010 vom Investions Cashflow auszugliedern und entsprechend vom operativen Cashflow abzuziehen.

Interessanterweise ergeben die 33,5 Mio ausgewiesener operating cash minus die 14,2 zugekaufte Assets einen Wert von 19,3 Mio EUR, also ungefähr der gleiche Wert wie das in Teil 3 von uns berechnete “bereinigte” Ergebnis wie es bis einschliesslich Q3 ausgewiesen wurde.

WICHTIG: Wir behaupten hier keineswegs, dass es sich um einen Bilanzierungsfehler handelt. IFRS lässt den Firmen bei der Darstellung des Cashflows leider viele Freiheiten. Unserer Meinung nach müsste man aber INHALTLICH den operativen Cashflow um die dazugekauften Biologischen Assets adjustieren. Sobald Asian Bamboo keine neuen Plantagen mehr kauft würde auch der nach jetziger Art ausgewiesene operative Cashflow entsprechend stark einbrechen.

Fazit: Die Berechnung des operativen Cashflows sollte um den Wert der zugekauften biologischen Vermögenswerte bereinigt werden. Als Ergebnis erhält man mit 19,3 Mio. EUR einen Wert der -42% niedriger ist als im Geschäftsbericht gezeigt und konsistent mit dem “bereinigten” Ergebnis ohne Neubwertungen. Mit ca. 1,34 EUR pro Aktie operativem Cashflow für 2010 wäre damit schon ein sehr starkes Wachstum in den nächsten Jahren nötig um den aktuellen Kurs zu rechtfertigen.

Buchtipp: Financial Shenanigans von Howard M. Schilit

Für Leute, die sich gerne mal eine Bilanz genauer anschauen ist dieses Buch ein Muss:

Es handelt sich hier um die Dritte, vollständig neu überarbeitete Auflage von “Forensic Accounting” Guru Howard M. Schilit.

Anhand von vielen (teilweise prominenten) Beispielen werden eine große Anzahl von Accounting Tricks vorgestellt, mit denen Firmen regelmässig versuchen, ihre Gewinne besser aussehen zu lassen als sie es in Wirklichkeit sind. Das Buch erfordert allerdings relativ solide Grundkenntnisse in Bilanzierungsfragen, für einen reinen Anfänger ist es eventuell etwas zu kompakt von der Darstellung.

Besonders interessant ist der Teil, der in der neuen Auflage dazugekommen ist. Hier geht es um “Cash Flow Shenanigans”, also Möglichkeiten wie Firmen auch den operativen Cashflow manipulieren können. Nachdem viele Analysten sich ohnehin nicht mehr mit GuV Zahlen aufhalten wird hier eindrucksvoll gezeigt, wie findige Buchhalter auch viele Möglichkeiten haben, aus der indirekten Cashflowrechnung heraus den operativen Cashflow besser als gerechtfertigt auszuweisen.

Das Buch ist nach 2 Kapiteln Einführung nach den jeweiligen “Shenanigans” gegliedert.

Die 7 wichtigsten Accounting Shenanigans in der Bilanzierung sind seiner Ansicht nach:

1. Zu frühe Realisierung von Umsätzen
2. Zweifelhafte Umsätze
3. One time items oder nicht wiederkehrende Ereignisse die nicht so ausgewiesen werden
4. Verschieben von Aufwendungen in spätere Perioden
5. Verstecken von Aufwendungen und Verlusten
6. Verschieben von Gewinnen in spätere Perioden
7. Verschieben von Aufwendungen in frühere Perioden (um dann später höhere Gewinne ausweisen zu können)

Bei den Cashflow Shenanigans wird gegliedert nach:

1. Verschieben vonFinanzierungscashflows zu operativen Cashflows
2. Operative Cashoutflows werden in den Investitionscashflow verschoben
3. Inflationierung des operativen Cashflows durch Akquisitionen
4. Inflationierung des operativen Cashflows durch Einmaleffekte

Zusätzlich behandelt er noch einige Beispiele wie wichtige Non-GAAP Kennzahlen, die von Analysten verwendet werden, manipuliert werden können.

Alles in allem ein Buch, in das man etwas Zeit investieren muss, der Pay Off in Form von Bilanzanlyse Know How aber phänomenal ist.

Asian Bamboo GB 2010 – Teil 3: Biologische Assets

Wie in einem unserer ersten Blogeinträge angemerkt, gab es ja Meinungsverschiedenheiten zwischen Asian Bamboo und den Wirtschaftsprüfern wie die sog. „Biologischen Vermögenswerte“ bilanziert werden müssen/dürfen.

Da die Materie (für uns zumindest) relativ komplexu ist, muss man sich hier Schritt für Schritt vorkämpfen.

Kommen wir jetzt mal zu der interessanten Frage: Was hat Asian Bamboo bislang bei den Biologischen Assets gemacht und was hatte der WP daran auszusetzen ?

Im Anhang auf Seite 68 steht dazu folgendes:

„Die Fehlerkorrekturen betreffen folgende Bereiche: Biologische Vermögenswerte Der Vorstand hat im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2010 die Methode der Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts der biologischen Vermögenswerte geändert und an die Vorgaben von IAS 41 angepasst. Im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2009 und in den Vorjahren wurde der beizulegende Zeitwert der biologischen Vermögenswerte als Barwert sämtlicher während der Dauer eines Pachtvertrags für eine Bambusplantage erwarteter Mittelzuflüsse ermittelt.“

Ok, übersetzen wir das mal: Wenn AB eine Plantage erworben hat, dann wurde bei Erwerb sofort der erwartet (diskontierte) Gewinn aus der gesamten Laufzeit des Vertrages aktiviert. Das wäre bei einem Produktionsunternehmens so, als wenn die Firma beim Kauf der Maschine gleich mal alle zukünftigen Erträge aus der zukünftigen Produktion über die Laufzeit abdiskontiert und als “Asset” aktiviert.

In der Vergangenheit wurde ja immer argumentiert, dass diese Zahlen ohnehin niemand ernst nimmt. Aber die Frage stellt sich doch, warum das Management dennoch so offensichtlich gegen grundlegende Bilanzierungsregeln verstoßen hat. Antwort haben wir dazu aber keine, sollte man mal auf eine Fragenliste an die IR richten.

Zwischenfazit 1: Der bisherige Ausweis der Biologischen Assets als Wert aller zukünftigen Gewinne war nicht nur aggressiv sondern hat offensichtlich gegen grundlegende IFRS Standards (IAS 41) verstoßen und musste deshalb korrigiert werden.

Kommen wir dann mal dazu was denn jetzt neu gemacht wird. Die nächste Passage erklärt dies:

Der Bilanzansatz zum 31. Dezember 2010 umfasst ausschließlich den Barwert der erwarteten Mittelzuflüsse aus dem Verkauf der am Bilanzstichtag auf den Plantagen vorhandenen Bambusstämme und Bambussprossen abzüglich der geschätzten Verkaufskosten. Die Verkaufskosten beinhalten alle dem Verkauf der Bambusstämme und -sprossen direkt zurechenbaren Kosten. Dies sind Pachtaufwendungen, erwartete Kultivierungsaufwendungen, erwartete Erntekosten und erwartete Veräußerungskosten.

Ok, also werden jetzt sinnvollerweise nur die bestehenden Bestände berücksichtigt, entsprechend den Vorgeben des IAS 41 aber schon zu erwarteten Verkaufspreisen (abzgl. Kosten). Das ist in wie in unserem oberen Beispiel gleichzusetzen mit einem Industrieunternehmen dass seine fertigen Erzeugnisse bereits gewinnwirksam aktiviert statt konservativ zu Herstellungskosten. Damit hat man natürlich das volle Preisrisiko in der Bilanz und bei Asian Bamboo natürlich auch alle weiteren Risiken wie Stürme Überschwemmungen etc. Fairerweise muss man sagen, dass das unter IAS 41 so richtig ist; Dennoch ordnen wir die Bilanzierung als recht “offensiv” ein.

Zwischenfazit 2: Der aktuelle Ausweis der biologischen Assets ist buchhalterisch in Ordnung, aber im Vergleich mit klassischen Industrieunternehmen eher auf der „optimistischen“ Seite.
(Wir erinnnern uns (mit Graus) insbesondere an die Zeit der Internetblase als bei vielen “Wachstumsunternehmen” alles und jedes “Asset” gewinnwirksam aktiviert wurde. )

Was bedeutet das jetzt konkret in Zahlen ? Im Geschäftsbericht auf Seite 70 sieht man Folgendes:

Per 31.12.2009 waren nach alter Methode 128 Mio EUR biologische Vermögenswerte gebucht. Das war um 60 Mio. EUR zu hoch ausgewiesen und führt zu einem neuen Wert von 68 Mio. EUR

Auf der Passivseite gibt es dazu zunächst einen relativ einfach erklärbaren Gegenposten. Da da die ursprünglichen zukünftigen Gewinne irgendwann ja mal versteuert werden müssen, hatte man auf der Passivseite 14 Mio EUR latente Steuerverbindlichkeiten gebildet, die dann logischerweise aufgelöst werden dürfen. Bleibt eine Differenz von -46 Mio. EUR.

Jetzt wird es aber spannender. In der Überleitungsrechnung sieht man weiterhin, das jetzt plötzlich die Pachtvorauszahlungen um +34 Mio. EUR höher sind als vorher. Wirklich erklärt wird das nicht. Unsere Vermutung wäre, dass man das vorher quasi abgeschrieben und gegen „Biological Assets“ getaucht hat. Bzw. das man die Pachtzahlung als Voraussetzung des zukünftigen Cash-flows gesehen und daher als Teil der Bio.Assets aktiviert hat.

Warum ? Vermutlich damit man sich die Abschreibungen über die Laufzeit sparen kann, dazu aber später mehr.

Damit bleiben ca. -12 Mio. EUR übrig an Differenz übrig. Es gibt noch eine Reihe anderer Korrekturen, am Ende des Tages bleibt ein Effekt von ca. -10 Mio. EUR übrig, um den das Eigenkapital nach unten korrigiert wird. Dieser Effekt ist somit deutlich geringer als von uns ursprünglich erwartet wurde, da wir den Zusammenhang mit den abgeschriebenen Pachtvorauszahlungen nicht erkannt hatten

Zwischenfazit 3: Die Auswirkungen der Bilanzierungsänderung der Biologischen Assets auf das Eigenkapital ist mit -10 Mio. EUR für das GJ deutlich geringer als wir das ursprünglich erwartet hatten.

Kommen wir zurück zu den erhöhten Pachtvorauszahlung und den höheren Abschreibungen.

Dieser Effekt wird ersichtlich, wenn man die Fehlerkorrekturen auf Seite 71 in der GUV für 2009 betrachtet. In Zeile 2 steigen da die Herstellungskosten plötzlich um gut 25% von 30 auf 38 Mio. EUR an, das dürfte zum Großteil auf höhere auszuweisende laufende Abschreibungen auf die Pachtvorauszahlungen erklärbar sein. Das operative Ergebnis vor Neubewertungen der biologischen Assets fällt dadurch um fast 30% von 28 Mio. EUR auf 20 Mio. EUR.

Damit kommen wir zu einem sehr interessanten Punkt: Bis einschliesslich Q3 2010 wurde immer ein „bereinigtes“ Ergebnis angegeben, das war der ausgewiesene Gewinn pro Aktie abzgl. Gewinne aus der Neubewertung. In den meisten Analystenberichten war das auch der Startpunkt für alle weiteren Analysen.

Für 2009 waren das 2,16 EUR pro Aktie, in den ersten 3 Quartalen 2010 wurden für diesen Wert noch 1,70 EUR ausgewiesen. Im Jahresbericht 2010 wird diese Zahl plötzlich weggelassen. Rechnet man sich die Zahl selber aus kommt man jetzt für 2010 auf folgenden Wert:

Gewinn 2010 35,5 Mio EUR
Neubewertungsgewinn: -17,2 Mio. EUR
= Gewinn ohne Neubewertungen = 18,3 Mio. EUR

Macht bei 14,4 Mio. Aktien ungefähr 1,27 EUR pro Aktie oder ein Rückgang von -41% vs. 2009 beim „bereinigten Ergebnis pro Aktie !!!! kein Wunder, dass man diese Zahl im Jahresbericht weglässt. Wir sprechen jetzt nicht mehr von einem Gewinnanstieg von „nur 3%“ statt den 17% beim Ergebnis pro Aktie inkl. Neubewertungen sondern von einem Rückgang von -41% beim „bereinigten“ Ergebnis pro Aktie !!!

Zwischenfazit 4: Der Wechsel des Ausweises (weniger biologische Assets, höher aktivierte Pachtzahlungen) führt zu einem deutlich geringeren operativen Ergebnis. Als Ergebnis fällt das bereinigte Ergebnis pro Aktie i.H. von 1,27 EUR (selber gerechnet) um -41 % vs. 2009. Like for Like (2009) war der Effekt ungefähr -30%.

Fazit:
– Die notwendige Neubewertung der biologischen Asset hatte einen deutlich geringeren Effekt als von uns angenommen.
– Der eigentlich Effekt entsteht aber im operativen Ergebnis. Das Ergebnis vor Neubewertung des Jahres 2010 ist um -41% pro Aktie schwächer als 2009.
– Diese, bis einschliesslich Q3 prominent veröffentlichte Erfolgskennzahl wurde im Geeschäftsbericht 2010 nicht mehr erwähnt.

Fortsetzung folgt.

P.S. Auch wenn sich das manche Leute in diversen Internetforen wirklich nicht vorstellen können: Wir machen das wirklich nur zum Spass und der Verfasser hat keine direkten oder indirekten finanziellen Interessen in der Aktie.

P.S. 2: Vielleicht sollten wir mal tief in uns gehen, was wir so unter Spass verstehen 😉

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