Category Archives: Bücher

Book Review – The Lords of Finance

Nachdem Ferienzeit immer auch Lesezeit ist, habe ich mir die letzten Tage u.a. dieses Buch hier “gegönnt”:

Das Buch beschreibt in sehr detailierter Weise die Geschehnisse nach dem Ende des ersten Weltkrieges bis zur Weltwirtschaftskrise mit dem Fokus auf den Chefs der damals wichtigen Notenbanken in USA, UK, Frankreich und Deutschland.

Für mich war das Buch, obwohl es relativ anstrengend zum lesen war, sehr lohnenswert.

Zum Einen rückt es in Zeiten wie den aktuellen die Perspektive etwas ins Lot wenn man mal liest wie sich eine “echte” Weltwirtschaftskrise entwickelt hatte. Es beruhigt irgendwie dass im Finanzbereich nicht wirklich neue Sachen passieren. Egal ob jetzt mit Hedge Fonds, Derivaten oder ohne, das Problem sind immer schlechte Kredite in Boom Phasen und die kurzfristige Finanzierung des Bankensektors.

Man muss sich für das Buch etwas Zeit nehmen, aber mir hat es zumindest einige interessante Perspektiven zu Zentralbanken, Goldstandard Währungskursentwicklungen eröffnet.

Book Review – “There is always something to do – The Peter Cundill Investment Approach”

Auf diese Buch hatte ich mich schon lange gefreut:

Peter Cundill ist ein erfolgreicher Kanadischer Fondsmanager der sich den Prinzipien Ben Grahams verschrieben hat und denen auch treu geblieben ist. Das vorliegende Buch wurde auf der Basis seiner persönlichen Notizen von einem seiner früheren Mitarbeiter geschrieben.

Der “Graham” Ansatz fokussiert ja hauptsächlich auf die Bewertung der Assets, Aktien werden dan gekauft wenn sie deutlich unter dem Liquidationswert liegen. Auf zuküftige Gewinne oder die sog. “Moats” wird hierbei wenig oder gar kein wert gelegt bzw. nicht positiv in die Bewertung einbezogen.

Am Anfang wird beschrieben wie Cundill nach dem Lesen von Graham’s “Security Anlyses” vom Value Fieber befallen wird. Er übernimmt dann relativ bald eine gestrauchelte Fondsgesellschaft und wandelt deren ehem. Growth Fund in einen Value Fund um.

Schon relativ früh legt er seine “offiziellen” Grundprinzipien fest:

– immer unter Buchwert kaufen, am besten unter Net-Working Capital
– der Kurs sollte mind. 50% unter dem letzten Hoch liegen
KGV unter 10 bzw. unter dem langjährigen “Anleihen KGV”
Gewinnwachstum über die letzten 5 Jahre, keine Verluste in den letzten 5 Jahren
– Dividenden müssen gezahlt werden, am besten steigend und seit längerer Zeit
– konservative Verschuldungsstruktur

In seinem Jouranl legt er noch weitere Prinzipien fest:
– Insider Tipps ingorieren
– Charakter und Kompetenz des Managements
– auch das Geschäftsmodell anschauen

Als einer der ersten Nordamerikanischen Valueinvestoren ist er auch relativ früh schon ins Ausland gegangen. Im Laufe der Zeit hat er dann auch seine Kriterien erweitert.

So investierte er auch in Distressed Debt und sogar Anleihen Pleite gegangener Staaten und als einer der ersten Value Investoren kaufte er z.B. auch Puts auf Japanische Aktien als die im zu teuer erschienen.

Interessant ist auch, dass er darauf hinweist, dass keine “Formel” dauerhaft Investmenterfolg garantieren kann, sondern dass man die Kriterien ständig dem Markt anpassen muss.

Ein paar Formeln mit denen er gearbeiett hat waren z.B. die “Magic Sixes”, also Invetsments die:
– unter 0,6 x Buchwert notieren
– KGV kleiner als 6 haben
– mehr als 6% Dividende zahlen

Als die Formeln nicht mehr funktionierten, hat er sich auf Unternehmen fokussiert, die “Extra Assets” haben, als Beteiligungen die sie für das kenrgschäft nicht brauchen weil die oft nicht in die Standard Bewertungen einfliessen.

Zum Thema “Moats” wird angemerkt, dass solche Unternehemn gerne mal “überexpandieren” was nicht von der Hand zu weisen ist.

Fazit: Ein meiner Meinung nach sehr schönes Buch, dass zeigt dass man auch mit dem “reinen” Graham Ansatz sehr viel Erfolg haben kann. Einziger Nachteil ist, dass es nicht von Cundill selbst geschrieben ist, aber dennoch ein sehr gutes Buch für jeden Value orientierten Investor.

Book Review: Baruch – My own story

Bernard Baruch war einer der legendären Börsenspekulanten Anfang des 20ten Jahrhunderts. Im Gegensatz zu anderen erfolgreichen Finanziers hat er sich aber in späteren Jahren stark in der Politik engagiert und u.a. einen Plan zur Kontrolle von Atomwaffen entwickelt. Viele US Präsidenten und auch Winston Churchill zählten zu seinen persönlichen Freunden, siehe auch hier in Wikipedia.

Im Alter von 87 Jahren hat er noch eine Auto-Biographie geschrieben, die im Prinzip die Zeit zwischen dem amerikanischen Bürgerkrieg bis Mitte der 50er Jahre überspannt.

Interessant aus Sicht eines “Börsianers” sind v.a. Kapitel 7-14 über seine Zeit an der Wallstreet sowie Kapitel 19. in dem er seine Investment Philosophie zusammenfasst. Besonders spannend ist Kapitel 11 über die Panik von 1901 und den Northern Pacific Corner, quasi mal eine Crash Geschichte aus erster Hand.

Die wichtigsten Punkte sind seiner Ansicht

– nicht auf heisse Tipps hören
– Fundamentales Research über die Firma in die man investieren will
kein Markt Timing
– Verluste schnell realisieren
– nicht überdiversifizieren, eher wenigere Positionen die man gut kennt
– die aktuellen Positionen in Abständen überprüfen
– immer einen gewissen Teil Cash vorhalten

Das sind im Prinzip zeitlose Tipps die sich über die Jahre bewährt haben.

Für die Analyse eines Unternehmens sind seines Erachtens folgende Faktoren wichtig:

Wert der Assets abzüglich der Schulden
– Die sog. “Franchise”, nach seiner Definition ist das die Frage ob das Unternehmen etwas herstellt was wirklich gebraucht wird
– die Qualität des Managements. hier unterscheidet er sich von Buffet, den seiner Meinung nach kann auch ein schlechtes Management die beste Firma runterwirtschaften.

Was mir noch sehr gut gefallen hat ist, das Bild von der Börse und der Wirtschaft als Thermometer und Fieber. Seiner Meinung zeigt die Börse zwar den Zustand der Wirtschaft an (Thermometer), ist selbst aber nicht die Ursache des Übels, dass irgendwo in der Wirtschaft entstanden ist. Das steht natürlich in starkem Kontrast zu aktuellen Politik der FED.

Fazit: Kein klassisches “How to” Börsenbuch, aber dennoch ein faszinierendes Buch für historisch interessierte Börsianer inkl. einiger zeitloser Ratschläge die gerade in der jetzigen Zeit sehr sehr hilfreich sind.

Buchbesprechung: Pat Dorsey – The little book that builds wealth

Statt mehr oder weniger hilfreicher Kommentare zum Marktgeschehen mal wieder zur Abwechslung eine Buchbesprechung.

Diesesmal habe ich mir das “The little book that builds wealth” von Pat Dorsey durchgelesen.

Pat Dorsey, seines Zeichens Chef Equity Analyst bei Morningstar konzentriert sich in dem Buch auf die allseits beliebten “Moats”, auf gut Deutsch Burggräben, mit denen sich erfolgreiche Unternehmen umgeben, um langfristig gute Gewinne zu erzielen.

Wer Buffet / Munger liest, weiss sofort um was es geht.

Zu Beginn des Buches definiert er die 4 Arten von Moats die es seiner Ansicht nach grundsätzlich gibt, als da wären:

Intangible Assets (Patente, Lizenzen)
Switching Costs (erschweren das Wechseln zur Konkurrenz)
Netzwerk Effekte ( je mehr Leute es nutzen, desto wertvoller wird es)
Kostenvorteile strukureller Art

Interessant waren aus meiner Sicht folgende Anmerkungen:

– eine bekannte Marke ist noch lange kein Moat
– Kostenvorteile aufgrund eines besseren Produktionsprozesses sind kein Moat
– Ein Nischenunternehmen mit einem Moat ist interessanter als ein Riesenunternehmen mit Moat in einem großen Markt
– Wenn ein Unternehmen mit einem Moat in einem Bereich in andere Bereiche expandiert ist meistens Vorsicht angebracht.

Die Beispiele die er nennt sind z.T. allgemein bekannt, wie z.B. Moody’s (Lizenz), Oracle (Switching Cost), Amex (Network Effekt) und Intel (Struktureller Kostenvorteil zu AMD).

Anschliessend gibt es noch eine Art Kochrezept, wie man Moats erkennen kann.

Schritt 1: Erwirtschaftet das Unternehmen einen hohen Return on Assets ?
Schritt 2: Wenn hoher ROA, ist dann einer der vier beschriebenen Moats vorhanden ?
Schritt 3: Analysieren wenn 1 und 2 positiv, wie lange der Vorsprung halten wird

Zur Bewertung:

POSITV:
+ das Buch ist wie die meisten “Little Books” sehr “flott” geschrieben, kompakt und spannend
+ die Strukturierung der Moats ist sehr einleuchtend und klar
+ er verwendet viele anschauliche Beispiele
+ die letzten Kapitel enthalten noch ein paar sehr wertvolle allgemeine Tipps und Weisheiten

NEGATIV:
– das Thema Bewertung wird m.E. etwas sehr kurz behandelt, aber dafür gibt es ja auch andere Bücher
– ein paar der Aussagen sind etwas zu allgemein (Buchwert bei Finanzwerten ist der beste Bewertungsmaßstab etc.)

Persönlich finde ich ja, dass das Thema “Moats” schon etwas totgetreten ist und mittlerweile von diversen Firmen (v.a. Private Equity Firmen die Ihre Schäfchen teuer IPOen wollen) ziemlich strapaziert wird, um aberwitzige Bewertungen zu rechtfertigen (“Abonenntenmodell”). Dennoch sollte jeder ernsthafte Aktieninteressierte dieses Buch lesen.

Fazit: Ein sehr lesenwertes Buch, ein Muss für jede Investment Grundbibliothek.

Book Review: “The Most Important Thing” – Howard Marks

Howard Marks ist Gründer und CEO von Oaktree. Oaktree ist eine sehr erfolgreiche, auf Value Prinzipien basierende Asset Management Firma mit Schwerpunkt Distressed Debt aber auch Aktien.

Das eben erschienen Buch “The Most Important Thing”

Cover H. Marks

ist eine Art “Best of” seiner Briefe an Investoren inkl. einer Strukturierung in bestimmte Kapitel.

Vom Stil her würde ich Howard Marks eher in die Kategorie “Deep Value” einordnen. Das Wort “Moat” z.B. kommt im ganzen Buch nicht vor, für ihn ist nur die “Cheapness” auschlaggebend, also wie billig bekomme ich eine Asset im Vergleich zum fairen Wert. Es gibt seiner Ansicht nach keine guten oder schlechten Aktien, sondern im Prinzip nur billige oder eben teure Aktien. Nur billig ist gut.

Die wichtigsten Punkte für echten Investemnterfolg sind seiner Ansicht nach:

– Nie mit dem “Konsensus” investieren, nur mit Ansichten ausserhalb des Mainstreams lässt sich dauerhaft Mehrertrag erzielen
– alle aktuellen Trends ignorieren
– nur dann investieren, wen ein Asset billig ist im Vergleich zum Markt
– Risiko ist nicht wirklich quantitativ messbar sondern mehr ein psychologischer Faktor
– auf jeden Fall muss “Permanent loss” des Kapitals vermieden werden, das hat oberste Priorität
– Investments sind immer zyklisch, man kann die Zyklen zwar nicht vorhersagen, man kann aber schätzen an welcher Stelle man sich aktuell befindet
– Man muss sich als Investor negativen psychologischen Einflüssen widersetzen (Gier, Angst, Neid etc.)
– Momentum funktioniert nur kurzfristig, langfristig funktioniert nur Antizyklik
– Man muss nach echten “Schnäppchen” suchen, Investments die so aus der Mode sind dass sie wirklich billig sind
– Man muss die Geduld haben, auf schnäppchen zu warten
– Man muss wissen was man nicht weiss

Generell ist seine Philosophie, dass man in guten Zeiten “nur” mit dem Markt mitschwimmen sollte, in schlechten Zeiten aber dann durch einen defensive Aufstellung die Outperformance erzielt.

Generell liest sich das Buch ganz gut, allerdings finde ich dass die einzelnen Punkte teilweise doch zu oberflächlich behandelt werden. Wie genau man z.B. Bargains finden kann sagt er nicht wirklich und es gibt auch wenig konkrete Beispiele für seine Thesen. Wenn man im Vergleich dazu das Buch “Margin of Safety” von Seth Klarmann liest, kann man sehen wie man das gleiche Thema deutlich “praxisorientierter” umsetzen kann.

Fazit: Recht kompaktes und interessantes Buch mit Schwerpunkt “Deep Value” Investing. In Teilen aber etwas zu allgemein gehalten. Erste Wahl für Deep Value bleibt nach wie vor Seth Klarmann’s “Margin of Safety”

Book Review: “Market Wizards” Jack D. Schwager

Das Buch “Market Wizards” von Jack D. Schwager ist in der Reihe “Investment Classics” bei Wiley erscheinen.

Es beinhaltet eine Reihe von Interviews die 1988, also ein Jahr nach dem 1987er Crash durchgeführt wurden und zwar mit den damals führenden “Tradern” bzw. teilweise auch Hedge Fonds Managern.

Einige der Namen (Jim Rogers, Paul Tudor Jones oder Michael Steinhart) sind auch heute noch ein Begriff, viele der anderen Namen hatte ich das erste Mal gehört.

Das Buch ist aus Value Sicht aus verschiedenen Gründen interessant. Zum einen denke ich ist der historische Aspekt relevant. Es handelt sich hier um einen “Schnappschuss” der Stimmung nach dem 1987er Crash, der doch gewisse Ähnlichkeiten zum heutigen Markt beinhaltet.

Das damals geradene “Program Trading” war für viele eine Fehlentwicklung, das ähnelt der Situation heute bzgl. des sog “High Frequency Tradings”. Naturgemäss waren die Leute oft “bearish”. Das interessanteste Interview mit Jim Rogers liest sich eigentlich genauso wie seine Interviews heute, 25 Jahre später. Auch damals rechnete er mit starker Inflation. Immerhin hatter er damals den Zusammenbruch des Japanischen Wunders vorausgesehen.

Ganz interessant im Nachhinein ist hier, wenn man sich überlegt was danach passiert ist. Die Stimmung war schlecht aber dann kam ein “schwarzer Schwan” nämlich der Zusammenbruch des Kommunismus, das hatte damals keiner vorhergesehen ebenso wie den darauf folgenden größten Bullenmarkt aller Zeiten in den 90ern.

Auch interessant ist wie die Trader Ihren Stil beschreiben. Was einen erstaunt ist, dass auch “fundamental” orientierte Trader sich natürlich nur an kurzfristig steigenden ausgewiesenen Gewinnzahlen orientieren, der Wert eines Unternehmens an sich spielt keine Rolle. Das ist glaube ich wichtig, wenn man den Reflex verspürt, fundamental zu teure Unternehmen in eine Aufwärtsbewegung zu shorten oder wenn man unsicher wird, wenn eine unterbewertete Aktie immer weiter fällt.

Der Markt weiss eben nicht in allen Fällen mehr, sondern läuft einfach mit dem Momentum

Fazit: Das Buch ist vor allem aus historischer Sicht interessant und gibt auch ganz gute Einblicke in die Handlungsweisen von Tradern. Von daher eine lohnenswerte Lektüre für Value Investoren, die sich auch mal die “andere Seite” anschauen möchten.

Edit: Rogers war damals tatsächlich eher skeptisch zu Gold eingestellt, das hatte ich verwechselt.

Book review: The little book of Behavioural Investing – James Montier

James Montier, Asset Allocation Stratege bei GMO ist als Autor ja kein Unbekannter. So hat er ja z.B. vor ein paar Wochen die sehr lesenswerten “7 Gesetze des Investierens” veröffentlicht und hat auch sporadisch ein Blog zum Thema “Bahvioural Investing” gepflegt. Daneben hat er auch schon 2 ausführlichere Bücher über Behavioural Finance geschrieben.

Im vorliegenden “Little book”

befasst er sich mit den “gefährlichsten” Verhaltensmustern die den Anlageerfolg gefährden können und versucht dies insbesondere mit Ergebnissen aus Labortests und Zitaten erfolgreicher Investment Gurus zu belegen.

U.a. nennt er folgende gefährliche Verhaltensweisen für Investoren:

– Über-Optimismus bzw. zu hohes Selbstvertrauen
– sich auf Zukunftsvorhersagen verlassen
– Information Overload bzw. fehlender Fokus auf das Wesentliche
– zuviel Fokus auf Mr. Markets tägliches auf und ab
– an Aktien Stories glauben
– “Überaktivität”, nichts tun ist manchmal besser

Seine Empfehlung lautet, dass man die meisten dieser Probleme mit einem klar definierten Prozess der Entscheidungsfindung lösen kann, dafür helfen Checklisten und ähnliche Hilfsmittel.

Fazit: Alles in allem ein sehr praxisorientiertes und kurzweiliges Buch, sowohl für den Privatinvestor wie auch den Profi.

Scoring-Modell: Unser Koordinatensystem für den “Wert” eines Unternehmens

Da wir in zahlreichen Artikeln von einem ominösen “Scoring-Modell” gesprochen haben, wollen wir hier vorstellen wie wir zu unseren “Zielkursen”, bzw. “Fair Values” kommen. Dabei sollte aber immer bedacht werden, dass der echte Wert eines Unternehmens natürlich unbekannt ist und unser Modell nur einen strukturierten Prozess der Annäherung an den “inneren Wert” ermöglichen soll. Die Gewichtung und der “Hintergrund” der in das Modell eingepflegten Kennzahlen und Gewichtungen ist sowohl aus klassischer Forschung zum Thema abgeleitet als auch selbst gestrickt.

Das Scoring-Modell arbeitet eigentlich relativ simpel: Wir geben dem Modell Werte für Unternehmenskennzahlen vor, die wir als “fair” erachten und bei deren Vorhandensein wir bereit sind ein Unternehmen zu kaufen. Das Modell ist so ausgelegt, dass Sollvorgaben getroffen werden und positive Abweichungen den “Wert” des Unternehmens erhöhen, negative Abweichungen den “Wert” verringern. Ein wichtiger Aspekt des Scoring Modells ist, dass sich stark negative Ausreißer in bestimmten Kennzahlen expotentiell schlecht auswirken, positive Ausreißer jedoch nicht expotentiell einschlagen sondern nur linear positiv wirken. Ziel ist es einen soliden und günstigen Kennzahlenmix bei stabilen und “soliden” Unternehmen zu erhalten.

Bei allen Unternehmen werden soweit möglich die 10-Jahreszahlen betrachtet. In das Scoringmodell gehen zahlreiche Variablen ein. Da wären bspw:

KGV: (Mischkalkulation verschiedener KGV’s – KGV, KGV3, KGV10)
Pi mal Daumen ist alles bis KGV10=15 und KGV3=12, KGV=10 bei 100%. KGV’s über diesen Werten müssen durch positive Werte in anderen Kategorien etwa Bilanzstärke, nachhaltiges Wachstum oder Margen ausgeglichen werden.

Eignerrendite: Dividenden+Aktienrückkäufe abzgl. Kapitalerhöhungen sollten pro Aktie > als 75% der aktuellen 10jährigen Anleiherendite sein. Neben der aktuellen Dividende fließen auch Dividendenkontinuität (stabile Ausschüttungsquote) und Kapitalerhöhungen in das Modell ein.

Cashflow: sehr wichtiger Punkt KCV, Kurs/FreeCashflow auf Jahres, und 3-5 Jahresebene.

KUV, “mittlere Marge” und “Minimum Marge“: KUV und Gewinn bei 1) niedrigster 2) durchschnittlicher Marge der vergangenen 10 Jahre.
Ansatz: Reverse to the mean. So wird ein Unternehmen mit unterdurchschnittlichen Margen (im 10-Jahres-Schnitt) begünstigt, während ein Unternehmen mit historisch exorbitanten Margen etwas bestraft wird. (hier ist z.B. immer ein Ansatzpunkt für die spätere “Feinarbeit” –> Warum sind die Margen aktuell besonders hoch?)

KBV: unbereinigt und bereinigt um Goodwill

klassische Graham Valuation: KBV*KGV= < 22

Piotroski F-Score:
8 Punkte = 100%, Abzüge bei weniger Punkten.

EK-Rendite, ROCE etc. 10 JahresEK-Rendite, “geforderte EK-Rendite”: Die geforderte EK-Rendite ergibt sich aus einer einfachen Überlegung. Hat ein Unternehmen eine durchschnittliche EK-Rendite von 7% darf es ein KBV von 1 haben. Hat ein Unternehmen eine deutlich höhere durchschnittliche EK-Rendite von bspw. 15% p.a. “darf” es ein KBV von knapp 3 haben. Hat also ein Unternehmen eine längerfristige EK-Rendite von 10% und ein KBV von 1 ist es “besser” und bei einem KBV von 2 schlechter. “Gedanken zu diesem Thema” (Auch hier ist bei der Feinarbeit auf den operationellen Hebel der Unternehmung zu achten!)

Großer Bewertungspunkt Bilanzqualität: EK-Quote, Zinsdeckung, Gearing/Cashflow, Liquidität, Umlaufvermögen/Kurzfristige Schulden, Goodwill.

Kleinerer Punkt Gewinnwachstum: also Gewinnwachstum inkl. zwischendurch angefallener Verluste, Stetigkeit der Gewinne, Stetigkeit des Cashflows, Auswirkung der nicht ausgeschütteten Cashflows, insbesondere der Punkt ob die einbehaltenen Gewinne effektiv angelegt wurden. –> Stabiler CFROI oder abnehmender CFROI im Zeitablauf?

“Enterprise Value” Magic Formula: EV/Ebit, EV/Ebit3 und EV/Ebitda

Aus diesem Wust kommt ein Kennzahlenmix heraus, bei dem jeder Wert jeweils um 100% schwankt. Wenn ein Unternehmen in der Summe der Kennzahlen genau 100% hat – ist es fair bewertet – so der Gedanke. Damit findet man dann einen Preis für das Unternehmen, bei dem der Screener sagt “100%” fair bewertet. Wenn man dann ein Unternehmen findet, dass mit einem größeren Abschlag auf diesen fairen Wert gehandelt wird, könnte man eine “Margin of Safety” vor sich haben…

So ist z.B. bei Bijou Brigitte trotz hohem KBV und KUV durch die starke Bilanz, dass historisch ordentliche und stetige Gewinnwachstum, den soliden Cashflow und die hohen Ausschüttungen der “fair Value” höher als es ein reiner Kennzahlenmix aus KUV/KGV und KBV vermuten ließe. Hingegen gibt es zahlreiche Unternehmen wo die Verschuldung und der Goodwill die günstigen Kennzahlen von Dividende, KGV, KUV und Gewinnwachstum zunichte machen. Auf der anderen Seite gibt es auch einige “Zigarettenstummel” wie Tsakos Energy, bei denen Kurs-Buchwert und Co. so schreiend billig sind, dass selbst zahlreiche Mali im Modell ein positives Ergebnis erzielen.

Jegliches Scoringmodell hat natürlich Schwächen, der wir uns aber sehr bewusst sind. Das Scoring ist natürlich nur ein Einstieg ohne “weiche Faktoren” wie Wettbewerbsvorteile oder Marktstellung, deren Betrachtung nicht standardisierbar ist. Insgesamt wird man aber durch die immer ähnliche Betrachtung auf bestimmte Aspekte von Unternehmen hingewiesen, die interessant bzw. gefährlich sein könnten. Für Finanzunternehmen (Banken etc) funktioniert das Modell hingegen nicht, vor allem wegen der geringen EK-Quote und der Cashflow-Problematik.

Dieses Scoring Modell ist auf “hoher See” von unschätzbarem Wert. Anders als bei relativen Rankingmethoden ist das Scoring-Modell absolut orientiert. In den 2000er Jahren wäre es wahrscheinlich sehr schwierig gewesen große Massen kaufbarer Unternehmen zu finden. (Backtesting wg. hohem manuellem Aufwand nur Anhand von US-Unternehmen über SEC-Daten möglich). Hingegen konnten Ende 2008, Anfang 2009 zahlreihe Unternehmen mit großer Sicherheitsmarge gefunden werden. Mit diesem Scoring-Modell haben wir in den vergangenen Jahren mehrere hundert Unternehmen gescreent. Die Ergebnisse des Screenings entsprechen bisher in etwa dem, was man aus den klassischen O’Shaughnessy bzw. Tortoriello Daten erwarten darf. Wenn es zukünftig und langfristig auch nur halb so gut funktioniert wie bisher, wären wir schon ausserordentlich froh! Interessant ist vor allem, wenn man den Screener bei klassischen Frauds, bzw. Busts der Vergangenheit anwendet. Sowohl Enron, als auch MCI-Worldcom, aber auch Thielert wären jeweils nicht als “Kauf” durch das Modell gekommen. Bzw. als der Kurs soweit gesunken war, dass es ein Kauf gewesen wäre, hätte der gesunde Menschenverstand schon von einer Investition abgeraten.

Book Review: Sequoia Fund Letters

Hier handelt es sich nicht um ein Buch im klassischen Sinne, dennoch ist ein Review zu den jährlichen Transskripten des Sequoia Funds dennoch hilfreich. Den Sequoia-Fonds hatten wir in der Vergangenheit schon einmal vorgestellt.

Die Shareholder Reports sind vom Aufbau her ziemlich gleich gehalten. Die Investmentgesellschaft des Sequoia Fonds hält einen “Ruane, Cunniff & Goldfarb Investor Day” ab, bei dem alle Fondsbesitzer aber auch Besitzer von Vermögensverwaltungsdepots etc. kommen können. Zu diesem Tag wird ein Transskript ins Netz gestellt. Klassischerweise werden hauptsächlich Fragen zu den einzelnen Portfoliopositionen gestellt und ausführlich beantwortet.

Da der Fonds eine sehr geringe Umschlagshäufigkeit hat werden über die Jahre hinweg oftmals die gleichen Aktien besprochen (bspw. Berkshire, Walmart, Wallgreen, Fastenal). Besonders schön zu sehen ist aber auf welche Art und Weise Sequoia an die Analyse herangeht und was aus Ihrer Sicht des “Pudels Kern” ist.

Dabei geht Sequoia im klassischen Value-Stil vor. Makroanalysen stehen völlig im Hintergrund und das Portfolio wird einzig auf Basis der einzelnen Unternehmen zusammengestellt. Das bei dieser Art der Portfoliokonstruktion auch Fehler passieren, bzw. Trends “verschlafen” werden ist den Managern bewusst und wird in Kauf genommen. So weisen sie oftmals darauf hin, beim Ölpreis eine völlig falsche Sichtweise gehabt zu haben.

Die Firmen im Fonds zeichnen sich nicht durch klassische Value-Kennzahlen aus. Sequioa betont sehr stark den Moat des Unternehmens und seine zukünftige Wettbewerbsfähigkeit, bzw. die Fähigkeit des Unternehmens Cashflow zu generieren. Aus dieser Sicht sind die Sequioa Fund Letters als Erweiterung des an früherer Stelle vorgestellten Buchs von Pat Dorsey zu sehen.

Book Review: Value Investing – From Graham to Buffet and beyond

Schon mal vorab: Das einzig Negative an dem Buch ist die Tatsache, dass ich es nicht schon früher gelesen habe.

Titel

Herausgegeben von Bruce Greenwald, Professor an der Columbia University und eine DER Autoritäten auf dem Gebiet Value Investing.

Das Buch ist ein zwei große Bereiche eingeteilt.

Es geht los mit knapp 150 Seiten Bewertungsmethoden. Der Aufbau ist klar und logisch, aber auch relativ kompakt, d.h. man darf es nicht nur überfliegen.

Es werden 3 grundlegende “Value” Bewertungsmethoden vorgestellt:

1. Die reine Assetbewertung, insbesondere der Ansatz des sog. Replacement Values. Das sind grob gesagt die Kosten die ein anderes Unternehmen aufwenden müsste, um den gleichen Output zu erbringen wie das analysierte. Interessant daran war für mich v.a. dass man hier z.B. auch vergangene Werbungsausgaben oder F&E Kosten mit einbeziehen sollte. Auch ein guter ansatzpunkt um die Werthaltigkeit von Goodwill besser analysieren zu können.

2. Der sog. “Earnings Power Value”. Das ist der diskontierte Wert des ohne weiteres Wachstum erreichbaren Free Cashflows einer Firma. Grundannahme ist hier, dass eine “normale” Firma keinen besonderen Wert durch Wachstum generiert und deshalb der Status quo die Basis der Bewertung sein sollte. Dieser Ansatz unterscheidet sich von 1. dadurch, dass man hier nicht den Wert der Assets an sich anschaut, sondern sich auf die daraus generierbaren Cashflows konzerntriert, allerdings ohne dass man irgendein Wachstum unterstellt. Ein hoher “tangible” Buchwert ist also nicht der BEwertungsmaßstab sondern eher so eine Art Worst Case Szenario.

3. Als letzter Ansatz wird noch die Wachstumsbewertung vorgestellt. Wachstum wird nur dann ein expliziter Wert zugewiesen, wenn das Unternehmen dauerhafte Wettbewerbsvorteile hat (“Franchise”), ansonsten genreiert Wachstum (z.B. nur duch Akquisitionen) nach Meinung der Autoren keinen Wert.

Bei allen 3 Wertansätzen erfolgt natürlich nur eine Investitionen, wenn der ermittelte Wert deutlich höher ist als der aktuelle Börsenwert.

Greenwald gelingt es m.E. sehr gut, quasi die “Evolution” des Value Investings darzustellen. Auch die Beispiel anhand echter Beispiele sind sehr anschaulich aber auch sehr detailiert.

Im 2ten Teil des Buches werden dann einige sehr bekannte (Buffet, Klarmann, Gabelli) wie auch etwas unbekanntere Value Investoren (Schloss, Paul Sonkin, Glen Greenberg) vorgestellt, die alle mit etwas unterschiedlichen Ansätzen sehr erfolgreich sind.

Während Sonkin und Schloss mit dem klassischen Asset Ansatz sehr erfolgreich arbeiten, sind Buffet und Gabelli ja bekanntermassen eher Vertreter des “Franchise” Ansatzes.

Fazit: Ein tolles Buch für Interessierte Value Investoren oder die die es werden möchten. Für Anfänger ist es eher nicht so gut geeignet, da viele Bilanz oder Anlage Begriffe nicht wirklich erklärt werden

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