Category Archives: Anlage Philosophie

Risikomanagement KISS

Ein wichter Aspekt guten investierens ist die systematische Befolgung eines Investmentansatzes. Wie hat es der gute Ben Graham in Worte gefasst: “Investieren ist dann am intelligentesten wenn es geschäftsmäßig (systematisch) betrieben wird.” Anbei möchten wir Euch die Grundzüge unseres Risikomanagementsystems vorstellen, dass uns für unsere Zwecke ausreichend erscheint. Letztlich ist das Risikomanagementsystem “simpel” und soll uns einen Überblick über die bestehenden Positionen geben und uns Empfehlungen auf Gewichtungen innerhalb des Depots geben.

Warum sollte man eine Aktie mit 3, 4 oder 5% im Depot gewichten?

Das Modell ist so aufgebaut, dass hohe erwartete Renditen übergewichtet werden und niedrig erwartete Renditen untergewichtet werden. Nehmen wir beispielsweise zwei Aktien von Unternehmen die unterschiedliche Renditeerwartungen haben:

Aktien Rendite p.a.
Unternehmen A 5%
Unternehmen B 10%

Bei einem gleichgewichteten Depot wäre die Renditeerwartung 7,5% p.a.

Da wir uns nicht ausschließlich auf Unternehmen A verlassen wollen, sondern schon eine Mischung aus A und B im Depot erreichen wollen, arbeitet unser KISS-System so, dass Aktie A höher gewichtet wird und Aktie B niedriger gewichtet wird. Da Unternehmen A eine 30% höhere Rendite bietet als der Durchschnitt des gleichgewichteten Portfolios wird der Anteil von A auch 30% höher gewichtet als bei der Gleichgewichtung. Unser Risikomanagementsystem würde also folgende Gewichtung vornehmen:

Anteil Aktien Rendite p.a.
33% Unternehmen A 5%
66% Unternehmen B 10%
     
    8.2500%

Nehmen wir eine dritte Aktie in das Portfolio auf, die eine Renditeerwartung von 15% p.a. bietet, sähe die Gewichtung wie folgt aus:

Anteil Aktien Rendite p.a.
16% Unternehmen A 5%
33% Unternehmen B 10%
50% Unternehmen C 15%
     
    11.60%

Bei einem gleichgewichteten Porfolio mit drei Aktien läge die Rendite bei 10% p.a. Da Unternehmen B genau diese 10% Rendite bietet, wird ihm der gleichgewichtete Anteil von 33% zugestanden. Unternehmen A wird zugunsten Unternehmen C untergewichet.

Dieses Art des Gewichtungsmanagements bietet einige Vorteile, hat jedoch auch implizite Schwächen. Der Vorteil des Risikomanagements liegt in einer Systematisierung der Gewichtungen. Auf Grund der Berechnung über p.a. Renditen können auch Bonds, Dividendenstarke Aktien ohne Kursphantasie oder andere Instrumente in die Gewichtung mit einbezogen werden. Die größte Schwäche des Systems liegt natürlich in seinem Input. Der Fair Value – und die Wahrscheinlichkeit mit dem der Fair Value eintritt sind der Dreh- und Angelpunkt des Inputs. Schätzt man die erwartete Rendite falsch werden auch die Gewichtungen (ex post) falsch sein. Uns ist klar, dass ALLE Renditeangaben die wir über einen Fair Value herleiten zwingend falsch sein müssen. Wenn man eine Renditeangabe von X% p.a. auf Sicht von X Jahren angibt, wird die Aktie in X Jahren mit fast 100%iger Sicherheit nicht genau diese Rendite erbracht haben. Von daher sind die Renditeangaben nur als ein sehr grober Indikator zu verstehen und dienen einer Systematisierung des Gewichtungsprozesses.

Beispielhaft möchten wir anhand konkreter Portfoliounternehmen einen Einblick in unsere erwarteten Renditen und die Depotgewichtungen geben:

Bsp. HT1 Funding: Die Anleihe bietet einen Kupon von 5,3% und könnte (wenn die Coba Ihre Dividende wieder aufnimmt) in 2017 zu 100% zurückkommen. Bei einem Kurs von 78% ergibt sich eine p.a. Rendite von rund 10%. Natürlich könnte die Rendite höher ausfallen, wenn der Bond weiter so läuft wie bisher – oder niedriger wenn nicht aufgefüllt wird.

Die Drägerwerk Genüsse haben (aus unserer Sicht) einen FV von irgendwas zwischen 130 und 150 Euro pro Schein zzgl. der 10 Fachen Vorzugsdividende. Geht man davon aus, dass der Schein den Wert von 150€ in drei Jahren erreicht und in der Zwischenzeit eine durchschnittliche Dividende von 11 Euro zahlt (3x Dividende + Verwässerung) kommt man auf eine p.a. Rendite von 10,5% p.a.

Für AS Creation Tapeten haben wir einen Fair Value von ~38 Euro angegeben. Die Dividende ist je nach Fall unterschiedlich, wird aber mit durchschnittlich 1,75€ (1,50 steigend über 2€) pro Jahr festgelegt. Gehen wir davon aus, dass der FV in 3 Jahren erreicht wird, liegt die p.a. Rendite bei 14,67% p.a.

Für die ETF’s, die unsere Benchmark abbilden haben wir die obere Spanne der aus dem KGV 10 zu erwartenden Rendite von rund 5% p.a. für die nächsten 10 Jahre angegeben.

Steigt eines der Wertpapiere im Kurs sinkt natürlich die erwartete Rendite. Steigt ein Papier auf oder über den Fair Value sinkt die Rendite und wird über FV+Dividende sogar negativ. Es wird folglich niedriger gewichtet. Fällt ein Unternehmen im Kurs wird die Rendite höher.
Aktuell sieht das KISS-Risikomangement folgende Werte für unser Depot vor:

Wir werden uns also noch Gedanken um die ETF-Gewichtung, um Vetropack und um die Gewichtung von einigen anderen Werten machen müssen.

Ist-Anteil Soll-Anteil
 
ETF 18.97% 1.07%
Vetropack 6.54% 2.96%
Buzzi 6.43% 7.11%
Noble 5.55% 4.41%
EVN 4.72% 4.61%
KSB 4.51% 2.36%
Bijou 4.22% 4.06%
Medtronic 4.10% 2.88%
HT1 Funding 3.44% 2.10%
Tonnellerie 3.29% 3.25%
WMF 3.25% 3.72%
Hornbach 3.18% 3.34%
Westag&Getalit 3.17% 5.60%
Sto VZ 3.14% 2.54%
Stoxx Utilities 3.12% 3.95%
TapetenAG 2.93% 4.25%
DEGI 2.92% 2.40%
OMV 2.87% 2.82%
Fortum 2.86% 4.31%
Tsakos 2.61% 5.89%
AXA 2.40% 2.47%
Frosta 2.26% 2.74%
Dräger Genuss 2.12% 2.13%
Magyar 2.10% 3.36%
ENI 2.07% 4.53%
Einhell 2.04% 1.82%
Benetton 1.85% 2.90%
AIRE 1.44% 4.60%
Apogee 1.25% 2.88%

Die durchschnittlich zu erwartende Vorsteuer Rendite aus dem Portfolio inkl. Dividenden liegt (je nach FV’s) bei rund 15 bis 17,5% p.a. Es sei an dieser Stelle nocheinmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Fair Value und die daraus abgeleitete Rendite mit Sicherheit so nicht eintreffen werden. Die Methodik kann lediglich einen Anhaltspunkt darauf geben, dass das Gesamtportfolio gegenüber dem breiten Markt aus unserer Sicht eine Mehrrendite bietet. (Sonst würden wir ja die breiter gestreuten ETF’s kaufen).

Was wir lesen – Rückspiegel KW7

Wie in anderen Blogs üblich wollen wir hier eine Linkliste erstellen und einige lesenswerte Beiträge oder Artikel die wir gelesen haben:

Die alten Buffett-Partnership Letters 1959-1969

Whitney Tilson Partnership Letter – Januar 2011

Kurzübersicht Netflix – Tilson covert seinen Netflix Short

Pabrai Investment Funds – Annual Meeting Mitschrift

Zwei gute Paper zu mechanischen Anlagestrategien

Mechanische Anlage nach Kurs/Free-Cashflow < 15 im DOW (Danke Raynar)

SIA-Letter Dezember 2010 zu Medtronic

Übersicht zu Citron-Research Shorts

Newsletter des Graham&Dodd Lehrstuhls (Interessante Aspekte zum HighFrequenzy Trading)

Ein paar interessante Links von James Montier

Ein paar interessante Links von Micheal Mauboussin

“Guanxi” – Erfolgsfaktor für Chinesische Firmen und ausländische Anleger ?

Wer sich ein bischen mit Chinesischen Aktien beschäftigt, kennt sicherlich die hitzigen Diskussionen die derzeit v.a. in USA geführt werden.

Hier sind hauptsächlich die sog. Reverse Merger Firmen im Fokus, also Chinesische Firmen die in US Mantelfirmen eingebracht wurden um so möglichst schnell an eine US Börse zu kommen.

Einige dieser Firmen sind mittlerweile in den Verdacht geraten, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Der bekannteste Fall in jüngster Vergangenheit war das Unternehmen RINO, zunächst ein Highflyer, mittlerweile aber des Betrugs überführt.

Auslöser war hier der Bericht des Internet Blogs Muddy Waters, die kurz zuvor einen negativen Research Bericht veröffentlich hatten. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Webseiten, die negative Berichte zu Chinesischen Reverse Merger Firmen veröffentlichen, wie z.B. Citron Research oder das etwas breiter aufgestellte Bronte Capital.

Hauptfocus der “Short Seite” ist derzeit China Media Express (CCME). Den aktuellen Stand der Diskussion gibt dieser Artikel auf Seeking Alpha ganz gut wieder auch wenn er einen gewissen Short Bias beinhaltet. Insbesondere die daran anschliessenden Kommentare lassen den mittlerweile religiösen Eifer erkennen, der hier unter Long und Short herrscht.

Das Bronte Blog hat heute einen neuen Blogeintrag zum Thema China draussen mit Focus auf dem sog “Guanxi” System in China im allgemeinen und China Forestry im Besonderen.

Das Guanxi wird in Wikipedia so erklärt:

Guanxi (chin. 關係 / 关系) bezeichnet das Netzwerk persönlicher Beziehungen, von dessen Wirken in China kaum eine Entscheidung unbeeinflusst bleibt. Verträge und Absprachen werden nur als eine Richtschnur gesehen, von der im Zweifelsfall abgewichen werden darf.

In Bayern nannte man dass weiland “Amigo Affäre”….

Das Geschäftsmodell von China Forestry wird von Bronte so erklärt:

China Forestry had a business model which consisted of fast-growth forestry to extract greenhouse gas credits – a business model that barely made sense to some analyst guys that looked at it. However it was a business model that made sense if the company had enough Guanxi – enough connections to extract a really bad (ie nonsensical) deal from the Chinese government. And the holders of China Forestry to some degree believed just that. They believed in the Chi”Guanxi”nese Guanxi. And implicitly they believed the deals were being bought to them by the Guanxi of their staff.

Die Aktie ist vom Handel mittlerweile ausgesetzt, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Das bring mich dann zum Schluß doch zurück zu unserer Short Position Asian Bambo. Auch bei dieser Aktie besteht das Geschäftsmodell zu einer großen Portion aus “Guanxi”, insbes. der Fähigkeit, die Eigentümer der Bambusplantagen mit sehr niedrigen Pachtzahlungen zu übervorteilen.

Um es nochmal klar zu sagen: Wir haben keinerlei Hinweise, dass bei Asian Bamboo irgendendeine Art von Betrug vorliegt. Dennoch gibt es unseres Erachtens einige Gründe, dass die in den Anlysen verwendeten Prognosen wirklich sehr optimistisch sein könnten. Ob “Guanxi” ein Wettbewerbsvorteil ist, der dauerhaft besteht und desse Erträge dann tatsächlich mit Ausländern geteilt werden muss sich erst zeigen.

Trendfolge und Stopkurse: Ensco

Gerade die Nachricht von Ensco hat wiedermal gezeigt was die Schwäche vieler wertorientierter Anleger ist: Das Finden des des richtigen Zeitpunkt für das Verkaufen.

Was soll man bei einem Titel machen, der aus fundamentaler Sicht nicht mehr “günstig” ist, jedoch in einem intakten Aufwärtstrend läuft. Insbesondere dann, wenn man so wie aktuell immer weniger Unternehmen findet die große Sicherheitsspannen bieten. Viele Value-Investoren begehen typischerweise den gleichen Fehler –> Zu früh kaufen – und zu früh verkaufen.

Gerade aber Aktien bei denen das Momentum stimmt laufen die Kurse oftmals deutlich über den fairen Wert hinaus. Bei einem frühen Verkauf vergibt man daher manchmal interessante Chancen.

Eine Möglichkeit systematisch und regelbasiert zu arbeiten bieten Trendfolgestopps. Es gibt zahlreiche Fondslösungen die regelbasiert mit dem Mittel der Trendfolge arbeiten. Neben den “Managed Futures-Hedgefonds” arbeiten mittlerweile auch Publikumfonds wie der C-Quadrat Total Return (WKN: A0F5G9) mit großem Erfolg mit diesem Ansatz. (Mit großem Erfolg bedingt durch die Tatsache, dass die Märkte seit 2000 für Trendfolger auf Grund der starken Trends optimal waren.

Für einen tiefergehenden “groben Einblick” empfehlen wir das gute Whitepaper: “Does Trend Following Work on Stocks?” der Assetmanager “Blackstar Funds”.

Die von uns vorgestellte und (teilweise) genutzte Form des Trendfolgestopps beruht auf einem klassischen Ansatz wie es die meisten Trendfolger nutzen. Ziel ist es ein Stop so lange “hochzuziehen” wie es geht und gute Trends mitzunehmen:

Unser vorgestelltes Trendfolgestop hat drei Bedingungen:

Das Trailing-Stop ist der höchste Kurs aus:
1) Hochkurs -20%
2) ATR Stop (Einstellung 2,5 und 13 Wochen)
3) 20-Wochen-Tief

Das Herzstück des Stopps ist, dass es an die Volatilität des Basiswertes angepasst ist (ATR) und nach oben mitgezogen wird. Schwankt ein Wert stark, bekommt er ein weiteres Stopp als eine Aktie mit nur geringen Schwankungsbreite.

Zur Berechnung des Trendfolgestopps wird die sogenannte ATR (Average True Range) bestimmt. Diese wird als technischer Indikator von einigen Diensten (Bigcharts & Co.) angegeben. Die eigene Berechnung ist über historische Kurse aber auch recht einfach:

Laut Definition ist die True Range = “wahre Handelsspanne” das Maximum aus folgenden drei Bedingungen:
1. Der heutigen Handelsspanne (Tagestief bis Tageshoch), oder
2. der Handelsspanne zwischen dem Schlusskurs von gestern und dem Hoch von heute, oder
3. der Handelsspanne zwischen dem Schlusskurs von gestern und dem Tief von heute.
Insbesondere mit Bedingung 2 und 3 werden Gaps in stark volatilen Märkten berücksichtigt.

Die Average True Range ist einfach der gleitende Durchschnitt einer bestimmten Periode.Da wir die längerfristigen Trends im Auge haben, nehmen wir ein Weekly ATR der letzten 13 Wochen. Wie man im Chart sehen kann ist bei Ensco der Weekly ATR aktuell bei 4,31 USD. Der durchschnittliche ATR der letzten 13 Wochen liegt bei aktuell rund 3,37.

Für das ATR Stop wird der weekly ATR(13) mit 2,5 Multipliziert und vom Hochkurs abgezogen.

Bei Ensco bedeutet dies zum heutigen Zeitpunkt:
1) 44,70 USD (Hoch=55,88)
2) 47,45 USD (55,88 – 2,5*3,37)
3) 43,08 USD

MAX=47,45

Würde man das ATR Stop in einen Chart eintragen würde es folgenden Verlauf haben:

Der Sinn hinter diesem Post ist es, eine feste Regel zu generieren, mit der der meist sehr schwere Verkaufszeitpunkt vorgegeben wird.
Finden sich in einem Markt aussichtsreichere Wertpapiere kann natürlich sofort gewechselt werden. Da wir aber bei Ensco nicht so richtig wissen wie es weiter geht und ob der Kauf von Pride sinnvoll war würden wir ein Trailing-Stop bei aktuell 47,45 USD setzen und den Markt entscheiden lassen.

Fundamentals – Aktienrückkäufe Teil 1

Gemeinhin gilt ja: Aktienrückkäufe sind eigentlich immer positiv zu sehen, quasi eine optimierte Form der Dividende.

Um das Rad nicht neu erfinden zu müssen linken wir mal auf drei hervorragende Blog Posts von Aswath Damodaran zum Thema:
Teil 1
Teil 2
Teil 3

Um etwas “added Value” zu generieren ein paar der aus unserer Sicht interessantesten Punkte die er aufwirft:

– Das Management von Firmen die in größerem Stil Aktienoptionen ausgegeben hat, profitiert von Buybacks, da Dividenden den Wert der Option schmälern würde (der Inhaber der Option partizipiert nur am Kurs, nicht an zwischenzeitlichen Dividenden)

– Bei einer” per share” Betrachtung kann durch Rückkäufe aus einem stagnierenden Unternehmen auf per share basis plötzlich ein wachsendes Unternehmen werden. Ist der Markt rational, ändert das nichts, ist der Markt nicht zu 100% rational könnten manche Investoren dem Wert ein höhere Multiple zubilligen

– ein buy back kann auch Unsicherheit des Unternehmen über die Zukunft ausdrücken. Eine Dividende erhöht man, wenn man sicher ist dass die Gewinne dauerhaft sind. Aktienrückkäufe macht man, wenn man sich nicht sicher ist

Sein Fazit lautet, dass Aktienrückkäufe nicht generell positiv zu sehen sind.

Vorsicht ist angesagt, bei Firmen die eigentlich “High growth” sein möchten und plötzlich Aktien zurückkaufen, weil sie anscheinend nicht mehr gewinnbringend investieren können

Positiv sind Aktienrückkäufe dagegen zu sehen bei Firmen wo die Wachstumsphase schon vorbei ist und sich Cash ansammelt. hier besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass der Markt den Cashbestand unterbewertet und ein Aktienrückkauf werterhöhend wirken kann.

Daraus kann man sich auch gleich eine kleine Checkliste für den Hausgebrauch basteln:

– Ist das Unternehmen ein Growth Unternehmen (starkes historisches Wachstum, hohes PE) ?
– Hat das Management überdurchschnittlich viele Optionen ausstehend ?
– Hat das Unternehmen durch viele Aktienrückkäufe hohe Steigerungen bei den Earnings per share aber nicht für das Gesamtunternehmen ?
– Steigt die Fremdverschuldung überdurchschnittlich an ?

Können alle Fragen mit “nein” beantwortet werden, dann könnte ein Aktienrückkauf tatsächlich wert- und kursfördernd sein.

Pensionsrückstellungen die 1te.

In einem Kommentar hat shobogenzo99 auf den veränderten Diskontfaktor bei Pensionsrückstellungen hingewiesen.

Das möchten wir zum Anlass nehmen einen kurzen Beitrag zu diesem Thema zu schreiben:

Zu den Pensionsrückstellungen von Unternehmen hat Buffett in seinem Shareholder-Letter in 2007 ein paar wirklich außergewöhnlich gute Gedanken niedergelegt. Wir empfehlen jedem die Lektüre. (S.18 unten ff.) Wenn die gesamte Tragweite der “breiten Masse” bekannt wird, gibt es mit Sicherheit ein Deja Vu ala (Financial Weapons of Mass Destruction)

Das Problem liegt oft genau in der Diskontierung der Rückstellungen. Buffett gibt an, dass der Diskontfaktor der 363 Unternehmen die im S&P500 Pensionspläne haben 2006 bei 8% lag. Da ein großer Teil der Assets in Cash und Bonds mit max. 5% p.a. lag muss die Rendite der Aktienanlagen natürlich höher sein um die insgesamt 8% zu erreichen. Als Renditeerwartung der Aktienanlagen gibt Buffett 9,2% p.a. nach Kosten an.

The average holdings of bonds and cash for all pension funds is about 28%, and on these assets returns can be expected to be no more than 5%. Higher yields, of course, are obtainable but they carry with them a risk of commensurate (or greater) loss. This means that the remaining 72% of assets – which are mostly in equities, either held directly or through vehicles such as hedge funds or private-equity investments – must earn 9.2% in order for the fund overall to achieve the postulated 8%. And that return must be delivered after all fees, which are now far higher than they have ever been.

Es kann – und das ist die Schlussfolgerung von Buffett – also zukünftig wahrscheinlich sogar eher schlechter als besser werden. Denn mit jedem Jahr in dem die Rendite von 8% nicht passt wirkt der Zinseszins ja doppelt hart.

Beispiel:
Gehen wir davon aus, dass Firma X AG in 2021 fixe 100 Euro zahlen muss. Die Rendite des Pensionsfonds der X AG wird bei (75%Aktien/25%Bonds a 4%) mit 8% abgezinst. 2011 hat der Fonds eine Pensionsrückstellung von 46,31€ (100/1,08^10).
Gehen wir davon aus, dass der Fonds dieses Geld tatsächlich anlegt. (34,73 € in Aktien und 11,57 € in Anleihen)

Entwickelt sich der Aktienmarkt in den ersten 3 Jahren überhaupt nicht, hat der Pensionsfonds 2014 – ein Anlageergebnis in Summe von 48,13€ .(13,40€ in Bonds und 34,73€ in Aktien.) Dem gegenüber steht aber eine Pensionsforderung von 58,34€ (100/1,08^7).

Die Firma müsste also schon nach 3 Jahren Mehraufwendungen von 20% gegenüber der tatsächlich erreichten Sparsumme in Kauf nehmen. Diese werden dann – so wie bei Siemens negativ gegen das Eigenkapital gebucht. Da es sich bei den Pensionsforderungen eben nicht um “Kleckerbeträge” handelt kommen da schon heftige Nachzahlungen auf die Firmen zu.

Jetzt kann man sich vorstellen warum Buffett in seinem Shareholder Letter einen so großen Wind um die Pensionsforderungen macht. Je länger das Problem durch die Firman nicht angeangen wird, desto schärfer wird die Problematik in der Zukunft.

Bei Siemens liegt der Fall folgendermaßen: Zum 30. September 2009 lag der Anwartschaftsbarwert der wesentlichen Pensionsverpflichtungen des Unternehmens unter Berücksichtigung künftiger Gehaltssteigerungen und Rentenanhebungen bei 25,1 (i.V. 22,7) Mrd. EUR. Diesen Pensionsverpflichtungen steht der aktuelle Marktwert des Fondsvermögens von 21,1 (i.V. 20,2) Mrd. EUR gegenüber. Die Abteilung des Geschäftsberichts von Siemens der sich um das Thema “Pensionen” dreht ist mehrere Seiten lang. Der Zins mit dem die Pensionsforderung bei Siemens abgezinst werden wird mit 6,5% angegeben. Der größte Teil der Pensionsforderungen sei in Anleihen angelegt. Wann wir bei sicheren AAA-Anleihen wieder einen Zinssatz von 6,5% erreichen sei erstmal dahingestellt. Aber große “stille Reserven” hinsichtlich der Pensionsrückstellungen sehen wir bei Siemens – auch durch die schon vorhandene Unterdeckung des Fondsvermögens aktuell nicht.

Um von den von shobogenzo99 gennanten steigenden Zinsen zu profitieren, müsste der “durchschnittliche” Zins für die nächsten Jahr also deutlich über 6,5% steigen um dann im Mittel über 6,5% zu landen und einen positiven Einfluss auf das EK zu haben. Einen positiven Einfluss auf das EK gibt es erst dann, wenn die durchschnittliche Rendite über 6,5% liegt – und das ist je länger das Zinsniveau niedrig bleibt immer weiter entfernt…

Auf den Spuren Warren Buffets: Comprehensive Income am Beispiel Siemens

Ein Thema das uns schon lange am Herzen liegt ist das sog. “Comprehensive Income”, eine Zahl die (leider zu unrecht) kaum in Unternehmensanalysen beachtet wird.

Liest man einen der Berichte von Warren Buffet, fällt einem als erstes auf, dass der gute Warren als Maßstab seines Erfolges nicht die Performance seiner Aktie, EBITDA, Cashflow, Operatives Ergebnis o.ä. sondern die langfristige Entwicklung des Eigenkapitals von Berkshire heranzieht. Die Argumentation Buffetts beruht darauf, dass sich eine Aktie ohne Dividenden und Splits langfristig etwa in dem Maße entwickeln sollte – wie das Eigenkapital steigt. Bei Berkshire (die noch nie Dividende gezahlt hat – oder gesplittet wurde – passt diese Betrachtung sehr gut. Natürlich interpretiert er die ein oder andere Buchung etwas anders als das US GAAP vorschreibt, aber die Entwicklung des Eigenkapitals und damit der ausgewiesen Wert für den Aktionär ist für ihn der Maßstab aller Dinge.

Jetzt wird es etwas technisch:

Unter modernen Bilanzierungsmethoden gilt der alte Grundsatz der Bilanzstetigkeit leider nicht mehr. Unter HGB galt vereinfacht folgendes:

Eigenkapital (Beginn Periode t) + Gewinn (Periode t) abzgl. Dividende (Periode t) = Eigenkapital (Ende Periode t).

Der “Ertrag” für den Aktionär ist dann klar: Gewinn der Periode t, zum Teil ausgezahlt als Dividende und zum Teil eingebucht in die Gewinnrücklage und damit Eigenkapital erhöhend.

Soweit so gut. Unter IFRS aber gilt dieser alte Grundsatz nicht mehr. Vielmehr können diverse Wertveränderungen ohne Umweg über die Gewinn- und Verlustrechnung direkt mit dem Eigenkapital verrechnet werden. Dazu gehören u.a.

– Wertveränderungen von bestimmten Wertpapieren und Derivate (“Available for sale”)
– Wertveränderungen von Pensionsrückstellungen
– Wertveränderungen im Kapital von Tochterunternehmen in Fremdwährung

Ein gutes Besipiel dazu ist Siemens: laut eigener Verlautbarung hat man das Jahr 2010 mit einem Rekordergebnis abgeschlossen. Gräbt man mal ein bischen im Geschäftsbericht findet man viele schöne Zahlen auf der Übersichtsseite:

“Adjusted EBITDA” 10 Mrd. EUR
“Income Continuing Operations” 4,1 Mrd oder 4,54 EUR pro Aktie

Wühlt man sich dann bis zu den konsolidierten Zahlen durch, sieht es dann schon etwas ernüchternder aus:

Erstmal reduziert sich das Net Income auf 4,45 EUR die Aktie, wenn man diverse Faktoren miteinbezieht. Interessant wird es dann aber auf Seite 149, wo das Comprehensive Income dargestellt wird:

Ganze 1,3 Mrd. kommen durch Währungsveränderungen dazu, dafür verschwinden aber gleich wieder 2,1 Mrd durch Erhöhung der Pensionsrückstellungen .

Macht als Resultat ein Comprehensive Income von nur noch 3 Mrd. statt 4 Mrd, also rund 1 Mrd. EUR weniger als noch vorne ausgewiesen.

Wer jetzt denkt, das wäre eine Ausnahme bekommt auf der gleichen Seite gleich noch 2009 mitgeliefert. 2009 wurden aus 2,5 Mrd. offiziellem Gewinn nur noch 1,1 Mrd. Für den Aktionär, also weniger als 50% weniger “echtes Einskommen”. Der Rest geht zum Großteil an die Pensionäre.

Das gleiche Bild in 2008: aus 5,8 Mrd. Gewinn werden 3,3 Mrd. Comprehensive Income, 2,6 Mrd. gehen “flöten”, wiederum zum großen Teil in die Pensionsrückstellungen. Nur in 2007 gibt es ein positives Comprehensive Income von 800 Mio.

Halten wir also fest: In den letzten 3 Jahren hat Siemens ca. 12,3 Mrd. Gewinn ausgewiesen, dann aber unterhalb vom Strich 4,7 Mrd. oder knapp 40% zu Lasten der Aktionäre “ausgebucht”, hauptsächlich zu Gunsten der Pensionäre. Der echte freie Cashflow der den Aktionären zustand und für Dividenden, Aktienrückkäufe oder Wachstum genutzt werden konnte war also erheblich niedriger!

Zur Klarstellung: Das Ganze ist natürlich legal und steht im Zusammenhang mit der IFRS Bilanzierung, aber vielleicht ein Grund dafür, dass Warren Buffet keine Siemens Aktien hält 😉

Spricht man mit Analysten oder liest deren Analysen, dann hört man meist nur “Die zukünftige Entwicklung ist entscheidend, was interessieren uns diese Dinge aus der Vergangenheit”. Für einen wertorientierten Investor ist das natürlich nur die halbe Wahrheit.

Fortsetzung folgt….

Update: KGV10 nach Shiller

John Hussman ist ein glühender Verfechter des KGV10 nach Shiller. Der US-Fondsmanager (mit guten Ergebnissen seit Fondsauflegung) greift in seinen Shareholder Letter oft auf das KGV10 bzw. das sogenannte CAPE (KGV mit realen und “normalisierten” Gewinnen) zurück.

In einem Letter aus dem Januar “Borrowing Returns from the Future” zeigt Hussman sehr anschaulich den Zusammenhang zwischen der Rendite der folgenden 10 und 15 Folgejahre mit dem aktuellen KGV10-Niveau.

Ähnlich wie in unserem “vereinfachten Marktüberblick” zum KGV10 mit der groben Angabe von (0-7% p.a. nach Inflation) sieht Hussman die nächsten 10-15 bei einer Rendite von rund 5% p.a. In historischer Hinsicht (wenn man die letzten 110 Jahre als Maßstab nimmt), ist der US-Markt also immer noch “historisch” teuer. Zwar nicht mehr völlig überbewertet wie im Jahr 2000, jedoch immer noch höher bewertet als in fast allen anderen Jahren die zur Messung zur Verfügung standen.

Die blaue Linie zeigt die ex ante “zu erwartende” p.a. Rendite nach KGV10, die rote Linie zeigt die tatsächlich ex post eingetretene Rendite p.a.:

Portfolio zum 28.01.2011

Hallo allerseits – die Transaktionen der Woche folgen am Montag.
Daher ist das hier eingestellte Depot nur ein Annäherungswert, da die Transaktionen der letzten Woche noch nicht enthalten sind. Allerdings dürfte sich nicht allzuviel ändern.

Wie man sieht ist das Depot im Moment ein Griff ins Klo…
Insbesondere die Shorts waren bisher nichts…

Einzelne Werte wie Bijou, Vetropack, Apogee oder Tsakos liegen schon deutlich hinter der Benchmark.
Obwohl da sicherlich auch der sehr kräftige Verfall des Dollars Schuld ist.

MMI&M Portfolio: +1,17%
Benchmark: +3,17%

DAX: +2,72%
MDAX: +1,33%
EuroSTOXX: +5,45%

Vielleicht sollte Bankster noch ein wenig zögern wenn er unseren Fonds kauft 😉

Ändert das etwas an unserer Gesamtzusammenstellung? Nein wahrlich nicht.
Wie im Beitrag über das KGV10 vorgestellt, rechnen wir für Aktien mit einer realen rendite von irgendwas zwischen 0% und 5% p.a. für die breiten Indizes. Betrachtet man unser aktuelles Portfolio unter – vereinfachten – fundamentalen Gesichtspunkten (hier), sieht man, dass der Median der Core-Value-Aktien aktuell wie folgt ist:

KGV: 11
KBV: 1,02
Dividende: 3,56%
Beta: 0,73

Dabei ist zu bedenken, dass die Unternehmen nicht ausschließlich nach Kennzahlen oder “Günstigkeit” ausgesucht sind, sondern die Firmen an sich eine außerordentlich wichtige Rolle spielen. Bedenkt man, dass dieses Depot eine Blumenstrauß an Marktführern (AS Creation, Medtronic,KSB, Sto, Bijou), Nischenplayern (Vetropack,Ensco,Apogee,Tonnellerie) oder soliden Unternehmen (Stoxx600 Utilities, Fortum, Frosta, Einhell) ist, dann würden wir das Depot zu jedem Zeitpunkt wieder kaufen. Darüber hinaus ist die Renditeerwartung die wir für dieses Portfolio haben – ob der oben genannten Bewertungen – wenn man die Titel 15 Jahre lang halten würde etwas höher als die 0-5% realer Rendite aus dem breiten Index.

Wir freuen uns sehr über den Kommentar von Bankster und freuen uns, wenn auch andere Mitleser ein paar Gedanken aufschreiben!

Fundamentale Standortbestimmung via KGV10

Es gibt wenige Ansätze die wir als sinnvoll erachten um die Bewertung des Gesamtmarktes festzustellen. Ob Aktien in der Summe “günstig” oder “teuer” sind ist eine Frage der sich schon tausende Analysten gestellt haben. Die meisten sind daran gescheitert. Eine kurzfristige Antwort im Sinne einer Aktienkursprognose für die nächsten wenigen Tage, Wochen oder wenigen Jahre gibt es unseres Wissens nach nicht.

Dem Argument, dass der Gesamtmarkt mit einem KGV von X oder Y günstig oder teuer ist und deshalb im nächsten Jahr steigen oder fallen müsste steht keine wissenschaftliche Fundierung gegenüber. Das 1-Jahres KGV des Gesamtmarktes hat wie man an der folgenden Grafik sehen kann nur eine sehr begrenzte Aussagekraft über die Kursentwicklung im nächsten Jahr:

Eine andere Sichtweise – die allerdings am breiten Markt weniger bekannt ist (weil für kurzfristige Schlagzeilen zu langfristig) ist die Aussagekraft des sogenannten KGV10 nach Shiller. Das KGV10 bestimmt sich als inflationsbereinigter Durchschnittsgewinn von zehn Jahren zum aktuellen Kurs des Gesamtmarkts. Setzt man das KGV10 ins Verhältnis zu den Renditen die in den darauffolgenden 15 Jahren real (vor Inflation) erzielt werden, erhält man einen sehr signifikanten Zusammenhang über Bewertung und erzielte Renditen.

Insbesondere ein KGV10-Stand von über 25 war in der Vergangenheit immer von schwierigen Börsenzeiten in den nächsten Jahren gekennzeichnet. So war dies ab 1900, 1929, 1965 und ab 2000 der Fall.

Zur Beantwortung der Frage wo wir uns gerade befinden kann man auf die Daten von Starcapital verweisen, aus deren Analysen und Grafiken wir im obigen Bereich verweisen. (Schaut Euch auch die Fonds an, die im Gegensatz zu den meisten Produkten am Markt einen wirklichen Mehrwert bieten!) Im aktuellen Börsenspiegel von Oktober 2010 wird das KGV10 (PE10) von Deutschland mit 22,3 angegeben. In den USA sieht es 25,8 noch etwas teurer aus.

Verwendet man die Kurve von oben als Indikator für Renditen der nächsten 15 Jahre, dann kommt man für Deutschland auf eine reale Rendite zwischen -2% und und ca. 4-5%. (Siegels Konstante, also eine reale Erwartung von 6,9% p.a. ist in den nächsten 15 Jahren also sehr unwahrscheinlich) Zuzüglich einer Inflation von ~2% also auf eine erwartete Rendite zwischen 0% und 7%. Für die konkrete Anlage hilft dieser Umstand noch nicht viel weiter. Gemäß Modell könnte der DAX also in 2026 einen Wert zwischen 7000 und 19.000 Punkten (1,07^15) erreichen. Anders sieht es im den USA aus, wo der Markt doch noch etwas teurer als in Deutschland ist und die Rendite wahrscheinlich noch etwas geringer sein wird. Dies geht mit der Einschätzung vieler Value-Investoren überein, die den Gesamtmarkt wieder als “nicht mehr günstig” einschätzen.

Eine aktuelle Übersicht über das KGV10 (in der Grafik CAPE) und das sogenannte TobinsQ (ähnlich Buchwert) findet sich bei Smithers&Wright – die mit Valueing Wallstreet einen Klassiker in der “verly-long-valuation” geschrieben haben. In der Grafik sieht man das KGV10 und den durchschnittlichen Buchwert des S&P500 zu Ihren eigenen Durchschnitten. Aktuell notieren wir nach den Angaben von S&W also rund 70% über dem historischen Durchschnitt des KGV10 und des historischen Q-Verhältnisses. Und damit praktisch wie vor der Krise. “Historisch günstig” ist der Markt – zumindest in den USA – also keineswegs.

« Older Entries Recent Entries »