Author Archives: memyselfandi007

Green Mountain Coffee – Aua….

Green Mountain meldete gestern Quartalszahlen gemeldet, die anscheinend die Analystenerwartungen übertroffen hat.

Nachbörslich hat der Kurs anscheinend fast 20% zugelegt. Anscheinend stört auch niemanden, dass zum einen eine reltiv dicke Kapitalerhöhung angekündigt wurde, oder dass man immer noch gewisse Probleme mit dem Accounting an sich hat.

Zitat:

In a separate 10-Q securities filing Tuesday, Green Mountain said it has taken steps to beef up its accounting oversight and training but still has more work to do to ensure its disclosure controls are effective.

Lt. WSJ werden im Rhamen der Kapitalerhöhung wie schon in der Vergangenheit Insider auch Aktien in beträchtlichem Umfang verkaufen.

Kein Wunder, dass anscheinend auch David Einhorn die Lust am Shorten verloren hat.

“All news is good news” was also true for individual stocks, including a number of our shorts. We expect to take some lumps when our shorts release strong earnings and their stock prices rise accordingly. Yet, this quarter we were repeatedly confuzzled when we read company news announcements that we expected to cause falling stock prices, only to see them rise instead – and sometimes sharply at that. Nonetheless, we believe that this environment is cyclical, and that it will continue this way… until it doesn’t.”

Europäische Net nets – Fortsetzung EL.EN SpA

Wir hatten ja im letzten Posting eine Liste von Net Nets vorgestellt.

Heute wollen wir uns mal näher dem auf den ersten Blick günstigsten Wert beschäftigen, der EL.EN SPA.

Gemäß eigener Aussage auf der Webseite ist man der “Italian leader in the design and production of high-tech laser sources and systems for medical, industrial, aesthetic, scientific and cultural heritage conservation applications.

Der 2010er GB ist noch nicht online, von daher werden wir uns erstmal den Q3 Report zu Gemüte führen. Freundlicherweise publiziert die Gesellschaft auch auf Englisch.

Zuvor aber noch ein paar allgemeine Infos:

Market Cap ca. 68 Mio EUR (4,824 Mio Aktien zu 14,30 EUR)
Umsatz so ca. 190 Mio im Jahr 2010
Buchwert 2009 ca. 33,80 EUR pro Aktie, bereinigt um Minderheiten aber nur 19 EUR

Die historische Gewinnreihe ist recht volatil, aber immerhin bis auf ein Jahr (2009) seit IPO in 2000 immer positiv:

Date TRAIL_12M_EPS
   
29.12.00 0.65
31.12.01 0.50
31.12.02 0.46
31.12.03 0.12
31.12.04 1.01
30.12.05 5.30
29.12.06 0.26
31.12.07 3.69
31.12.08 1.76
31.12.09 -1.11

Der Q3 Bericht ist etwas gewöhnungbedürftig aufbereitet, eine “richtige” Bilanz gibt es z.B. nicht. Dafür gibt es zweimal die Berechnung der “Net Financial Position”:

Einmal auf Seite 8 mit einem sehr schönen Ergebnis der Nettoliquidität von ca. 70 Mio EUR oder 14,52 EUR pro Aktie und damit über dem Börsenkurs. Dann gibt es nochmal eine Aufstellung auf Seite 10 wo dann nur noch gut 4 Mio. oder 83 Cent pro Aktie Nettoliquidität übrigbleiben.

Der Unterschied wird damit erklärt, dass einmal die Tochter “Cynosure” mitkonsolidiert wurde und einmal nicht. Interessant wird es aber, wenn man mal in die Anteilsliste auf Seite 23 schaut, da steht dass EL.EN an Cynosure nur 23% hält.

D.h. also ca. 13,70 EUR der konsolidierten Nettoliquidität werden von einer 23% Tochter gehalten. Cynosure selber ist interessanterweise selber an der Nasdaq gelistet (CYNO US) und ist derzeit ca. 185 mn USD schwer, d.h. der 23% Anteil von EL.EN hat einen Marktwert von 40 Mio EUR oder 8.33 EUR pro El.EN Aktie.

Des Rätsels Lösung (warum konsolidiert EL.EN Cynosure) findet man z.B. hier:

EL.EN hat zwar nur 23% des Kapitals, kontrolliert aber “de facto” das Board von Cynosure.

Ökonomisch würden wir aber dennoch in solchen Fällen nicht “durchrechnen” sondern den Wert ex Cynosure + Wert der Beteiligung ansetzen. Dann kommt man aber auf einen Wert der deutlich niedriger als der Börsenkurs liegt (0,82 Cash + 8,33 EUR Wert Cynosure). Eventuell könnte eine “Sum of Parts” Betrachtung noch interessant sein, aber das ist hier nicht gegenstand unser Betrachtung

Fazit: EL.EN ist kein ehter Net-Net, sondern verdankt nur einem Accounting Gimmick die hohen Net-Working Capital Bestände. Bereinigt um diese “Pseudo Konsoldierung” ist die Gesellschaft weit davon entfernt ein Net-Net zu sein.

Book review: The little book of Behavioural Investing – James Montier

James Montier, Asset Allocation Stratege bei GMO ist als Autor ja kein Unbekannter. So hat er ja z.B. vor ein paar Wochen die sehr lesenswerten “7 Gesetze des Investierens” veröffentlicht und hat auch sporadisch ein Blog zum Thema “Bahvioural Investing” gepflegt. Daneben hat er auch schon 2 ausführlichere Bücher über Behavioural Finance geschrieben.

Im vorliegenden “Little book”

befasst er sich mit den “gefährlichsten” Verhaltensmustern die den Anlageerfolg gefährden können und versucht dies insbesondere mit Ergebnissen aus Labortests und Zitaten erfolgreicher Investment Gurus zu belegen.

U.a. nennt er folgende gefährliche Verhaltensweisen für Investoren:

– Über-Optimismus bzw. zu hohes Selbstvertrauen
– sich auf Zukunftsvorhersagen verlassen
– Information Overload bzw. fehlender Fokus auf das Wesentliche
– zuviel Fokus auf Mr. Markets tägliches auf und ab
– an Aktien Stories glauben
– “Überaktivität”, nichts tun ist manchmal besser

Seine Empfehlung lautet, dass man die meisten dieser Probleme mit einem klar definierten Prozess der Entscheidungsfindung lösen kann, dafür helfen Checklisten und ähnliche Hilfsmittel.

Fazit: Alles in allem ein sehr praxisorientiertes und kurzweiliges Buch, sowohl für den Privatinvestor wie auch den Profi.

Was wir lesen – Rückspiegel Kalenderwoche 17

Warum ein Buch über Fliegen auf Amazon plötzlich 23 Mio plus Porto kostet.

Warum die 3te Generation eines Investmentmanagers in Chinese Reverse Mergers investiert.

Gar nicht so schlecht, der “Value Kollege”.

Warum ein Fondsmanager Privatanlegern Stock Picking ala Peter Lynch empfiehlt.

Jeremy Grantham glaubt an den Commodities Super Cycle

Interview mit Prem Watsa

Interessanter Rückblick auf die Credit Anstalt Pleite 1931

Der Economist zu China.

AIRE KGaA – Geschäftsbericht 2010 und gute Nachrichten aus Bratislava

Seit heute ist er draussen, der 2010er Geschäftsbericht der AIRE.

Das Highlight vorab ab: Man hat sich entschlossen, die Immobilie in Bratislava zu verkaufen und man bekommt anscheinend (annähernd) den Buchwert von 78.5 Mio EUR.Zu Erinnerung: das Objekt hat ja “brutto” mehr als die Hälfte des Portfolios ausgemacht.

Weitere Highlights:
– Um einen Liquiditätsengpass zu vermeiden, hat man an Darlehen von AIG Assets aufgenommen i.H. von 2 Mio. EUR.
– die frei werdende Liquidität aus dem Bratislava Verkauf (netto 15 Mio.) muss wohl noch in einen Asian Immobilienfonds investiert werden
-Gemäß Lagebericht auf Seite 16 gibt es keine größeren Investizionsverpflichtungen mehr über den Asienfonds hinaus, d.h. zukünftige Verkäufe können an die Aktionäre weitergeleitet werden.
– Der Buchwert per 31.12.2010 pro Aktie hat sich auf 19,1o EUR erhöht, der Teil wohl durch die Währungswentwicklung bedingt
– Das (bedeutungslose) Ergebnis für 2010 beträgt immerhin 4 Cent pro Aktie nach mehreren verlustjahren

Dennoch muss man den Verkauf als absolut positiv bewerten denn

1. es zeigt, dass die aktuellen Wertansätze in der Bilanz absolut realistisch sind
2. Die Gesellschaft ist hinterher schuldenfrei
3. Die Bilanz wird dann deutlich aufzeigen, dass man (bereinigt um Währungen) ein konservativ bewertetes Immobilienportfolio zu 50% des Wertes kaufen kann

In unserem Eingangsposting zu AIRE hatten wir unsere Cases wie folgt dargelegt:

„Bestcase“
USA kein Abschlag, Asien 10% Gewinn und Bratislava 10% Gewinn; Es errechnet sich ein NAV von 18,96 EUR, der innerhalb der nächsten Jahre ausgezahlt wird. !Katalysator! der Kursentwicklung ist die Abwicklung der Gesellschaft – das NAV kann also nicht ewig unterbewertet bleiben.

„Midcase“;
USA und Asien 25% Abschlag, Bratislava zum aktuellen Wert; Es errechnet sich ein NAV von 13,58 EUR.

„Badcase“:
Auf USA und Asien nochmal 50% Abschlag, Bratislava 10% Abschlag wg. Refi Problemen. Es errechnet sich ein NAV von 7,66 EUR.

D.h. bezüglich Bratislava bewegen wir uns hier also im “Midcase”.

Unsere aktuelisierten Cases auf Basis des Buchwertes von 19 EUR sehen die angepassten Szenarien so aus

Good Case: USA kein Abschlag, Asien 10% Gewinn –> NAV von 19,50 EUR

Mid Case: USA & Asien 25% Abschlag: –> 14.75 EUR (inkl. Währungsschwankungen)

Bad Case: USA & Asian nochmal 50 Abschlag% –> 9,50 EUR

Bei einem aktuellen Kurs von 9,60 EUR ist also die Downside deutlich geringer geworden, die upside aber fast gleich aufgrund des gestiegenen Buchwerts. Je nachdem wie man jetzt die Szenarien gewichtet, hat man doch eine ganz ordentliche Margin of Safety, trotz des aktuell sehr schwachen Dollars.

Im Zusammenhang mit den bereits beschrieben restlichen Investitionsverpflichtungen, die von dem Bratislava Erlös zum größten Teil gedeckt werden, kann man auch relativ bald Dividenden erwarten. Im Lagebericht steht auf Seite 17 explizit dazu, dass die Anleger dann bald mit Ausschüttungen rechnen können, vielleicht schon 2012.

Interessant auch die Aussage, dass evtl. auf 0 abgeschrieben Objekte doch eine positievn Wert bekommen könnten.

Fazit: Das Risiko der AIRE Position hat sich deutlich verringert, einer nach wie vor ordentlichen Upside (bis zu 100%) steht nun eine deutlich geringere Downside gegenüber. Das solte sich mittelfristig in einem deutlich geringeren Abschlag zum NAV wiederspiegeln. Sollten noch weitere Verkäufe gelingen und evtl. für das GJ 2012 eine Dividende angekündigt werden, könnte der Kurs dann auch sehr schnell Richtung NAV gehen.

Aktuelle News zu unseren Portfoliowerten

Nachdem ja gerade Dividenden / Berichtssaison ist, ein paar kurze Updates zu einigen unserer Portfoliowerte:

Der DEGI International hat am 27.04. eine zu 86% steuerfreie Ausschüttung von 0,75 EUR pro Anteilsschein ausgeschüttet.

Total Produce hat ebenfalls am 27.04. 1.24 Cent pro Aktie Dividende geschüttet,

Netflix hat recht gemischte Quartalszahlen veröffentlicht. Zwar hohe Zuwächse bei den Abonenten, bereinigt aber negativer operativer Cashflow. Die Spane der Meinungen ist bei Netflix sehr hoch, während manche das nächste Kursziel bei 280 USD sehen, gibt es auch welche, die den Wert auf legdiglich 80 USD schätzen.

Kabel Deutschland wird anscheinend als DAX Kandidat gehandelt. Das erklärt vmtl. einen Teil des Anstiegs.

Bijou Brigitte hat relativ schwache Q1 Zahlen und einen verhalten Ausblick gemeldet, dem Kurs konnte das aber nichts mehr groß anhaben.

Ben’s Zigarrenstummel – Neue Net-Nets mit mehr “Liebe”

Nachdem ja der erste Artikel zu den Net Nets ála Graham durchaus zurecht als etwas “lieblos” bezeichnet wurde, starten wir einfach einen neuen Versuch.

Diesesmal fragen wir folgende Kriterien ab:
1. Market Cap >= 10 Mio EUR
2. Working Capital (ohne Adjustierungen) MINUS Gesamte Verbindlichkeiten > Market Cap
3. Keine Immobilien-, Finanz oder ähnliche undurchsichtige Gesellschaften
4. Es wurde in 2010 ein Gewinn erzielt
5. Es wird zumindest etwas Material an einer Börse gehandelt

Das schränkt die Auswahl an Westeuropäischen Werten schon deutlich ein, übrig bleiben folgende Werte (Zahlen in Mio. EUR):

Name Net WC Market Cap Delta Delta in%
EL.EN. SPA 133.3 69.7 63.6 91.2%
VIANINI INDUSTRI 63.4 42.4 20.9 49.3%
INTRACOM S.A TEC 28.5 19.4 9.1 46.6%
HARVARD INTERNAT 18.1 13.3 4.8 36.5%
KLEEMANN HELLAS 42.7 31.5 11.2 35.7%
NORTHAMBER PLC 23.1 17.7 5.4 30.5%
BORGOSESIA 95.9 85.8 10.1 11.7%
CDC POINT SPA 21.8 20.1 1.7 8.6%

Im Schnelldurchlauf noch ein erster Blick auf die Unternehmen:

1. EL.EN aus Italien stellen v.a. medizinische Laser her. Auf den ersten Blick durchaus interessant
2. Vianini ist Teil des Italienischen Caltagirone Geflechts, zu dem u.a. auch Cementir gehört.
3. Intracom ist ein griechischer Telekomausrüster. Wird sporadisch auch in Deutschland gehandelt
4. Harvard Int. aus UK vertreibt anscheinend diverse elektronische Geräte
5. Kleemann ist ein Griechischer Hersteller von Gabelstaplern etc., allerdings kein Deutsche Listing
6. Northamber aus UK scheint eine Art Elektronikhändler zu sein
7. Borgosesia stellt Textilmaschinen her
8. CDC scheint so eine Art Hyrican zu sein, also stellt PCs und Notebooks her.

Immerhin alles Unternehmen, die einen zweiten Blick verdient haben. Zum Abschluss dieses Teils noch ein kurzer Blick auf die Performance 2011:

Perf. 2011 YTD
EL.EN. SPA 14.0%
VIANINI INDUSTRI 10.1%
INTRACOM S.A TEC 27.3%
HARVARD INTERNAT -10.8%
KLEEMANN HELLAS 14.7%
NORTHAMBER PLC 9.5%
BORGOSESIA -3.5%
CDC POINT SPA -0.8%
avg 7.5%

Im Durchschnitt haben unsere “Net-Nets” also 7,5% in 2011 gemacht, ein durchaus ordentlicher Wert, immerhin z.B. fas 3,5% besser als der Stoxx Small Cap Index oder fast 6% mehr als der MSCI Europe Small Cap Index.

Book Review: Value Investing – From Graham to Buffet and beyond

Schon mal vorab: Das einzig Negative an dem Buch ist die Tatsache, dass ich es nicht schon früher gelesen habe.

Titel

Herausgegeben von Bruce Greenwald, Professor an der Columbia University und eine DER Autoritäten auf dem Gebiet Value Investing.

Das Buch ist ein zwei große Bereiche eingeteilt.

Es geht los mit knapp 150 Seiten Bewertungsmethoden. Der Aufbau ist klar und logisch, aber auch relativ kompakt, d.h. man darf es nicht nur überfliegen.

Es werden 3 grundlegende “Value” Bewertungsmethoden vorgestellt:

1. Die reine Assetbewertung, insbesondere der Ansatz des sog. Replacement Values. Das sind grob gesagt die Kosten die ein anderes Unternehmen aufwenden müsste, um den gleichen Output zu erbringen wie das analysierte. Interessant daran war für mich v.a. dass man hier z.B. auch vergangene Werbungsausgaben oder F&E Kosten mit einbeziehen sollte. Auch ein guter ansatzpunkt um die Werthaltigkeit von Goodwill besser analysieren zu können.

2. Der sog. “Earnings Power Value”. Das ist der diskontierte Wert des ohne weiteres Wachstum erreichbaren Free Cashflows einer Firma. Grundannahme ist hier, dass eine “normale” Firma keinen besonderen Wert durch Wachstum generiert und deshalb der Status quo die Basis der Bewertung sein sollte. Dieser Ansatz unterscheidet sich von 1. dadurch, dass man hier nicht den Wert der Assets an sich anschaut, sondern sich auf die daraus generierbaren Cashflows konzerntriert, allerdings ohne dass man irgendein Wachstum unterstellt. Ein hoher “tangible” Buchwert ist also nicht der BEwertungsmaßstab sondern eher so eine Art Worst Case Szenario.

3. Als letzter Ansatz wird noch die Wachstumsbewertung vorgestellt. Wachstum wird nur dann ein expliziter Wert zugewiesen, wenn das Unternehmen dauerhafte Wettbewerbsvorteile hat (“Franchise”), ansonsten genreiert Wachstum (z.B. nur duch Akquisitionen) nach Meinung der Autoren keinen Wert.

Bei allen 3 Wertansätzen erfolgt natürlich nur eine Investitionen, wenn der ermittelte Wert deutlich höher ist als der aktuelle Börsenwert.

Greenwald gelingt es m.E. sehr gut, quasi die “Evolution” des Value Investings darzustellen. Auch die Beispiel anhand echter Beispiele sind sehr anschaulich aber auch sehr detailiert.

Im 2ten Teil des Buches werden dann einige sehr bekannte (Buffet, Klarmann, Gabelli) wie auch etwas unbekanntere Value Investoren (Schloss, Paul Sonkin, Glen Greenberg) vorgestellt, die alle mit etwas unterschiedlichen Ansätzen sehr erfolgreich sind.

Während Sonkin und Schloss mit dem klassischen Asset Ansatz sehr erfolgreich arbeiten, sind Buffet und Gabelli ja bekanntermassen eher Vertreter des “Franchise” Ansatzes.

Fazit: Ein tolles Buch für Interessierte Value Investoren oder die die es werden möchten. Für Anfänger ist es eher nicht so gut geeignet, da viele Bilanz oder Anlage Begriffe nicht wirklich erklärt werden

Was haben Pfleiderer, Böwe Systec, Schlott, ProSieben oder Oskhosh gemeinsam? Und vor allem: Was unterscheidet sie?

Ausser dass es sich um Pleite gegangene (Boewe, Schlott) oder fast pleite gegangene (Pfleiderer, ProSieben, Oshkosh) börsennotierte Mittelständler handelt ?

Waren das unvorhersehbare Opfer der großen Krise oder hätte man vorher erkennen können, dass diese Unternehmen besonders anfällig waren ?

Eine Zeitlang waren alle diese Unternehmen klare Outperformer. So haben z.b. von Ende 1997 bis Ende 2005 (inkl. der Internetkrise) Böwe mit 116% (inkl. Dividenden), Schlott mit 111% den SDAX (+52%) klar ausperformt. Pfleiderer konnte z.B. in den Jahren 2001-2005 mit 143% doppelt soviel zulegen wie der SDAX.

Alle Unternehmen gingen Anfang, Mitte der 2000er auf Akquisitionstour. Schlott mit Broschek, Böwe mit Bell & Howell in den USA und Pfleiderer mit Kunz und einer Reihe anderer. ProSieben durfte – animiert durch den Merheitsaktionär Permira die skandinavische SBS Gruppe kaufen und die Schulden gleich mitzahlen. Oshkosh verhob sich mit der Übernahme von JLG. Der große operative Hebel hatte natürlich kurzfristig nette Effekte auf die Gewinne. Dazu kamen bei allen Unternehmen Aktienrückkäufe, die einen zusätzlichen Effekt auf den Gewinn hatten.

Insbesondere in 2004-2006 hatten alle Werte schöne Gewinnsteigerungen zu vermelden und wurden dementsprechen mit recht hohen PEs gehandelt:

Gewinn pro Aktie:

Boewe Schlott Pfleiderer ProSieben Oshkosh
2003 2.69 0.77 0.10 0.19 1.08
2004 1.66 2.52 -0.14 0.63 1.57
2005 2.88 2.56 0.50 1.00 4.50
2006 2.92 2.87 1.00 1.09 2.76

Schauen wir uns im Vergleich mal die Entwicklung des Buchwertes und des Buchwerts bereinigt um immaterielle Vermögensgegenstände (Bspw. Firmenwert/Goodwill – sog. “Tangible Bookvalue”) an

klassischer Buchwert pro Aktie:

Boewe Schlott Pfleiderer ProSieben Oshkosh
2003 14.43 20.37 2.20 3.00 7.27
2004 16.53 21.89 3.21 4.58 9.13
2005 21.74 23.40 4.06 5.44 22.31
2006 20.46 24.74 8.17 5.66 14.40

Buchwert bereinigt um immaterielles:

Boewe Schlott Pfleiderer ProSieben Oshkosh
2004 0.61 7.47 1.03 2.00 1.59
2005 -19.70 8.90 -2.34 3.93 7.91
2006 -18.68 9.87 2.90 4.17 3.85

Man sieht sehr deutlich, dass insbesondere bei Boewe und Pfleiderer der Buchwert pro Aktie deutlich gestiegen ist, der “Tangible Book” aber nicht mehr anstieg (Pfleiderer) oder drastisch ins negative gelaufen ist (Böwe).

Interessant ist zusätzlich der Blick auf die Verschuldung (gemessen in Anteil Verschuldung an der Bilanzsumme):

Boewe Schlott Pfleiderer ProSieben Oshkosh
2003 44.94% 40.28% 41.45% 38.34% 6.63%
2004 39.26% 37.79% 33.09% 27.87% 7.01%
2005 29.72% 35.54% 48.66% 25.23% 2.64%
2006 32.35% 36.41% 33.34% 27.63% 6.54%
2007 33.35% 33.58% 33.07% 69.52% 47.77%

Keine der Firmen schaffte (oder wollte) es, die Verschuldung irgendwie zu reduzieren. Der freie Cashflow wurde stattdessen in Akquisitionen, Dividenden und Aktienrückkäufe gesteckt um die EPS weiter aufzuhübschen. Bei ProSieben und Oshkosh wurde im Zuge der Akquisitionen die Verschuldung sogar massiv ausgeweitet!

Was kann man jetzt als Value Investor aus diesen Beispielen lernen ?

Unseres Erachtens gilt Folgendes:

Eine Kombination aus geringem “Tangible Book”, hohen Schulden und gleichzeitig zyklischem Geschäftsmodell “zerstört” jede Art von Margin of Safety.
– Die Wahrscheinlichkeit, dass ein solches Unternehmen sich aus einem Wirtschaftsabschwung erholt ist – wenn die Schuldenlast zu groß ist – relativ gering.
– d.h. egal wie günstig ein solches Unternehmen nach den klassischen Value Maßstäben wie KBV, KGV, KUV etc. auch sein mag, man sollte wahrscheinlich die Finger davon lassen, weil ein Totalverlust durch Insolvenz viel zu hoch ist.

Ob es sich um eine “Value-Trap” handelt ist für eine erfolgreiche Investition von entscheidender Bedeutung.
– In diesem Fall, d.h. insbesondere im Bereich von “Deep-Value” Investments (manche Marktteilnehmer sprechen auch von zuckenden Zombies) muss man insbesondere auf die “Qualität” des Unternehmens und das Potential des Unternehmens zukünftige Cashflows zu erzeugen abstellen.
Dabei ist die Überlebensfähigkeit des Unternehmens ohne Verwässerung einer Kapitalerhöhung zu Tiefstpreisen für eine erfolgreiche Anlage von zentraler Bedeutung.

Ein Hinweis auf die Überlebensfähigkeit könnte beispielsweise in der Höhe und Stetigkeit des operativen Cashflows im Verhältnis zu den Schulden pro Aktie liefern.

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