Category Archives: Anlage Philosophie

Was wir lesen – Rückspiegel KW13

Discover Capital mit Ihren “Squad Value und Sqad Growth Fonds“. Wirklich hervorragende Investoren – leider wg. Softclosing geschlossen.

Netflix: Kursziel Dausend!

Book Review: The Four Cornerstones of Corporate Finance

Crossing Wallstreet: Wirklich interessante Gedanken zu den Treibern des Goldpreises:

Bronte Capital: Zum vermeintlichen Fraud bei China Media Express.

CNBC – Überblick über Reverse China Mergers

Bronte Capital: Zur Due Dilligence bei Hedgefonds

Accounting for Value (Columbia Business School Publishing): Wird bestellt 😉

Shareholder Letter: Raymond James: Be Conservative not Conventional.
Schönes Zitat direkt am Anfang:

“Here’s the paradox: the odds are overwhelming I will end up richer by aiming for a good return rather than a brilliant return – and sleep better en route. Folks who seek a killing usually get killed. Gunslingers get shot, and often in the foot, with their own guns. While there is always some guy around on a red-hot streak, his main function is to tempt the rest of us into becoming fools and paupers.

Der als Nachfolger von Buffett gehandelte David Sokol verlässt Berkshire Hathaway.

Asian Bamboo Geschäftsbericht 2010 – Teil 2: Liquiditätslage

Schaut man sich die Bilanz von Asian Bamboo an, fällt einem insbesondere die Entwicklung der Position “Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung” in der Konzernbilanz auf Seite 63 auf.

Die Position springt auf Basis der vorgelegten Zahlen von 7.167 Tsd EUR auf 48.357 EUR, ein satter Zuwachs von 41 Mio. EUR. Der entsprechende Eintrag bei den Kommentaren unter Punkt 25 (Seite 95) enthält nur unspezifische Angaben.

Noch interessanter wird es, wenn man sich auf Seite 100 mal den Punkt Liquiditätsrisiko anschaut.

Hier werden die Fälligkeiten der Verbindlichkeiten aufgeschlüsselt nach Fristigkeit.

Interessanterweise sieht man hier, das von den Verbindlichkeiten aus LuL 14 Mio innherhalb von 3 Monaten fällig werden und weitere 47,5 Mio. in 9-12 Monaten. Der Gesamte Buchwert wird hier mit 62,3 Mio angegeben, was komischerweise nicht mit den 48,4 Mio EUR aus der Bilanz übereinstimmt. Ein schneller Blick auf die Cashposition zeigt, dass dies um 7 Mio. EUR über dem aktuellen Cashbestand liegt.Leider gibt es im 2009er GB keine vergleichbaren Zahlen. Die Summe der kurzfristigen Assets – also alles das was innerhalb von 12 Monaten reinkommen sollte liegt in Summe bei rund 70 Mio. EUR. Wie werthaltig die Pachtvorauszahlungen sind können wir nicht beurteile.
(Edit: Wir gehen davon aus, dass die Pachtvorauszahlungen zu einem späteren Zeitpunkt (innerhalb von 12 Monaten) als biologische Assets (Plantagen) gewandelt werden. In Vorgriff auf einen folgenden Artikel wollen wir damit andeuten, dass wir nicht wissen wie “tasächlich” werthaltig diese Plantagen sind).

Zwischenfazit 1: Im Konzernanhang werden 62 Mio. EUR an fälligen Verbindlichkeiten innerhalb der nächsten 12 Monate ausgewiesen. Dies übersteigt zum einen den aktuellen Cashbestand deutlich, zudem korrespondiert es nicht mit dem Buchwert in der Bilanz.:

Zudem hat Asian Bamboo am 10. Januar bekanntgegeben, dass nochmal für 43 Mio EUR Plantagen gekauft wurden, deren Kaufpreis auch in 2011 fällig wird.

Zusammengerechnet haben wir also einen Liquiditätsbedarf von 105 Mio EUR für 2011 bei einem Cashbestand von 53 Mio., also eine Unterdeckung von -52 Mio.

Die Wahrscheinlichkeit einer Kapitalerhöhung ist also relativ groß.

Fazit Teil 2: Die Liquiditätslage könnte – anders als es der sehr hohe Cashbestand suggeriert – angespannt sein. Eine weitere Kapitalerhöhung im Laufenden Jahr scheint recht wahrscheinlich ausser man findet einen Kreditgeber

Es ist vielleicht nocheinmal wichtig darauf hinzuweisen: Die im Portfolio angegebene Short-Position ist im Fall von Asian Bamboo rein virtuell. Der Verfasser dieses Beitrags besitzt keinerlei Position in Aktien von Asian Bamboo. Weder long noch short!

AS Creation Tapeten AG: Im Osten nichts Neues

AS Creation hat in der letzten Woche seinen Jahresabschluss 2010 veröffentlicht.

Kernpunkte waren u.a. ein Gewinn pro Aktie von 3,05 EUR, die übliche Ausschüttung von 44% (1,35 EUR) und ein ordentlicher Cash Flow.

In den zwei Tagen seit der Ankündigung sind wohl einige Investoren irritiert und kaufen/verkaufen unter ordentlichen Schwankungen.

In 2011 sollen wegen hohen Investitionen in Russland (dem größten Tapetenmarkt der Welt) der Gewinn um etwa 10% sinken. (Ist ja nicht so, dass das Russland Joint Venture und die darauf folgenden Anlaufverluste “neu” wäre – daher der Titel). Der Geschäftsbericht 2010 enthält einige Worte zum Kartellverfahren, die allerdings alles andere als panisch klingen. Eine sehr gute Zusammenfassung zu AS Creation des Users “Stairway” lässt sich hier finden. Die technische Erläuterung der im Post besprochene Kaufpreisallokation findet sich im 2009er Geschäftsbericht auf Seite 106-107. Auch findet sich dort die Passage “Da sich der größte Teil der Folgewirkung der Kaufpreiszuordnung in den Abschreibungen niederschlägt, gibt die Entwicklung des operativen Ergebnisses vor Berücksichtigung von Abschreibungen, der sogenannte EBITDA, die wirtschaftliche Lage von AS Creation besser wieder.” Dieser Betrachtung können wir uns (bei einem “einfachen Geschäft” wie bei AS Creation durchaus anschließen, auch wenn wir gerne die “zum Geschäftsbetrieb notwendigen Investitionen” hinzuziehen oder direkt auf das comprehensive income abstellen.

Für uns bleibt AS Creation so oder so das klassische gut&günstige familiendominierte Unternehmen. Auch wenn uns das Russland Joint-Venture auf dem ersten Blick nicht gefällt (Russland ist für uns = Risiko!) ist es doch die Aufgabe des Managements diese Risiken einzuschätzen. Da wir keinen tiefergehenden Einblick in die detaillierten Chancen und Risiken des Joint Ventures haben geben wir uns in die (seit Jahrzehnten gut arbeitenden) Hände des Managements und hoffen auf gute Geschäfte mit russischen Tapeten. Auch wenn es zu einem totalen Fehlschlag kommen sollte wird die Überlebensfähigkeit des Unternehmens (aus dieser Tätigkeit) nicht gefährdet sein.

Morningstar: Wide Moat Companies

Wie in der Buchvorstellung von Pete Dorsey eingegangen können Unternehmen mit großen und dauerhaften Wettbewerbsvorteilen eine interessante Anlage sein.

Morningstar selber bietet neben seiner Kernkompetenz im Fondsbereich auch ein umfangreiches Aktienresearch an und hat schon vor zehn Jahren damit angefangen ein “Moat-Rating” für Unternehmen einzuführen. Die Burggräben der Unternehmen werden in “wide”, “narrow” und “none” eingeordnet. Von allen gelisteten US-Firmen hat Morningstar nur bei 115 Unternehmen ein “wide Moat” vergeben. Aufbauend auf dieser Kategorisierung hat Morningstar einen Index, den Morningstar Wide Moat Index zusammengefasst.

Die 20 Unternehmen mit dem größten Abstand zum – von Morningstar festgelegten – Fair Value sind im “Morningstar Wide Moat Fokus” zusammengefasst und quartalsweise gleichgewichtet. Dieser wird seit 2002 live berechnet und hat tatsächlich einen heftigen Track-Rekord:

Artikel zum Thema Wide Moat Index

Aktuell sind im WMW:
St. Joe Corporation
Applied Materials, Inc
General Electric Company
Stryker Corporation
The Western Union Company
Total System Services, Inc
Zimmer Holdings, Inc
Lockheed Martin Corporation
Pfizer Inc
Landstar System, Inc
Medtronic, Inc
Lowe’s Companies Inc
Exelon Corporation
Abbott Laboratories
Johnson & Johnson
Vulcan Materials Company
Avon Products
Cisco Systems, Inc.
Visa, Inc.
Merck & Co, Inc

Der oben erwähnte Artikel ist da wirklich zu empfehlen! Aber auch bestimmte Passagen aus der Analyse von Dorsey (“Ist es Zufall, Sektorgewichtungen oder Einzeltitelwahl) sind sehr interessant. Insebsondere ist der Gedanke, dass der Index tatsächlich auch Größenadjustiert eine extrem deutliche Outperformance erzielt hat interessant: How is it that a group of well-known, (mostly) large-cap companies with substantial Wall Street analyst coverage can become mispriced with such frequency? How can a mechanical portfolio-construction process using well-known, (mostly) large-cap companies generate substantially higher returns than both passive indexes and the vast majority of active managers? (After lopping off a 1% hypothetical management fee, the Wide Moat Focus Index bests 95% of large-cap funds–and 90% of mid-cap funds–over the trailing three- and five-year periods, as well as since its late-2002 inception.

Pat Dorsey schiebt das Problem auf die Kurzlebigkeit der Wallstreet: The average turnover for a plain-vanilla U.S. equity mutual fund is around 100% these days, which is a holding period of one year. I think it’s safe to say that the bulk of hedge fund money turns over at a substantially higher velocity, to say nothing of the high-frequency trading crowd. As a result, a substantial proportion of the capital being invested in equities is seeking returns over a reasonably short (one year or less) time horizon. Less competition for long-term returns leads to less-efficient pricing of securities based on their long-term prospects, as recency bias causes the marginal market participant to extrapolate the most recent information about a security (good or bad) too far into the future.

Das können wir aus privatem und beruflichem Umfeld teilweise nur nachvollziehen. Die wenigsten Anleger machen sich über den “wahren Wert” einer Anlage wenig Gedanken. Von daher ist es spannend zu sehen, wie sich diese Gedanken auf längere Frist auswirken können. Eine Verbindung mit unserem klassischen Value-Gedanken scheint sinnvoll und wird sicherlich ein Baustein unserer Philosophie darstellen.

Opportunity: Ameron (AMN)

Anbei wollen wir auch Ideen einstellen, die dann nicht den Weg in das Portfolio gefunden haben. Manachmal sind auch solche Unternehmen für eine spätere Begutachtung nochmal gut. Je tiefer man in ein Unternehmen einsteigt, desto mehr interessante Sachen findet man – und wenn man diese Gedanken auch noch im Blog aufschreiben kann hilft das beim eigenen Investmentprozess. Denn nur wenn man seine Kerngedanken aufschreibt und später überprüft, kann man wirklich erkennen, ob sich die These bewahrheitet oder nicht. Das ist einer der Gründe warum wir dieses Blog führen!

In den vergangenen Tagen haben wir uns mit Ameron beschäftigt. Ameron ist eines der wenigen Unternehmen, die aktuell noch im Graham-Teil des “Guru-Screeners” der Nasdaq zu finden sind. (Der Graham-Screener ist für US-Aktien wirklich genial! In 2007 waren ebenfalls wie heute nur wenige Aktien in der Kategorie “Graham – Strong” aufgeführt. (Aktuell sind 7 Unternehmen am US-Markt – darunter Ensco (nach der Fusion wohl nicht mehr), Benetton ADR und Sanofi Aventis ADR) Im Markttief 2009 konnten im Screener weit über 50 Werte gefunden werden. 12/2009 waren es schon nur noch 15 Werte. )

Ameron ist ein Konglomerat, dass seine Geschäfte in verschiedenen Sparten tätigt.
Vor allem ist man in Pipelines aus Glasfasern, Wasserrohren, Stahlrohren für Windkraftanlagen unterwegs.

(Alle Bilder aus dem Geschäftsbericht finden sich hier). Dazu kommen ein Joint Venture an einem Stahlwerk und ein Zementwerk auf Hawaii. Bei der Betrachtung des Umsatzes muss man bedenken, dass 2006 ein Geschäftsbereicht mit rund 200 Mio Umsatz verkauft wurde. Das Cash der Transaktion wird seitdem “mitgeschleppt”.

Anders sehen hingegen die Gewinne aus, die in den vergangenen Jahren ordentlich gesteigert wurden.

Das Unternehmen war während der letzten 10 Jahre immer profitabel!

Der Umsatz (% Gesamtumsatz) [ROA in %] teilt sich in wie folgt auf:

2010:
Fiberglass Composite Pipe: 244 Mio (48%) [18,5 %]
Water Transmission: 138 Mio (27%) [neg.]
Infrastructure Products: 121 Mio (24%) [10,8%]

2009:
Fiberglass Composite Pipe: 225 Mio (48%) [21,6%]
Water Transmission: 177 Mio (27%) [neg.]
Infrastructure Products: 144 Mio (24%) [10,8%]

2008:
Fiberglass Composite Pipe: 274 Mio [29,4%]
Water Transmission: 215 Mio [neg.]
Infrastructure Products: 179 Mio (24%) [13,9%]

hingegen war es vor 2005 völlig anders!

2002:
Fiberglass Composite Pipe: 88 Mio (16%) [7,2%]
Water Transmission: 145 Mio (27%) [23%]

Fällt hier was auf?!?

Klar in den vergangenen Jahren war das Glasfaser-Pipeline bauen absolut profitabel, während mit Wasser praktisch nichts verdient werden konnte.

Die Kennzahlen bei einem Kurs von 71 USD sind wie folgt:

Market Cap: ~660 Mio USD.
KGV2010: 13,7
KGV3: ~10
KGV10: 15,7

KUV: 1,19
KBV: 1,30
Goodwill: keiner

KCV: ~6,5
ROCE: 10,25%
EV/Ebit: 11,50%
EV/Ebit3: 9,40%

2010: 3 USD Sonder Cash Dividende.
Sonst eher <2% (Owner Earnings = Dividende+Buybacks-Kapitalerhöhungen) 10y: ~1,5%p.a.
Jetzt ist ein klassisches Industrieunternehmen mit diesen Werten nicht unbedingt "super Spannend" oder besonders aussichtsreich. Nach einem von uns eingesetzen Screening-Modell liegen die Stärken von Ameron insbesondere in der finanziellen Position (Keine Schulden – ordentlicher Cashflow) Die Schwächen liegen in der insgesamt mittelmäßigen EK-Rentabilität des Gesamtgeschäfts (Cash wird schon länger rumgeschleppt und nicht produktiv investiert), stark schwankenden Margen und mangelnder Kapitalverwendung (Für den Cashberg wenig Ausschüttung, keine Aktienrückkäufe und ein wenig Verwässerung). Das Screeningmodell sieht einen ersten Anhaltspunkt für einen fairen Wert bei rund 90 USD oder rund 26% Upside. Alles in allem auf den ersten (tieferen Blick) nicht genug Sicherheitsmarge um sich an dieser Firma zu beteiligen.

Jetzt kommt aber hinzu, dass ein Hedgefonds (Barrington Group) in einem offenen Brief an die Ameron Aktionäre schwere Vorwürfe gegen das Ameron Management vorlegt und auf der Hauptversammlung einen Platz im Board erreichen will. (“Proxy Fight”) Der Brief ist durchaus lesenswert und listet folgende Punkte auf:

Ameron sollte sich auf die Kernkompetenzen konzentrieren.
4 Geschäftsbereiche die teilweise nichts miteinander zu tun haben sind zuviel!

Sie fordern eine Desinvestition des Stahlwerks und der Hawaii-Division

Die Kosten sind erheblich höher als im Konkurrenzvergleich (Kosten/Umsatz 6% vs. 3% bei anderen Unternehmen in der Größe)

Over the past six years alone, Ameron has paid its top five executives over $77 million in total compensation. (Bei einer Market Cap von 660 Mio USD)
The cumulative compensation paid to you as CEO of Ameron from 2004 through 2008 is approximately 9% of the Company’s current enterprise value. In contrast, the average cumulative compensation paid to the chief executives of the Peer Group over the same period is approximately 1% of the Peer Group’s average enterprise value.(4)

Riskmetriks (eine sehr bekannte und gute Analysefirma) gibt ein D für Corporate Governance

In Summe hört sich die ganze Idee durchaus sinnvoll an, insbesondere dann wenn man bedenkt wieviel Geld der Vorstand erhalten hat und wie unsinvoll mit dem Cash umgegangen wird. Ameron hat gleich im Gegenzug einen Brief an die Aktionäre veröffentlich, der es seinerseits ganz schön dolle in sich hat. “Letter to Shareholders“.

Die Punkte gehen auch hier ganz schön ins Eingemachte:

Der Fonds sei unerfolgreich und müsse seit 2008 erhebliche Mittelablüsse hinnehmen. Mittlerweile sei der Fonds sogar zu klein um bei der SEC Filings einzureichen (~100 Mio USD).

Die Investemtns des Fonds hinkten dramatisch dem jeweiligen Markt hinterher.

Die Desinvestition des Stahlwerks sei schon vor dem Letter des Hedgefonds eingeleitet worden. Durch die öffentliche Aufforderung könnte es Probleme bei der Preisfindung geben: Some of Barington’s public recommendations, particularly the recommendation to sell or acquire businesses, could adversely impact our ability to achieve appropriate valuations. As an example, Barington’s public agitation to sell TAMCO (formerly the Company’s 50%-owned steel mini-mill) months after we had initiated a sale process, could have negatively impacted the value we received without careful management of the process by the Company.

Der Fonds wäre teilweise in Gerichtsprozessen wg. Betrugs und Untreue zu Zahlungen verklagt worden. Mitarbeiter des Fonds würden scharenweise wg. schlechter Behandlung durch den Fondsmanager kündigen.

In Summe könnte es daher mit hoher Wahrscheinlicheit gut sein, dass der “Wirbel” um die Gesellschaft und sein Management tatsächlich einige Bewegung in das Unternehmung bringt und möglicherweise auch kurz-/mittelfristige Maßnahmen ergriffen werden um den Wert des Unternehmen zu steigern. Der potentielle Wert könnte durch das Proxy Battle also durchaus früher erreicht werden (“Katalysator”).

Dennoch: Wie Warren Buffett es immer zu sagen pflegt – Man soll sich Investments aussuchen bei denen man über nicht über einen Meter hochspringen muss, sondern solche über die man gemütlich “drübersteigen” kann. Ameron gehört sicherlich nicht zu dieser Kategorie. Von daher fällt die Firma für uns raus – und wird höchstens weiter beobachtet.

Interessantes am Rande: Der Powershares ETF “Water Ressources” ist einer der größten Anteilseigner bei Ameron. Mit einem Fondsanteil von ~4% besitzt der Fonds rund 50 Mio USD bzw. 7,5% von Ameron. Dafür, dass es ein “passives” Investment ist, dass eigentlich keine aktive Stimmrechtsausübung ausübt schon echt heftig! Der Hedgefonds als aktiver Investor hat weniger und macht mehr Trouble! Aus unserer sicht sind die passiven Investoren per ETF auch dafür verantwortlich, dass es auch in Zukunft gute Chancen per “Stock Digging” geben wird.

Buchvorstellung: The Little Book that builds Wealth

Anbei wollen wir zukünftig einige Bücher vorstellen und die wichtigsten Punkte zusammenfassen. Beginnen wollen wir mit dem Buch von “Pat Dorsey – The Little Book that builds Wealth”.

Zu allererst muss man sagen, dass die “Little Book that…” Reihe (Beat the Market, still beats the markets, of Value Investing) in der Summe ziemlich interessant sind. Man sollte sich nicht vom Titel abschrecken lassen, denn die Autoren sind (teilweise) das who ist who von Value-Investoren. Bspw. haben Christopher Browne (Tweedy Browne), Joel Greenblatt (Gotham Capital), James Montier (GMO Funds) jeweils unter dieser Reihe Bücher veröffentlich.

Das das Buch in Deutsch mit dem Titel “Die Zauberformel des Vermögensaufbaus: So finden Sie die wirklich guten Investments” auf den Markt gekommen ist schadet dem Buch eher, denn es täuscht über den wirklich guten Inhalt der Lektüre hinweg.

Das Buch befasst sich mit dem Auftreten und bestehen von Wettbewerbsvorteilen. Der Autor Pat Dorsey ist Head of Equity Research bei Morningstar, die in Ihren Analysen schon seit längerem ein sogenanntes “Moat-Rating” verwenden. Beim vielzitierten “Moat” oder “Burggraben” handelt es sich um ein Bild, dass durch Buffett und Munger geprägt wurde. Es bezeichnet die Stärke von dauerhaften Wettbewerbsvorteilen gleichsam eines Burggrabens der eine mittelalterliche Festung schützt. Ein Unternehmen, dass einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil besitzt kann über einen längeren Zeitraum einen höheren Ertrag auf das eingesetzte Kapital erwirtschaften als ein Unternehmen, dass diesen Wettbewerbsvorteil nicht besitzt. Welchen dramatischen Effekt ein durchgängig hohe Kapitalrentabilität (“Return on Assets oder Return on Capital”) auf eine Anlage haben kann, haben wir in diesem Beitrag in Grundzügen dargelegt.

Graphisch dargestellt ist relativ einfach zu erkennen, dass der Barwert (graue Fläche) einer Firma mit Wettbewerbsvorteil höher ist als der einer (“identischen”) Firma ohne Wettbewerbsvorteil, da die Profitabilität und die erwirtschafteten Zahlungsströme über den Zeitablauf eben durch den bestehenden Wettbewerbsvorteil höher ist.

Pat Dorsey schafft es jedoch in seinem Buch vor allem zu zeigen, dass dauerhafte Wettbewerbsvorteile ziemlich selten sind und es zudem nur wenige Quellen echter und dauerhafter Wettbewerbsvorteile gibt. Das Buch ist garniert mit “Leichen am Wegesrand”, denen ehemals ein Burggraben zugesprochen wurde – der dann aber kein dauerhafter war. (“As one academic who studies competitive advantage has pithily stated, “In the long run, everything is a toaster.”)

Laut Dorsey hat Morningstar vier Treiber von dauerhaften Wettbewerbsvorteile identifiziert die im Buch durchexerziert werden:

1) A company can have intangible assets, like brands, patents, or regulatory licenses that allow it to sell products or services that can’t be matched by competitors.
2)The products or services that a company sells may be hard for customers to give up, which creates customer switching costs that give the firm pricing power.
3)Some lucky companies benefit from network economics, which is a very powerful type of economic moat that can lock out competitors for a long time.
4)Finally, some companies have cost advantages, stemming from process, location, scale, or access to a unique asset, which allow them to offer goods or services at a lower cost than competitors.

In den einzelnen Kategorien sind die wichtigsten “Take aways”:

1) Intangibles, brands, Patents and regulatory licenses

Marken und Patente werden häufig überschätzt;
Eine gute Marke ist nicht unbedingt eine profitable Marke;
Lizenzen können Wettbewerb effektiv limitieren.
Hier sollte man insbesondere nach vielen “kleinen Einzellizenzen” schauen statt nach einer “großen Einzellizenz”. (bsp. Müllhalden, Kiesgruben, Betonwerke – Trash and gravel may not sound exciting, but the moat created by scores of mini-approvals is very durable. After all, companies like trash haulers and aggregate firms rely on hundreds of municipal-level approvals that are unlikely to disappear overnight en masse. What really makes these locally approved landfills and quarries so valuable for companies like Waste Management and Vulcan Materials is that waste and gravel are inherently local businesses. You can’t profitably dump trash hundreds of miles from whereit is collected,and you can’t truck aggregates much farther than 40 or 50 miles from a quarry without pricing yourself out of the market. (Trash is heavy, and gravel is even heavier.) So, local approvals for landfills and quarries create scores of mini-moats in these industries.) Einer der Gedankengänge, den wir schon bei Buzzi geäußert haben.

Beispiele:
Unternehmen mit “Moats”: Tiffany, USG, Bayer (Aspirin), Ratingagenturen (2006 geschrieben 😉 ), Glücksspielautomatenhersteller, For Profit Universitäten, Vulcan Materials, Waste Management.
Unternehmen mit “ehemaligen Moats”: Sony (DVD-Player), Kraft (vs. Eigenmarken), Big Pharma,

2) Switching Costs
Wechselkosten sind ein wirksamer Moat für Unternehmen;
Firmen bei deren Kunden Wechselkosten auftreten können stetig höhere Preise durchsetzen und binden Kunden teilweise Jahrelang an sich.

Unternehmen mit “Moats”: Intuit (Tax Software), Microsoft, Oracle, Precision Castparts, Adobe&Autodesk (Photoshop und AutoCAD als “Standard den Studenten lernen”), Banken mit Retailkundschaft, (Druckerpatronen und Nespressokapseln).

3)Network Effekt
Unternehmen mit Netzwerkeffekten tendieren oft dazu starke Oligopole oder Monopole zu sein.
Häufig in Unternehmen der Informationsbranche zu finden.
Wenn viele Menschen das Netzwerk nutzen wird der Service für die Kunden gleichzeitig besser und der Ertrag des Unternehmen besser.
Der Vorteil liegt insbesondere in den Verbindungen begründet die eine Hürde für den Eintritt von Wettbewerbern schaffen: “It’s pretty incredible to see how fast the number of connections grows as you add more nodes. Practically speaking, you easily can see how attractive the economics are. If a network-based business increases its invested capital by, say, 50 percent to expand its number of nodes from 20 to 30, it increases the number of connections by almost 130 percent, from 190 to 435.”

Unternehmen mit “Moats”: American Express, Microsoft (Word&Windows), Ebay, Terminbörsen (Liquidität), Western Union, 3rd. Part Logistics (Expeditors International/CH Robinson)

4) Cost Advantages, Size Advantages
Lage Lage Lage: Kann einen bedeutenden Kostenvorteil bei Gütern mit hohem Transportkostenanteil bedeuten.
Große Unternehmen haben nicht zwangsweise Vorteile
Am Allerbesten: “a big fish in a small pond”

Unternehmen mit “Moats”: Aracruz Cellulose (Eukalyptus wächst im Firmengebiet Brasilien 2-3x so schnell wie in Nordamerika –> weniger investiertes Kapital –> günstigere Kosten), Red Lobster (Größenvorteil und dadurch Kostenvorteil, da “Logistikkette für Frischware besonders wichtig), SKY PayTV,

Es folgen weitere Kapitel zu wegbrechenden Burggräben oder zum Aufspüren von Burggräben (Suche nach erhöhtem ROA, ROCE), oder zur großen Bedeutung des Management Teams (Obligatorisches Zitat: “When management with a reputation for brilliance tackles a business with a reputation for bad economics, it is the reputation of the business that remains intact.”)

Das Buch endet mit einem Kurzüberblick über den “Preis” oder wann ist eine Aktie “günstig”. Hier werden obligatorischen Fundamentalkennziffern wie KGV, KUV, KBV, KCF vorgestellt und einige Grundzüge erläutert. Der Autor warnt mehrfach und ausdrücklich vor einem zu hohen Preis. Die Warnung ergeht vor allem darin, dass nur weil ein Unternehmen gute/schlechte Zahlen bringt es noch nicht unbedingt einen “Moat” hat. “The best business in the world will be a bad investment if purchased at an unattractive price. Ask anyone who bought Coke or Cisco in 1999 or 2000—they were great businesses then, and they still are today, but their valuations were so high that there was no room for error or for profit.” Und gerade hier lässt das Buch den Leser ein bisschen im Regen stehen. Denn ob der Preis für ein Unternehmen nun “fair” oder doch zu hoch war lässt sich meistens erst im Nachhinein sagen.

Buchstäblich stehen hier die eingefleischten Growth-Jünger den Graham-Jüngern gegenüber. Ein Käufer von Coke hätte 1999 mit Sicherheit auf die Perspektiven von Coke verwiesen, während der Kurs abseits von gut und böse war. Wir wollen daher in unserem Portfolio dann überdurchschnittliche Wetten eingehen, wenn beide Seiten (Growth&Value) in einem vernünftigem Einklang stehen. Positionen wie Buzzi Unichem, Medtronic, Sto oder KSB gehören in diese Kategorie.

Das Buch ist also empfehlenswert für jeden, der sich mit Burggräben oder Wettbewerbsvorteilen beschäftigt. Die Lektüre ist kurzweilig und auch für “Einsteiger” oder BWL-Studenten in jüngeren Semestern gut geeignet.

Compunding Interest – Value & Growth

Das Konzept von Value&Growth wird gerne regelmäßig missverstanden. Klassisches Valueinvesting nach Graham&Dodd wird meistens mit Aktien verbunden, die bspw. unterhalb Ihres Eigenkapitals notieren – oder an der Börse günstiger sind als die in der Bilanz angesammelten flüssigen Mittel abzgl. Schulden. Growth hingegen wird meist mit wachstumsstarken Unternehmen verbunden die mit einem hohen Wachstum und fantastischen Aussichten glänzen.

Wie man in den sehr empfehlenswerten Buffett-Letters lesen kann, liegt “wirklich großartiges Investieren” genau in der Schnittmenge dieser beiden Eigenschaften. Der Kern großartigen Investierens dreht sich darum, “hervorragende Unternehmen” zu einem “guten Preis” zu erwerben.

Was sich einfach anhört ist natürlich in der Praxis äußerst kompliziert. Denn eigentlich immer werden hervorragende Unternehmen nicht so billig wie “normale” Unternehmen (im Sinne von Kennzahlen wie KBV, KUV oder KGV) oder die Einschätzung von Unternehmen die ex ante “hervorragend” scheinen, erweist sich ex post als “doch nicht so hervorragend”. Mit einem einfachen Beispiel möchten wir zeigen, warum ein “hervorragendes” Unternehmen langfristig solch großen Charme hat.

Nehmen wir zwei Unternehmen A und B, von denen das Unternehmen A “hervorragend” ist. Dieses Unternehmen hat einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil, der es ihm erlaubt dauerhaft und nachhaltig überdurchschnittliche Margen von (20% ROC) auf das eingesetzte Kapital zu erzielen. Das Unternehmen B erzielt hingegen nur “durchschnittliche” Margen (5% ROC).

Beide Unternehmen beginnen mit 100€ Eigenkapital ohne Fremdfinanzierung:

  A Inc. B Inc.
ROIC   20% 5%
2011   100.00 € 100.00 €
2012   120.00 € 105.00 €
2013   144.00 € 110.25 €
2014   172.80 € 115.76 €
2015   207.36 € 121.55 €
2016   248.83 € 127.63 €
2017   298.60 € 134.01 €
2018   358.32 € 140.71 €
2019   429.98 € 147.75 €
2020   515.98 € 155.13 €
2021   619.17 € 162.89 €
2022   743.01 € 171.03 €
2023   891.61 € 179.59 €
2024   1,069.93 € 188.56 €
2025   1,283.92 € 197.99 €
2026   1,540.70 € 207.89 €
2027   1,848.84 € 218.29 €
2028   2,218.61 € 229.20 €
2029   2,662.33 € 240.66 €
2030   3,194.80 € 252.70 €
2031   3,833.76 € 265.33 €

Nach 20 Jahren hat das hervorragende Unternehmen das 14-Fach höhere Eigenkapital als das mittelmäßige Unternehmen. Wow – das ist die Macht des Zinseszins!

Setzen wir das Ganze ins Verhältnis zur Marktkapitalisierung und zum Growth&Value-Stil. Ein mechanischer Investor würde im Jahr 2011 bei folgenden Kennzahlen sicherlich zur Aktie B greifen.

A Inc. B Inc.
MarketCap 400 50
     
KGV 20 10
KBV 4 0.5

Werden beide Unternehmen in 2030 zum Buchwert zurückgekauft ist die Rendite bei Aktie A über die Laufzeit 11,9% p.a., bei Aktie B ist – trotz der erheblich niedrigeren Bewertung zum Anfang der Laufzeit 8,6% p.a. Hinzu kommt der Umstand, dass die Aktien in 2030 auch zum gleichen Multiple abgerechnet werden müssten. Es ist aber gut möglich, dass Unternehmen A – wenn es weiterhin dauerhaft einen Wettbewerbsvorteil hat – auch weiterhin ein höheres Multiple zugestanden bekommt. Um auf die gleiche Rendite wie Unternehmen A zu kommen müsste Unternehmen B in 2010 bei rund 27,50€ (KBV 0,27 KGV: 5,5) notieren.

Es zeigt sich also, dass ein Wachstumsunternehmen – wenn es durchgängig hohe Kapitalrenditen behält – auch bei hohen Bewertungen noch eine sehr gute Anlage sein kann. Hier liegt aber der “Knackpunkt” den die meisten Growth-Anhänger völlig übersehen. Ein Unternehmen wie A Inc. wird es tendentiell nur sehr sehr selten geben. Von hohen Margen wird in der Marktwirtschaft die Konkurrenz angezogen wie Bienen vom Honig. Durchgängig hohe Margen wurden in der Vergangeheit nur von sehr wenigen Unternehmen mit starken Monopolen, oder wie Buffett es so gerne nennt “Burggräben” erwirtschaftet.

Aus unserer Sicht ist die Entscheidung zwischen Growth&Value daher ambivalent. Die Gefahr zu viel für ein Unternehmen mit vermeintlich nachhaltig hohen Margen und einem vermeintlich großen Burggraben zu bezahlen ist enorm groß. Daher möchten wir uns in zukünftigen Beiträgen auch zur Nachhaltigkeit von Burggräben äußern und einen Blick hierauf werfen.

Shortselling: Pro & Contra

Da wir immer wieder Anfragen zu unseren Leerverkäufen bekomen, wollen wir nochmal ausführlich die Rationale hinter unseren Shortpositionen erklären. Eine interessante Sichtweise dazu hat Seth Klarman in seinem 2010er Shareholder Letter dargelegt. Link. Die beiden größten Problem bei Leerverkäufen sind zum einen der negative Erwartungswert und zum anderen das potentiell unendliche Verlustrisiko.

Da Aktien im langfristigen Mittel steigen ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass man bei einem Leerverkauf – auf lange Frist Geld verliert. Selbst wenn man sich mechanische Strategien von O’Shaugnessy und Co. anschaut, haben selbst die schlechtesten, bzw. teuersten Aktien noch einen leicht positiven Erwartungswert. Hinzu kommt, dass eine Aktie theoretisch unendlich steigen kann. Einem Kursgewinn von 100, 200 oder gar 1000% steht der Leerverkäufer machtlos gegenüber und muss entweder weitere Sicherheiten beibringen (Margin Call) oder seine Position schließen. VW war ein sehr gutes Beispiel. Ein Leerverkäufer der bei 200€ (da war die Aktie schon extrem teuer) leerverkauft hatte, hätte selbst bei einer nur sehr kleinen Position von bsp. 2% des Depotvolumens – nach einem erzwungenen Verkauf bei ~1000 € einen Impact von rund 10% bezogen auf das Gesamtvolumen gehabt.

Dennoch ist es aus unserer Sicht sinnvoll, passende Werte leer zu verkaufen. Dabei meinen wir – im Sinne unserer Deposteuerung – ernsthaft die Aktien zu leihen und dann an der Börse zu verkaufen. Wir meinen NICHT eine Spekulation auf fallende Kurse über Optionen oder über Knock-Out Zertifikate. Denn die Rationale hinter unseren Shortpositionen ist ja, dass wir aus dem Leerverkauf Geld erhalten und dieses gleichzeitig in ein breit diversifiziertes Portfolio “guter” Unternehmen anlegen. Wir wollen also nicht zwangsweise an fallenden Kursen verdienen, sondern es reicht uns schon, wenn die leer verkaufte Aktie einfach nicht steigt, während unser Portfolio ein positives Ergebnis erzielt. Dann hätten wir das Geld “kostenlos” geliehen und es gewinnbringend angelegt. Dieser Leverage-Effekt kann sehr ansehnliche Effekte erzielen – er kann aber natürlich auch gegen uns laufen!

Letztlich stellt dies in Ansätzen eine marktneutrale Strategie dar. Fällt beispielsweise der breite Gesamtmarkt (und die leerverkaufte Aktie) um 10% und fällt unser Portfolio nur um 5%, dann hat sich der Short gelohnt. Es kommt letztlich auf die relative Performance zwischen leerverkaufter Aktie und Portfolio an.

Eine weitere Funktion des Leerverkaufs kann sehr gut über den Drägerwerk Short gezeigt werden. Unsere Investmentthese ist ja, dass die Genussscheine im Verhältnis zu den Vorzugsaktien unterbewertet sind. Je höher die Genüsse und die Aktien steigen, desto unsicherer sind wir hinsichtlich der Margin of Safety die in unserer Position enthalten ist. In dem wir die Genüsse kaufen und die Vorzüge leer verkaufen haben wir einen Hedge, bzw. eine Arbitragespekulation hergestellt, der alleine auf die Differenz zwischen Vorzügen und Genüssen abzielt. Fallen die Vorzüge um 50% und die Genüsse nur um 25% (Ausweitung des Spreads), dann würde sich der “Hedge” netto positiv entwickeln. Aktuell mit steigenden Genüssen heute (~150€) und fallenden Vorzugsaktien haben wir natürlich (glücklicherweise und ungeplant) einen Ergebnisbeitrag von beiden Seiten der Hedgeposition. Letztlich wären wir unter Chance/Risikogesichtspunkten aber nicht “traurig”, wenn Genüsse und Vorzüge im Kurs unverändert blieben und wir über die wesentlich höhere Ausschüttung der Genüsse eine positive Rendite erwirtschaften würden.

Risikomanagement KISS

Ein wichter Aspekt guten investierens ist die systematische Befolgung eines Investmentansatzes. Wie hat es der gute Ben Graham in Worte gefasst: “Investieren ist dann am intelligentesten wenn es geschäftsmäßig (systematisch) betrieben wird.” Anbei möchten wir Euch die Grundzüge unseres Risikomanagementsystems vorstellen, dass uns für unsere Zwecke ausreichend erscheint. Letztlich ist das Risikomanagementsystem “simpel” und soll uns einen Überblick über die bestehenden Positionen geben und uns Empfehlungen auf Gewichtungen innerhalb des Depots geben.

Warum sollte man eine Aktie mit 3, 4 oder 5% im Depot gewichten?

Das Modell ist so aufgebaut, dass hohe erwartete Renditen übergewichtet werden und niedrig erwartete Renditen untergewichtet werden. Nehmen wir beispielsweise zwei Aktien von Unternehmen die unterschiedliche Renditeerwartungen haben:

Aktien Rendite p.a.
Unternehmen A 5%
Unternehmen B 10%

Bei einem gleichgewichteten Depot wäre die Renditeerwartung 7,5% p.a.

Da wir uns nicht ausschließlich auf Unternehmen A verlassen wollen, sondern schon eine Mischung aus A und B im Depot erreichen wollen, arbeitet unser KISS-System so, dass Aktie A höher gewichtet wird und Aktie B niedriger gewichtet wird. Da Unternehmen A eine 30% höhere Rendite bietet als der Durchschnitt des gleichgewichteten Portfolios wird der Anteil von A auch 30% höher gewichtet als bei der Gleichgewichtung. Unser Risikomanagementsystem würde also folgende Gewichtung vornehmen:

Anteil Aktien Rendite p.a.
33% Unternehmen A 5%
66% Unternehmen B 10%
     
    8.2500%

Nehmen wir eine dritte Aktie in das Portfolio auf, die eine Renditeerwartung von 15% p.a. bietet, sähe die Gewichtung wie folgt aus:

Anteil Aktien Rendite p.a.
16% Unternehmen A 5%
33% Unternehmen B 10%
50% Unternehmen C 15%
     
    11.60%

Bei einem gleichgewichteten Porfolio mit drei Aktien läge die Rendite bei 10% p.a. Da Unternehmen B genau diese 10% Rendite bietet, wird ihm der gleichgewichtete Anteil von 33% zugestanden. Unternehmen A wird zugunsten Unternehmen C untergewichet.

Dieses Art des Gewichtungsmanagements bietet einige Vorteile, hat jedoch auch implizite Schwächen. Der Vorteil des Risikomanagements liegt in einer Systematisierung der Gewichtungen. Auf Grund der Berechnung über p.a. Renditen können auch Bonds, Dividendenstarke Aktien ohne Kursphantasie oder andere Instrumente in die Gewichtung mit einbezogen werden. Die größte Schwäche des Systems liegt natürlich in seinem Input. Der Fair Value – und die Wahrscheinlichkeit mit dem der Fair Value eintritt sind der Dreh- und Angelpunkt des Inputs. Schätzt man die erwartete Rendite falsch werden auch die Gewichtungen (ex post) falsch sein. Uns ist klar, dass ALLE Renditeangaben die wir über einen Fair Value herleiten zwingend falsch sein müssen. Wenn man eine Renditeangabe von X% p.a. auf Sicht von X Jahren angibt, wird die Aktie in X Jahren mit fast 100%iger Sicherheit nicht genau diese Rendite erbracht haben. Von daher sind die Renditeangaben nur als ein sehr grober Indikator zu verstehen und dienen einer Systematisierung des Gewichtungsprozesses.

Beispielhaft möchten wir anhand konkreter Portfoliounternehmen einen Einblick in unsere erwarteten Renditen und die Depotgewichtungen geben:

Bsp. HT1 Funding: Die Anleihe bietet einen Kupon von 5,3% und könnte (wenn die Coba Ihre Dividende wieder aufnimmt) in 2017 zu 100% zurückkommen. Bei einem Kurs von 78% ergibt sich eine p.a. Rendite von rund 10%. Natürlich könnte die Rendite höher ausfallen, wenn der Bond weiter so läuft wie bisher – oder niedriger wenn nicht aufgefüllt wird.

Die Drägerwerk Genüsse haben (aus unserer Sicht) einen FV von irgendwas zwischen 130 und 150 Euro pro Schein zzgl. der 10 Fachen Vorzugsdividende. Geht man davon aus, dass der Schein den Wert von 150€ in drei Jahren erreicht und in der Zwischenzeit eine durchschnittliche Dividende von 11 Euro zahlt (3x Dividende + Verwässerung) kommt man auf eine p.a. Rendite von 10,5% p.a.

Für AS Creation Tapeten haben wir einen Fair Value von ~38 Euro angegeben. Die Dividende ist je nach Fall unterschiedlich, wird aber mit durchschnittlich 1,75€ (1,50 steigend über 2€) pro Jahr festgelegt. Gehen wir davon aus, dass der FV in 3 Jahren erreicht wird, liegt die p.a. Rendite bei 14,67% p.a.

Für die ETF’s, die unsere Benchmark abbilden haben wir die obere Spanne der aus dem KGV 10 zu erwartenden Rendite von rund 5% p.a. für die nächsten 10 Jahre angegeben.

Steigt eines der Wertpapiere im Kurs sinkt natürlich die erwartete Rendite. Steigt ein Papier auf oder über den Fair Value sinkt die Rendite und wird über FV+Dividende sogar negativ. Es wird folglich niedriger gewichtet. Fällt ein Unternehmen im Kurs wird die Rendite höher.
Aktuell sieht das KISS-Risikomangement folgende Werte für unser Depot vor:

Wir werden uns also noch Gedanken um die ETF-Gewichtung, um Vetropack und um die Gewichtung von einigen anderen Werten machen müssen.

Ist-Anteil Soll-Anteil
 
ETF 18.97% 1.07%
Vetropack 6.54% 2.96%
Buzzi 6.43% 7.11%
Noble 5.55% 4.41%
EVN 4.72% 4.61%
KSB 4.51% 2.36%
Bijou 4.22% 4.06%
Medtronic 4.10% 2.88%
HT1 Funding 3.44% 2.10%
Tonnellerie 3.29% 3.25%
WMF 3.25% 3.72%
Hornbach 3.18% 3.34%
Westag&Getalit 3.17% 5.60%
Sto VZ 3.14% 2.54%
Stoxx Utilities 3.12% 3.95%
TapetenAG 2.93% 4.25%
DEGI 2.92% 2.40%
OMV 2.87% 2.82%
Fortum 2.86% 4.31%
Tsakos 2.61% 5.89%
AXA 2.40% 2.47%
Frosta 2.26% 2.74%
Dräger Genuss 2.12% 2.13%
Magyar 2.10% 3.36%
ENI 2.07% 4.53%
Einhell 2.04% 1.82%
Benetton 1.85% 2.90%
AIRE 1.44% 4.60%
Apogee 1.25% 2.88%

Die durchschnittlich zu erwartende Vorsteuer Rendite aus dem Portfolio inkl. Dividenden liegt (je nach FV’s) bei rund 15 bis 17,5% p.a. Es sei an dieser Stelle nocheinmal ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Fair Value und die daraus abgeleitete Rendite mit Sicherheit so nicht eintreffen werden. Die Methodik kann lediglich einen Anhaltspunkt darauf geben, dass das Gesamtportfolio gegenüber dem breiten Markt aus unserer Sicht eine Mehrrendite bietet. (Sonst würden wir ja die breiter gestreuten ETF’s kaufen).

Was wir lesen – Rückspiegel KW7

Wie in anderen Blogs üblich wollen wir hier eine Linkliste erstellen und einige lesenswerte Beiträge oder Artikel die wir gelesen haben:

Die alten Buffett-Partnership Letters 1959-1969

Whitney Tilson Partnership Letter – Januar 2011

Kurzübersicht Netflix – Tilson covert seinen Netflix Short

Pabrai Investment Funds – Annual Meeting Mitschrift

Zwei gute Paper zu mechanischen Anlagestrategien

Mechanische Anlage nach Kurs/Free-Cashflow < 15 im DOW (Danke Raynar)

SIA-Letter Dezember 2010 zu Medtronic

Übersicht zu Citron-Research Shorts

Newsletter des Graham&Dodd Lehrstuhls (Interessante Aspekte zum HighFrequenzy Trading)

Ein paar interessante Links von James Montier

Ein paar interessante Links von Micheal Mauboussin

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