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“Guanxi” – Erfolgsfaktor für Chinesische Firmen und ausländische Anleger ?

Wer sich ein bischen mit Chinesischen Aktien beschäftigt, kennt sicherlich die hitzigen Diskussionen die derzeit v.a. in USA geführt werden.

Hier sind hauptsächlich die sog. Reverse Merger Firmen im Fokus, also Chinesische Firmen die in US Mantelfirmen eingebracht wurden um so möglichst schnell an eine US Börse zu kommen.

Einige dieser Firmen sind mittlerweile in den Verdacht geraten, dass nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Der bekannteste Fall in jüngster Vergangenheit war das Unternehmen RINO, zunächst ein Highflyer, mittlerweile aber des Betrugs überführt.

Auslöser war hier der Bericht des Internet Blogs Muddy Waters, die kurz zuvor einen negativen Research Bericht veröffentlich hatten. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Webseiten, die negative Berichte zu Chinesischen Reverse Merger Firmen veröffentlichen, wie z.B. Citron Research oder das etwas breiter aufgestellte Bronte Capital.

Hauptfocus der “Short Seite” ist derzeit China Media Express (CCME). Den aktuellen Stand der Diskussion gibt dieser Artikel auf Seeking Alpha ganz gut wieder auch wenn er einen gewissen Short Bias beinhaltet. Insbesondere die daran anschliessenden Kommentare lassen den mittlerweile religiösen Eifer erkennen, der hier unter Long und Short herrscht.

Das Bronte Blog hat heute einen neuen Blogeintrag zum Thema China draussen mit Focus auf dem sog “Guanxi” System in China im allgemeinen und China Forestry im Besonderen.

Das Guanxi wird in Wikipedia so erklärt:

Guanxi (chin. 關係 / 关系) bezeichnet das Netzwerk persönlicher Beziehungen, von dessen Wirken in China kaum eine Entscheidung unbeeinflusst bleibt. Verträge und Absprachen werden nur als eine Richtschnur gesehen, von der im Zweifelsfall abgewichen werden darf.

In Bayern nannte man dass weiland “Amigo Affäre”….

Das Geschäftsmodell von China Forestry wird von Bronte so erklärt:

China Forestry had a business model which consisted of fast-growth forestry to extract greenhouse gas credits – a business model that barely made sense to some analyst guys that looked at it. However it was a business model that made sense if the company had enough Guanxi – enough connections to extract a really bad (ie nonsensical) deal from the Chinese government. And the holders of China Forestry to some degree believed just that. They believed in the Chi”Guanxi”nese Guanxi. And implicitly they believed the deals were being bought to them by the Guanxi of their staff.

Die Aktie ist vom Handel mittlerweile ausgesetzt, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Das bring mich dann zum Schluß doch zurück zu unserer Short Position Asian Bambo. Auch bei dieser Aktie besteht das Geschäftsmodell zu einer großen Portion aus “Guanxi”, insbes. der Fähigkeit, die Eigentümer der Bambusplantagen mit sehr niedrigen Pachtzahlungen zu übervorteilen.

Um es nochmal klar zu sagen: Wir haben keinerlei Hinweise, dass bei Asian Bamboo irgendendeine Art von Betrug vorliegt. Dennoch gibt es unseres Erachtens einige Gründe, dass die in den Anlysen verwendeten Prognosen wirklich sehr optimistisch sein könnten. Ob “Guanxi” ein Wettbewerbsvorteil ist, der dauerhaft besteht und desse Erträge dann tatsächlich mit Ausländern geteilt werden muss sich erst zeigen.

Short update Asia Bamboo

Heute sind wir zufällig über eine an und für sich ziemlich flache Studie zu Asian Bamboo gestolpert:

CLSA Bambus

Neben den üblichen linearen Projektionen und einem Kursziel von 55 EUR gab es aber eine interessante Passage: Es wird hier nämlich zumindest mal darauf verwiesen, dass die so günstigen Pachtverträgen die die grandiosen Maregn ermöglichen, u.U. vielleicht gar nicht so fix sind:

Land leases prices rise, and / or farmers renege on the lease – as far
as we can ascertain the farmers are not permitted to sell the land to Asian
Bamboo (due to the fact that they don’t own it). Farmers effectively have the
land for their lifetime and can pass it on to their children. It cant be
developed. We see two potential risks to Asian Bamboo’s earnings
1) Expansion sees farmers asking more for a 20 year lease – there has
been some 12% increase in total rent costs across various lease
examples.
2) Existing lessee Farmers unhappy at getting only Euro 6,000 per
hectare over the 20 year lease v’s the companies Euro 52,000 per
hectare begin demanding more rent despite there being an existing
contract

3) Existing farmers see new leases being signed at higher prices than
they got and begin asking for reviews.

Ah ja. Interessant auch, dass in einem anderen Absatz geschrieben wird, dass die Konkurrenz 3 mal so viel bezahlt:

Leasing costs lower than other farming companies in Fujian
Land is leased on a long term basis in the region of Rmb 50,000 to 55,000
per hectare. This charge covers a 20 year lease and is paid up front to the
incumbent farmer. To compare this lease cost we look at China Green
Holdings (904 HK – SELL ) where they lease agricultural land at almost 3x the
cost but are only prepaying 5 years on a 20 year lease

Aber anscheinend keinerlei Grund zur Beruhigung, denn es gilt ja Folgendes:

Asian Bamboo tells us that their lessee farmers are happy to receive the lump
sum up front as it represents a substantial sum for them. The latest lease was
done at a higher price than previously at around RMB 57,000 per ha, and
they do not expect lease prices to fall. However there are no inflation
adjustment mechanisms in the contacts, so from a legal point of view there is
no room to negotiate once the contracts are signed.

Wer schon mal geschäftlich in China zu tun hatte, kann sicher einschätzen welchen Wert Chinesen schriftlichen Verträgen zuweisen. In meiner Erfahrung ist das eher ein ganz grober Leitfaden und Nachverhandlungen sind an der Tagesordnung. Na ja, warten wir es einfach ab, wie lange die Pächter so “happy” bleiben wenn sie sehen wie man sie übers Ohr gehauen hat und/oder die Upfrot Zahlung weginflationiert wurde.

Für eine Gesellschaft deren Geschäftsmodell einzig und allein darauf beruht, die Flächen so günstig zu pachten ist das u.E. doch ein existenzielles Risiko.

Update: Netflix Short – Earningscall Q4/2010

Gestern hat Netflix Zahlen gebracht und die waren wohl recht gut. Im After-Market stehen die Aktien +7/+12%
Da wir auf der anderen Seite der Schaukel sind – natürlich nicht so schön.

Nichtsdestotrotz hat an der Investmentthese nicht viel geändert. Die von Rodney Tilson vorgestellte Investment-These ist immer noch sehr lesenswert und behält Ihre Gültigkeit.

Einen Earningscall von Netflix gibt es hier

Asian Bamboo Update

Tja, so gehts. Da geht man eine Aktie short und sie steigt an und das sogar gegen den Trend.

Im Chart sieht man ganz gut, wie der Kurs am 18. Januar plötzlich gegen den Trend deutlich anzieht.

5AB Chart

Rein “zufällig” kommt dann am 20.01. eine Kaufempfehlung von Merril Lynch:

Asian Bamboo Shares Rated New ‘Buy’ at BofA Merrill Lynch
By Julie Cruz
Jan. 20 (Bloomberg) — Asian Bamboo AG was rated “buy” in new coverage at BofA Merrill Lynch Global Research. The company trades at a significant discount to its local Chinese peers and to German agricultural companies, which we do not think is justified,” London-based analysts Claus Roller and Gerhard Orgonas wrote in a report today. The brokerage has a price forecast of 50 euros on the Chinese bamboo plantation operator.

Das ist ja mal ein Wort, 50 EUR Kursziel. Ist unsere These damit hinfällig ?

Die “Studie” hat immerhin 26 Seiten inkl. 3 Seiten Disclaimer. Das DCF Modell beinhaltet folgende generelle Annahmen:

WACC: 12,7%
Nachhaltige EBIT Marge 32%
EPS 2012: 5.05 EUR pro Aktie (adjusted) nach 2.03 EUR pro Aktie 2010
Wachstum 2013-2018 von 15% p.a.
Danach ewiges Wachstum von 3%
Kein externer Kapitalbedarf (Net Cash genau 0 in 2012, danach Cashflow positiv)

Der PV Wertbetrag teilt sich auf in:
35 Mio EUR Jahr 1-4
267 Mio EUR Jahr 5-9
448 Mio “Terminal Value”

Man versorgt den geneigten Leser auch noch mit Sensitivtäten (Kapitalkosten +/- 1% sowie Terminal growth +/- 1%) und zeigt, dass im “Worst Case” mit 13,7% Kapitalkosten und 2% Growth die Aktie immer noch 45 EUR wert ist.

Hmmm und wir behaupten die Aktie ist mit 38 Euro deutlich überbewertet ?

Setigt man etwas tiefer in die Analyse ein, fällt einem schon mal beim Business Model Overview auf, dass der vom CEO erst angekündigte neue Geschäftszweig “fibre processing”, also so eine Art Cellulose Herstellung innerhalb kürzester Zeit signifikante EBIT Beiträge bringen soll.

Nach 40 Mio Investionen hauptsächlich in 2011 und 2012 bringt dieser Zweig dann schon 21 Mio EBIT in 2013. Anhand dieser Zahlen kann man sich auch recht einfach ausrechnen, mit wieviel dieser (noch nicht existierende) Firmenbereich in die Bewertung einfliesst.

Wir haben uns das ML “Modell” mal reverse engineered. Damit kommt man auf einen NPV des noch nicht exsitierenden Geschäftes von ca. 140 Mio EUR oder 9 EUR pro Aktie. die in der 50 EUR Bewertung enthalten sind.

Zurück zum Thema generelles Wachstum: Die Annahme eines 3% Terminal Growth scheint zunächst recht konservativ. Allerdings darf man nicht vergessen, dass von 2010 bis zum Aufsatzpunkt der ewigen Rente in Jahr 9 mit insgesamt 736% EBIT Wachstum oder 27% EBIT Wachstum PER ANNUM gerechnet wird.

Rechnet man das Modell mit unveränderten Rahmendaten (Capex, Steuern, Wc), aber mit einer jährlichen Wachstumsrate von 15% statt 27% in den ersten 9 Jahren und dafür mit einem Terminal Growth von 8% statt 3%. durch, kommt man auf einen Fair Value von 21,10 EUR pro Aktie, mit 3% Terminal Growth wäre man bei 8,47 EUR pro Aktie

Fazit:
– Im Kursziel von 50 EUR ist ein noch nicht existierender Geschäftszeig mit 9 EUR NPV pro Aktie enthalten
– Dazu kommt die Sensitivität des Modells auf das Wachstum der ersten 9 Jahre. Die Sensitivität der gesamten Bewertung beträgt ungefähr 2-3 EUR pro Aktie auf 1% Veränderung des jährlichen Wachstums in den ersten 9 Jahren.
– Wie realistisch die angenommenen 27% p.a. Wachstum in den nächsten 9 Jahren sind, muss jeder selber entscheiden.

Wir sind der Meinung, dass hier eher Überraschungen nach unten zu erwarten sind, sei es durch Ernteprobleme wie in 2010 oder durch vielleicht nicht ganz so schnelle Gewinne im neuen Geschäftszweig oder einer evtl. langsameren Wirtschaftentwicklung in China in den nächsten 9 Jahren.

Wacc at its best: Kabel Deutschland

Nach unserer ersten Kabel Deutschland-Analyse – Ein kleiner Gedankengang für Zwischendurch:

Wir möchsten einen Plausibilitätscheck anhand einer bullischen Analyse der LBBW vornehmen. Wir haben die Freecashflow-Reihe des Analysten übernommen und passen das System an unsere Risikoeinschätzung an. Unserer Meinung nach sind die Annahmen der Analyse “ambitioniert”. Siehe DCF-Modell Seite 5.

Risikofreier Zins: 2,3%
EK-Kosten: 9,1%
FK-Zins: 3,7%

Den optimistischen FreeCashflow-Schätzungen verpassen wir unsere eigenen EK-Anforderungen:

Kabel Deutschland zahlt für seinen den gelisteten Bond: 10,75% Zinsen. Der Bond notiert soweit erkennbar bei 103,58 was einer Rendite von ~9,5% entspricht. (Wie kommt die LBBW-Analyse auf den FK-Zins von 3,7%? – eine Differenz von rund 6%) Erhöht man die EK-Anforderungen von 9,1% um genau diese 6% auf 15% erhält man einen “Fairen Wert” von rund 18,50 Euro.

Wir erachten ein EK-Zins von 15% für ein solch krass verschuldetes Unternehmen nicht als besonders hoch. Grobe Fair Values bei verschiedenen EK-Zinsen:
EK-Zins: 10% = 33€
EK-Zins: 12,5% = 26€
EK-Zins: 15% = 18,5€
EK-Zins: 20% = 8,8€

Wie bei allen DCF-Modellen gilt aber “Shit in – Shit out” – daher sollte man diese sehr vereinfacht gehaltenen Berechnungen nicht für zu genau halten.

Ein weiteres Leckerli, was man sich mal genauer anschauen müsste ist die Refinanzierungsstruktur von Kabel Deutschland. Selbst wenn der vollständige FreeCashflow der LBBW-Schätzung in die Tilgung gesteckt würde, könnten die aktuell 3.000 Mio. Euro Schulden nicht vollständig getilgt werden.

Die Darlehen sind darüber hinaus mit saftigen Konditionen und Covenants versehen.

So hat insbesondere das PIK-Darlehen echt heftige Konditionen. Im Geschäftsbericht werden die Konditionen des 700 Mio. PIK-Loans (thesaurierendens Darlehen das vollständig inkl. Zins und Zinseszins 2014 fällig wird) mit Euribor +7% p.a. angegeben. Der Einfluss einer Zinssteigerung um 100 Basispunkte wird mit rund 25 Mio Euro angegeben. Bei 90 Mio Aktien hat eine Zinssteigerung um 100 Basispunkte also einen negativen Effekt von rund 30 Cent pro Aktie. Immerhin 30% des von der LBBW “geplanten” Gewinns für 2012.

<So richtig können wir also nicht erkennen, warum Kabel Deutschland nun 36 Euro oder in Summe 3,2 Mrd. Euro wert sein soll.

Short Asian Bamboo – China Background Infos

Fairerweise sollte man im Hinblick auf die hohe Shortposition bei Asian Bamboo in den USA auch auf die aktuellen Entwicklungen verweisen. In USA sind generell viele der dort gelisteten China Firmen in Verdacht geraten.

U.a. prüft die SEC gerade in mehreren Fällen, siehe hier: Bloomberg Artikel

The SEC on Dec. 21 sanctioned a California audit firm for signing off on fraudulent financial statements made by a Chinese energy company. Auditors have come under scrutiny for signing the financial statements of China-based firms accessing U.S. markets through reverse mergers, in which a closely held company acquires a publicly traded company and can then sell shares without an initial public offering.

Bekannt ist for allem “MuddyWaters” durch den Research Bericht zu RINO geworden Sell Rino. Rino hat den Betrug mittlerweile auch zugegeben.

Andere Beispiele findet man z.B. auch im Bronte Blog China Media Express

Wir glauben, dass man auch diese Entwicklung im Auge behalten muss. Sollten sich mehrere dieser Fälle bestätigen, könnte das natürlich Auswirkungen auf alle China Aktien mit Auslandslisting haben.

Asian Bamboo – Update

Interessanter Tag heute:

Zunächst meldet der Norwegische Staat die Überschreitung der 5% Grenze Asian Bamboo DGAP 17.01.

Hat sich dadurch etwas an unserer Shortthese Asian Bambo Short etwas geändert ?

Unseres Erachtens nicht. Die Aktie wir ja mittlerweile auch in USA gehandelt, dort werden monatlich die Shortpositionen gelisted. Man kann über die OTC Short Interest Abfrage recht einfach die Monatsstände mit dem Ticker ASIBF abfragen:

Der Trend ist eindeutig:

31.12.2010 -413,417 Stücke
15.12.2010 -363,017
30.11.2010 -324,957
15.11.2010 -15,427
30.09.2010 -1.050

Seit Ende September wurde ín den USA eine Shortposition aufgebaut, die gut 2,5% der Marketcap bzw. 5% des Freefloats beträgt.

Der Kurs hat überraschenderweise auf die Nachricht der Norweger stark negativ reagiert:

Asian Bamboo 5 Tage

Warten wir ab wer besser recherchiert hat. Die Norweger oder die Shorties…

Opportunistic Short: Asian Bamboo

Auf den ersten Blick sieht Asian Bamboo wie eine der typischen China Erfolgsgeschichten aus. Wachstum versteht sich von selbst, man baut schließlich die schnellsten wachsende Pflanze der Welt (Bambus) an und verkauft u.a. die Bambussprossen als Nahrungsmittel und die Stämme für den Bau und diverse andere Nutzungsmöglichkeiten.

Der Chart kennt seit einem kleinen Rücksetzer seit Anfang 2009 nur eine Richtung und hat sich seitdem knapp verachtfacht.

Chart

Interessanterweise koppelte sich der Kurs auch von anderen Werten in dem Sektor, wie z.B. Chaoda Agriculture komplett ab:

Vergleich

Die Gewinnreihe sieht ebenfalls sehr eindrucksvoll aus:

2004: 0.40
2005: 0.70
2006: 1.24
2007: 1.82
2008: 2.14
2009: 2.39
2010: 2.82 (est.)

Das heißt die Gewinne wachsen anscheinend ebenso schnell wie die legendären Bambus Pflanzen.

Warum jetzt also Short ?

Schaut man sich mal den neuesten Bericht (Q3 Report) an, fällt beim Überblick für Q3 stand-alone gleich mal folgendes auf:

– Der Gewinn ist ist dreimal so hoch wie der Umsatz
– ganz unten wird ein „bereinigtes“ Ergebnis pro Aktie ausgewiesen, dass deutlich niedriger ist mit 0.49 EUR für Q3 als das „Headline Result“ mit sagenhaften 2,86 EUR pro Aktie.

Die Antwort auf dieses Rätsel gibt Asian Bamboo selber in der Fussnote 1: „Bereinigt um Wertänderungen des beizulegenden Zeitwerts biologischer Vermögenswerte und darauf entfallenden Steuern“

Übersetzt aus dem Buchhalterfachchinesich heißt das, dass man das Wachstum des Bambus auf den vorhandenen Plantagen gleich mal als Gewinn einbucht, noch bevor dieser überhaupt verkauft wird. Im Gegensatz zum HGB ist diese Bilanzierung nach IAS.41 durchaus üblich und möglich. Kein Wunder, dass die „biologischen Vermögenswerten” mit 200 Mio auch gleich 2/3 des ausgewiesenen Eigenkapitals von 300 Mio EUR ausmachen.

Nachdem im Q2 Bericht schon auf “Diskussionen mit den Bilanzprüfern” hingewiesen wurde, steht im 3 Quartal schließlich in der deutschen Version des Berichtes:

„Die geänderten Methoden zur Bewertung der biologischen Vermögenswerte würden erstmalig im Konzernabschluss zum 31. Dezember 2010 angewendet und voraussichtlich zu einer erheblichen Minderung des beizulegenden Zeitwerts der biologischen Vermögenswerte und des ausgewiesenen Wertzuwachses führen. Aufgrund der vorgeschriebenen rückwirkenden Anwendung von Bewertungsänderungen würden sich auch die Vergleichswerte zum 31. Dezember 2009 und zum 31. Dezember 2008 reduzieren. Da sich die Höhe der Abschreibungen auf die aktivierten Pachtvorauszahlungen andererseits nicht bedeutend ändern dürfte, wird das bereinigte Nettoergebnis nach unseren Erwartungen demzufolge nicht maßgeblich betroffen sein.“

D.h. zum Jahresende – bei negativ verlaufender Diskussion mit den Wirtschaftsprüfern – könnte ein relativ großer Teil des ausgewiesenen Eigenkapitals und früherer Gewinne aus der Bilanz „verschwinden“. Vorsichtshalber hat man aber in Q3 nochmal richtig in die Vollen gelangt.

Um auch ohne den „Biological Asset“ Teil Wachstum zu zeigen, kauft (bzw. pachtet) die Gesellschaft ständig weitere Flächen dazu. Aus irgendeinem Grund nutzt man dazu aber nicht den angeblich recht hohen Cashflow oder nimmt Kredite (“organisches Wachstum”) auf sondern macht ständig Kapitalerhöhungen. Im Rahmen dieser Kapitalerhöhung gibt auch der CEO und Großaktionär ständig Aktien ab. Solide Unternehmensführung sieht unserer Meinung nach anders aus.

Macht man mal eine grobe Bewertung abzgl. der fragwürdigen biologischen „Luft“ kommt man ungefähr (Q3 hochgerechnet) auf folgenden Bewertungen:

KBV 6 (bei voller Abwertung biologischer Assets)
operatives KGV ~25 (bei Umsatz Q4=Q3 ohne Zinsen auf die Cashbestände)
KUV ~8 (bei Umsatz Q4=Q3)

Wichtig ist nochmal anzumerken, dass die Höherbewertung der biologischen Assets nicht illegal oder verboten ist. Sie findet in Abstimmung mit dem IAS.41 statt. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass die biologischen Assets überwiegend oder sogar vollständig abgewertet werden. Die oben genannten Zahlen sind also nur “Worst Case – Zahlen” bei voller Abwertung!

Das ist für einen Wachstumswert mit angeblich 50% Nettomarge vielleicht nicht viel, zuletzt meldete der Norwegische Staatsfonds ein 3% Paket.

Dennoch sind wir aber der Meinung, dass ein Short hier angebracht ist, denn:

– die Firma bilanziert sehr aggressiv, Kosten werden kapitalisiert, zukünftige Gewinne schon vorab realisiert
– bereinigt um Zukäufe und „Wachstum Biologischer Assets“ ist die Aktie sehr teuer
– Wachstum wird nicht intern generiert sondern lediglich durch EK finanzierte Zukäufe
– Zum Jahresende wird es eine deutliche Reduktion des ausgewiesenen EKs und der vergangenen Gewinne geben
– Der CEO baut seine Position im Rahmen der ständigen Kapitalerhöhungen kontinuierlich ab, zuletzt Ende 2009 und Mitte 2010
– Letztlich ist Bambus ein “Commodity-Business” Mittel- bis langfristig können Margen von >50% in einem freien Wettbewerb nicht gehalten wird. (Hier besteht natürlich die Möglichkeit, dass die Firma durch die lokale Regierung gedeckt wird – oder auf Kosten einer bestimmten Anspruchsgruppe solch hohe Margen erzielt)

Ein schönes Zitat zum heutigen Kauf weiterer Plantagen zeigt schön, dass das Unternehmen genau weiß wo das Wachstum herkommt:
Lin Zuojun, Vorstandsvorsitzender und Gründer der Asian Bamboo AG, kommentiert: ‘Der Abschluss neuer Pachtverträge ist das Fundament unseres Geschäftsmodells. Mit diesen neuen Anpachtungen steht uns nun eine Plantagen-Gesamtfläche von 54.511 ha zur Verfügung, wovon 35.050 ha erntereif sind. Wir erreichen damit ein schnelleres Plantagenwachstum als ursprünglich geplant und erwarten nunmehr, spätestens zum dritten Quartal 2012 eine Plantagen-Gesamtfläche über mindestens 70.000 ha bewirtschaften zu können. Unser längerfristiges Ziel ist die Erweiterung unserer Anbauflächen auf mehr als 100.000 ha. ‘

Als „Risiko“ für den Short besteht natürlich, dass das finale Stadium der allgemeinen China Euphorie eintritt und dass die großspurigen Wachstumspläne bzgl. Bambusverarbeitung tatsächlich so realisiert werden können.

Dennoch halten wir eine anfängliche 1,5% Shortposition in Asian Bamboo für unser Portfolio angemessen.

P.S.: Ein “Zuckerl” zum Thema Bambus noch ganz am Schluss, aus Wikipedia /wenn das passiert, kann man die “biologischen Assets” auch in die Tonne treten:

Blütenbildung [Bearbeiten]

Die meisten Bambusarten sind monokarpe Pflanzen und sterben nach der Blüte und der Fruchtbildung ab. Sie blühen synchron periodisch, je nach Art alle 12 bis 120 Jahre. Da die Pflanzen in einer Region gleichzeitig blühen, kann dieses Absterben von Pflanzen eine große Region betreffen. Das ist unter anderem in den 1990er-Jahren und 2006 in Europa vorgekommen, wo Bambus als Gartenpflanze genutzt wird. Wegen der seltenen Frequenz ist die Blüte vom Bambus noch nicht eingehend erforscht, es ist z. B. noch nicht bekannt, wieso die Pflanze so selten blüht und was sie zum Blühen anregt. Es wird angenommen, dass die seltene und großflächige Blüte dazu beiträgt, die Samen zu erhalten, da sich keine Tiere auf ihren Verzehr spezialisieren können.

Opportunistic Short: Kabel Deutschland AG

Kabel Deutschland war einer der erfolgreichsten IPOs 2010: Emittiert zu 22 EUR im März 2010, Jahresendkurs 38,875 EUR macht stolze 58.5% Performance oder rund 30% besser als der MDAX im gleichen Zeitraum.

Chart 1 Jahr

13 von 18 Analysten die den Wert covern haben ein „Buy“ Rating, der Zielkurs wird ständig nachgezogen. Recht schnell wurde der Wert auch in den MDAX aufgenommen. Im Dezember meldet Fidelity, dass sie mit einem 5% Paket dabei sind.

Auf der Homepage sieht man unter „Fakten für Investoren“ für das letzte Geschäftsjahr

(Fakten) zunächst mal eindrucksvolle Zahlen: Umsatz steigt, Betriebsergebnis auch, auch das Jahresergebnis hat sich deutlich verbessert , man konnte den Verlust deutlich senken.

Aha, aber dennoch : Es wird kein Gewinn gemacht sondern Verlust

Gleich darunter Wird der „EBITDA“ mit 659 Mio. angegeben, mit einer kleinen Fussnote. Die wiederum sagt (sehr viel schlechter leserlich): „(1) EBITDA consists of profit from ordinary activities before depreciation and amortization. We calculate Adjusted EBITDA as profit from ordinary activities before depreciation, amortization, non-cash compensation, which consists primarily of expenses related to our MEP programs, and restructuring expenses. Adjusted EBITDA is a measure used by management to measure our operating performance. Adjusted EBITDA is not a recognized accounting term or measure in accordance with IFRS, does not purport to be an alternative to profit from ordinary activities or cash flows from operating activities and should not be used as a measure of liquidity.“
Springt man mal in den Geschäftsbericht des entsprechenden Jahres (Geschäftsbericht ) direkt auf Seite 70, fällt einem folgendes auf:

Irgendwie sind die konsolidierten Assets (trotz 750 Mio. Euro Immateriellen Vermögenswerten) deutlich kleiner als die Verbindlichkeiten. Ergebnis sind -1,6 Mrd NEGATIVES Eigenkapital. Das gab es zuletzt bei General Motors.

Dazu noch ein Verlust von 45 Mio. EUR aufgrund hoher Zinsbelastung. Dem negativen Eigenkapital stehen zusätzlich noch gut 3.1 Mrd. Finanzverbindlichkeiten gegenüber.

Warum diese Bilanzstruktur so gewählt ist, wird wirklich nirgends erklärt – aber was solls.

Springen wir noch mal zum aktuellen Quartalsbericht:

Es wird nach wie vor Verlust gemacht, aber etwas weniger als im Jahr zuvor. (Der betriebliche Cashflow ist relativ gut, wird aber durch Investitionen und Zinsen weitgehend aufgefressen, es konnten nur 60 Mio Verschuldung getilgt werden. Immerhin ist das Eigenkapital annähernd konstant, weil man irgendwie die Bilanzierung geändert hatte.

Soweit so gut, wir haben ein Unternehmen, dass an der Börse mit 3 Mrd EUR bewertet wird mit negativem Eigenkapital i.H. von -1,6 Mrd (inkl 700 Mio immateriellen Vermögenswerten). Warum sollte der Kurs gerade jetzt fallen ?

– die Bewertung ist mit „offiziell“ 7.4 x EV/EBITDA selbst für diesen Sektor recht ambitioniert (Comcast aus USA ist bei 6,3 und die diversen Liberties auch bei 6,4)
– der Chart sieht „angeschlagen“ aus
– der ursprüngliche PE Investor Provdence unterliegt keinem lock up mehr (lief im September 2010 aus) und wird sicherlich mal seine restlichen 40+% versilbern wollen, gut 17% hat man gleich nach Ablauf platziert

Hauptrisikofaktor von der Shortseite ist natürlich die Gefahr, dass irgendeiner auch zu diesem Preis noch Kabel Deutschland übernehmen will. Gerade in dieser Branche (siehe AOL / Time Warner) ist immer alles möglich.

Dennoch ist das Unternehmen aus fundamentaler Sicht ein klarer Short und wird mit 1% des Portfolios leer verkauft.

Target Portfolio as of January 1st 2011

Beschreibung des Ziel-Portfolios in deutscher Sprache

Target Investments „Core Value“

This is an overview with short comments for the current portfolio. We will add detailed analysis for the positions in the coming weeks.

AS Creation (ISIN DE0005079909) 7%
European market leader producing and whole selling wallpapers. Family owned, cheap valuation with continuous growth. Currently issues with the German anti trust authority which lead to a drop of ~15% in the share price.

Buzzi Unichem Pref. (ISIN IT0001369427) 6%
Italien based cement producer. Family owned, cheap on the basis of historical valuation. Exposure to problematic Italian and US markets, however strong presence in Germany through Dyckerhoff subsidiary. Low debt and goodwill compared to other cement companies.

Vetropack (ISIN CH0006227612) 5%
Swiss based specialist for glass packaging. Strong profit growth in the last couple of years but still relatively cheap. Currently issues due to strong Swiss Franc.

Bijou Brigitte (ISIN DE0005229540) 5%
Costume jewelery and accesoires retail chain, former growth „star“ company. Peak of sales and profit in 2008, since then shrinking sales and profits. However, company produces lots of cash and is relatively cheap. 100% equity financed, family ownership, attractive dividend yield and share repurchases make the stock attractive.

KSB Vz. (ISIN DE0006292030) 5%
Global market leader for pump systems. Typical German „Mittelstand“, meaning low debt, no goodwill and family owned. Produces among others pumps for power plants. Listed subsidiary in India.

Frosta (ISIN DE000606900) 5%
Family owned frozen food producer, who survived a crisis in the years 2000-2003. Famous in Germany for frozen meals without artificial condiments. Strong market position and brand name in Germany and Poland. Relatively cheap valuation.

EVN (ISIN AT0000741053) 5%
Austrian utility company with subsidiaries in the Balkans. Majority owned by the Austrian Government, another big chunk of the shares are held by German utility EnBW. EVN itself owns 11.5% of Verbund, another Austrian utility. Cheap valuation and constant dividend payments

Ensco (ISIN US29358Q1094)) 5%
US Offshore oil drilling oil service company. Almost no debt, currently depressed share price because of Deepwater Horizon accident. Also large position of David Einhorn’s Greenlight.

WestagGetalit Vz. (ISIN DE0007775231) 3%
Solid German building material company with cheap valuation, high dividend yield and consistent earnings.

Hornbach Baumarkt (ISIN DE0006084403) 3%

German Home improvement store chain with cheap valuation combined with reasonable profit growth.

OMV (ISIN AT0000743059) 3%
Austrian Gas and Oil company. Strong presence in Southern-Eastern Europe, especially Oil drilling in Romania.

Fortum (ISIN FI0009007132) 3%
Utility from Finland with high percentage of renewable and nuclear power generation. Within the European peer group extremely low Carbon emissions. Currently build up of capacity (natural gas) in Russia. Not really cheap but attractive as share price has suffered due to general problems in the utility sector.

Apogee Enterprises (ISIN US0375981091) 3%
Apogee designs and develops architectural glass and other building glass installations. Currently in the low of the business cycle as glass facades are completed at the end of an construction product, cpacity utilization at the moment only around ~50%. Apogee now concentrates on “value added” glass, especially insulation in order to save energy. Similar story as Sto Vz.

Tonnellerie Francois Freres (ISIN FR0000071904)) 3%
Global market leader for manufacturing oak barrels (Barrique). Vertically integrated business from the production of wood to recycling barrels into wooden chips. Cheap valuation, very stable margins.

Medtronic (ISIN US5850551061) 3%
Market leader for many types of medical products. Fundamentally not really cheap but cheap compared to historical valuations. High margins, benefits from demographic trend.

Einhell VZ(ISIN DE0005654933) 2%
Company produces low cost handyman and craftsmen tools. Distribution through all major discount chains and home improvement stores. Constant earnings and growth for a cheap price.

Tsakos Energy Navigation (ISIN BMG9108L1081) 2%
Family owned tanker fleet operator from Greece. Very cheap valuation, however difficult market and surprising capital increases make the stock risky.

WMF Vz. (ISIN DE0007803033) 2%
Traditional German manufacturer of silverware and other household wares. Through clever acquisitions, WMF succeeded to enter the market for professional coffee machines. WMF also operates its own retail stores.

Benetton SpA (ISIN IT0003106777) 2%
Former star performer with provocative marketing campaigns. After 10 years of share price declines, stock is fundamentally very cheap incl. a good dividend yield combined with low debt and low goodwill. Company has significant presence in BRIC markets, which could offset further decline in its home market Italy.

Ishares -Stoxx 600 Utilities (ISIN DE0006289457) 3%

Utilities were on average one of the most underperforming sectors. Cheap valuations, stron cash flows and high dividend yields however make the sector attractive. High goodwill and significant debt create risks as well as in some cases questionable investments into emerging markets projects.

=Sum Core Value 78%

The following titles represent the category “Opportunity”

Aire KGaa (ISIN DE0006344211) 3%
Former “AIG Real Estate”. A traded closed real estate investment fund. No direct links or exposures to AIG. Real estate portfolio consists of international projects around the globe. A lot of the investments are highly leveraged but have been written down substantially in some cases even completely. More than 50% of the remaining NAV is concentrated in one object in Bratislava where refinancing is due in 2011.

Degi International (ISIN DE0008007998) 3%
One of several open real estate investment trusts which had to be closed down due to overwhelming redemption request. Portfolio is relatively solid and fund is priced ~50% of NAV. Small chance for reopening until November 2011.

CS Euroreal (ISIN DE0009805002) 2%
temporarily closed open ended real estate fund with very high likelihood to reopen in 2011

IVG Convertible 2014/2017 (DE000A0LNA87) 3%
Non-rated Convertible bond issued by a large German real estate company, maturity 2107. No option value as exercise price is 10 times current share price. Bond holder have put right at par in 2014, yield at current prices ~11% p.a. which is significantly more than for corporate bonds with the same risk profile. 100k EUR min . notional.

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HT1 Funding (ISIN DE000A0KAAA7 3%)
Officially default rated (“C”) Hybrid bond from Commerzbank who has already suffered a principal write down of about 15%. Specialty: Bond still pays coupon due to guarantee fram Allianz SE. Further risk for writedowns limited. If Commerzbank starts to pay dividends in 2012 as expected by equity analysts, bond will have to be written up to 10% before that.

Drägerwerk Participation Rights (ISIN DE0005550719) 3%
Classical capital structure “arbitrage”. Participation rights receive 10 times the dividends of the listed pref shares of Draeger but only costs twice as much. However some issues about dilution provisions exist. In 2011, significant cash out (dividend + compensation for capital increase of 2010) is expected.

Sum “Opportunity” = 15%

Sum Total = 93%

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